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Regel mit dem Namen Foxkbildungsſchule. Obgleich wir bis zu einer gewiſſen Grenze
dieſen Beſtrebungen unſere Anerkennung nicht verſagen, ſo geht doc geſagten hervor, daß wir von den mit den Mädchenſchulen verbundenen Fortbildungsclaſſen
etwas Anderes verlangen und erwarten. Wir glauben, daß durch Erhöhung der allgemeinen
Bildung und durch Cinführung in die Erziehungslehre nicht nur die Erwerbs8=, ſondern
auch die Erziehungsfähigkeit angebahnt und erhöht wird. Und das halten wir vor Allem
nöthig und ſtimmen dem Altmeiſter deutſcher Pädagogik (Dieſterweg) bei, wenn er ſpricht : „Wir .
erblifen in der Erhöhung der Erziehungsfähigkeit des weiblichen Geſchlechte3 den eigent-
li unter dem Artikel „Mädchenerziehung“ genannt wurde): Schwarz, Fr J. Ch., „Die
Schulen“ ; Rieke, G. A., „Erziehungslehre“ ; Eiſenlohr, Th., „Die Volkſchule und die
Handarbeit".
Malen. Dazsſelbe kann nicht Gegenſtand der Volksſchule ſein, da es eine ſo bedeu
tende Errungenjc andh nicht zu geben hat. Dem Talente und Genie muß außerhalb der Schule Gelegen-
heit zur AuSbildung geboten werden. In anderer Bedeutung iſt e8 eine Liebling8-
beſchäftigung der Kinder, die mancherlei Nußen bringen kann, wenn ſie unter Leitung ver=
nünſtiger Erwachſener geſtellt wird. Zu dieſem Zwecke halte man ſtreng darauſ, daß. die
größte Sauberkeit beobachtet wird, daß alſo nicht ein widerſinniges Klekſen und ein muth=
williges Ueberſchreiten der Contouren ſtattfindet. Den Farbenſinn bilde man dadurch, daß
man die Farben (beſonders bei Fnaben, die in der Regel weniger Auſmerkjamkeit zeigen,
als Mädchen) ſcharf unterſcheiden und nur die anwenden läßt, welche das Kind an den
Gegenſtänden, deren Bilder es coloriren will, aus eigener Anſ Dadurch wird der Willkür Thor und Niegel vorgeſchoben und der Anſchauungsübung ein
wirkjames Feld eröfſnet. Nach und nach vermag man auch da8 kindliche Auge, das im
Anfange grelle Gegenſäße liebt, dahin zu bringen, daß es mehr und mehr die Harmonie der
Farben jc<äßen lernt, freilich nur, wenn man unter Liebe und Aus8dauer das Kind mit
Rath und That unterſtüßt. Die Modeverirrung unſerer Tage , die ſich u. A. auch vielſach
in geſhmaclojer Zuſammenſtellung der Farben kund giebt, läßt recht ſehr wünſchen, daß
in den Familien mehr Gewicht auf ſolche Uebungen gelegt werde. Sehr zu empfehlen
ſind zu dieſem Zwecke colorirte Vorlagen, die dem Kinde als Muſter für ſeine Leiſtung
vorzulegen ſind, dann aber aud beſſere Malkäſten, als ſie gewöhnlich vom Jahrmarkte mit
nach Hauſe gebracht werden. -=- Streng halte man darauf, daß der Pinſel nie in den
Mund genommen wird, weil in den Farben vielſach Subſtanzen (3. B. Arſenik) enthalten
ſind, die, wie die Erfahrung zur Genüge gelehrt hat, Vergiftungen hervorzurufen vermögen. -
Marchen. Die Märchen ſind derjenige Zweig der volksthümlichen Literatur , der bis
jeht in der Volkſchule am Meiſten gepflegt worden iſt. Seit die Gebrüder Grimm dem
deutſchen Bolke feinen Märchenſchaß von Neuem erſchloſſen haben, findet das Märchen in
der Volksſchule die ihm gebührende Vertretung. Ja, die entſchiedenſten Anhänger Herbark's
auf dem Gebiete der Pädagogik legen ſogar dem Märchen ein ſo außerordentliches Gewicht
für den erſten Unterricht und die erſte Erziehung bei, daß bis jeßt mur ein kleiner Theil
ver Pädagogen ſich mit einer jo eingehenden Märchenbehandlung hat beſreunden können.
(Vgl. Ziller, „Grundlegung zur Lehre vom erziehenden Unterricht" und Willmann, „Päda-
gogiſche Vorträge. “) Nicht minder aber giebt es anch Gegner der Märchen, die dieſen nicht
„nur allen erziehlichen Werth abſprechen , ſondern ſogar ihren Einfluß als einen für das
Erziehungs8geſchäſt nachtheiligen betrachten. In vortreſſlicher Weiſe ſind derartige Bedenken
widerlegt in dem kleinen Schriſthen : „Das Märchen und die kindliche Phantaſie. Von
Iulius Klaiber." Zugegeben muß werden, daß das Märchen , ein poetiſches Erzeugniß
aus der Jugendzeit der Völker, ein Spiel der Phantaſie, wie jugendliche Völker es lieben,
zunächſt nur für das früheſte Kindesalter geeignet iſt, wenn man erziehliche und den Unter-
richt fördernde Einflüſſe von ihm erwarten will. Das Intereſſe, das reifere Schüler oder
ſelbſt Erwachſene den Märchen noch entgegenbringen können, iſt ein ganz anderes. Dabei
muß aber immerhin vor jedem Uebermaße in der Darbietung von Märchen gewarnt werden.
Ein jolches Uebermaß möchte leicht eine übermäßige, darum widernatürliche und den übrigen

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