Mäddeninſtitute DEE Mäddenſhulen 5
Umganges rechter Art iſt!" Literatur (ſoweit fie nicht bereit8 genannt wurde) : Al-
berg , Sophie, „Briefe über weibliche Bildung. Hülfsbüchlein für gebildete Mütter und
Erzieherinnen", 2. Aufl. Leipzig, 12 Sgr. (verbreitet ſich nur über häusliche Erziehung) ;
Kloß, Dir. M., „Die weibliche Turnkunſt“", 2, Aufl. Leipzig, 2/2 Thlr. ; Marſchner,
Amalie , Verfaſſ. der „Andeutungen über Erziehung für Mütter“, „Der Erziehungsberuf
der Frauen in ſeiner Wirkſamkeit von jonſt und jeßt", Drezden, 2/3 Thlr. ; Reclam,
Prof. Dr. Karl!, „De38 Weibe8 Geſundheit und Schönheit. Aerztliche Rathſchläge für Frauen
und Mädchen“, Leipzig 1864, 1*?/3 Thlr.; Virchow, Rud., „Ueber die Erziehung des
Weibe3 für ſeinen Beruf“, Berlin 1865, ?/4 Thlr.; „Die Frauen und ihr Beruf. Ein
Buch der weiblichen Erziehung“. (Von Luiſe Büchner.) 3. Auſl. Frankfurt a./M. 1860,
1 Thlr. (von Dieſterweg empfohlen) ; „Blätter für weibliche Bildung“, von Friedländer
u. Schornſtein, Elberfeld u. Iſerlohn 1849, 50; Fr. Necre de Sauſſure, „Die Erzieh-
ung des weiblichen Geſchlecht8“, Hamburg 1839; Günther, „Briefe an eine Mutter über
die wichtigſten Mängel in der jeßigen Erziehung der Töchter höherer Stände", Bieleſeld
1851 ; „Die Programme von Diak. Dr. A. Meier“, Lübe> ; De8gl. von Kühner, Frank=
furt a./M. 1853--67.
Maädcheninſtitnte, gewöhnlich auch Benſionsanſtalten genannt, ſind als ſolche Anſtalten
zu bezeichnen , welche die Vortheile der häuslichen Erziehung mit denen des ſchulmäßigen
Unterrichtes vereinigen wollen. Schon zu Ende des vorigen und zu Anſang dieſes Jahr-
hunderts traten derartige, im Allgemeinen ſtreng abgeſchloſſene Anſtalten auf und zwar ge
wöhnlich unter der Leitung von Franzöſinnen. Die herrſchende Sucht nach franzöſiſcher Sitte,
Mode, Sprache u. dergl. leiſtete dieſen Einrichtungen Vorſchub. Gar bald waren die Mädchen=
inſtitute die eigentlichen Bildungöſtätten für die Töchter höherer Stände geworden. Die
Leiſtungen bezwecken gewöhnlich mehr glänzende Ausſtattung der Perſönlichkeit durch Sprach-
kenntniſſe, Ausbildung gewiſſer Talente, Gewöhnung an die feinere Sitte der vornehmeren
Kreiſe 2x. Dabei folgte man zu ſehr dem franzöſiſchen Einfluſſe und vernachläſſigte meiſt
wahre Geiſte8= und Gemüthsbildung. Es konnte darum nicht fehlen, daß zur Zeit der
Wiedererwachung und Wiederbelebung deutſchen Gefühles und deutſchen Sinnes ſolcher Inſtituts8-
erziehung Oppoſition gemacht wurde. Al38 Gegner wollen wir nennen: 3. Paul (Levana),
EC. M. Arndt, Fr. L. Jahn u. A. Das8 Vertrauen wurde allmählich erſchüttert. Im All-
gemeinen haben in der Gegenwart die Penſion8anſtalten die früher übliche Abgeſchloſſenheit
aufgegeben und mehr oder weniger den Charakter der Oeſſentlichkeit angenommen. Die meiſten
jekigen Venſionsanſtalten beſchränken ſich darauf, die Familienerziehung zu vertreten, während
ſie den Unterricht den Schulanſtalten überlaſſen. Troßdem finden ſich hin und wieder Aus=
läufer jener alten, bereits genannten Richtung. Mit Recht hat man der Inſtitutserziehung
gegenüber behauptet, daß dieſelbe niemals das älterliche Haus, wenn ſonſt in demſelben
der rechte Geiſt lebt, zu erfezen vermag, ja auch daß gerade durch das Beiſammenſein vieler
Mädchen in Folge der ihnen eigenthümlichen größeren Reizbarkeit manchen Fehlern, 3. B.
der Ausgelaſſenheit , der Geſchwäßigkeit, der Zerſtreutheit, der Jntrigue, Scadenſreude 2c.
Vorſchub geleiſtet wird. Troßdem fann die Frage, ob Penſionsanſtalien ohne Weiteres zu
verwerfen ſind, nicht unbedingt mit Nein beantwortet werden. In den Fällen, wo die Mutter
des Hauſe8 verſtorben, oder wo das Familienleben an ſittlicher Verderbniß leidet, iſt das
Mädchen am Beſten in eine beſreundete oder verwandte Familie zu geben oder auch einer
Penſionsanſtalt zuzuweiſen, am liebſten einer jolchen, die durch ihren öffentlichen Charakter
eine verſtändige Organiſation gewährleiſtet. (S. auch Mädchenerziehung u. Mädchenſchulen.)
Mädchenſchulen. Mit dieſem Namen bezeichnet man Schulanſtalten für die weibliche
Jugend, gewöhnlich für die der niederen und mittleren Volksſchichten. Schon Karl der Große
begründete beſondere Mädchenſchulen für die vornehmeren Stände. Später waren naments-
lich die Nonnenklöſter Unterricht3= und Erziehung3anſtalten für das weibliche Geſchlecht. Von
entſchiedenem Einfluſſe auf Begründung von Mädchenſchulen war die Reformation. Luther
forderte 1524 in ſeiner Schrift: „An die Rath3herren aller Städte Deutſchland8,“ daß ſie
geſchiter Männer und Frauen, daß die Männer wohl regiren könnten Land und Leute,
die Frauen wohl ziehen und halten könnten Haus , Kinder und Geſinde.“ In den ver-

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