Pik u Phyſigonik 88 00
heit her angebildet worden ſein. Iſt das erſtere der Fall, jo kann einzig und allein eine
-Fortdauernde Erregung einigermaßen günſtig wirken, dem lehteren Falle iſt durch beſſere
Gewöhnung und durch Anwendung der verſchiedenartigſten Reizmittel entgegenzutreten. Zu
dieſen gehört unſtreitig in erſter Linie ein intereſſanter Unterricht, der dem Kinde anfangs
ſpielend , nach und nach aber in ernſterer Form eine ſeinen Kräften völlig entſprechende |
Thätigkeit aufnöthigt. Jederlei Uehermaß wirkt abſhretend, aber auch jede allzu große Schonung
der Kräfte befördert die Übeln Folgen des vorhandenen Phlegma's. Der zu frühe und
zu lang ausgedehnte Schulbeſuch , beſonders ſolcher Claſſen, deren Unterricht dem Kinde
nicht angemeſſen iſt, wobei das Kind nach der Ausſprache der Aeltern nur „das Still-
jißen" lernen ſoll, leiſtet dem Phlegma Vorſchub. Da der Phlegmatiſche jeinem Naturell
nach ſelbſt ziemlich conſequent iſt, ſo gehört zu ſeiner Behandlung und zur Heilung ſeiner
Schwächen auch eiſerne Conſequenz ſeitens des Lehrer8. Strafen werden nur dann wirken,
wenn fie einen ſtetigen, allzeit fühlbaren Dru> anzüben, mit vorübergehenden Eindrücken,
aufbrauſendem Zorne, ſentimentalen Reden u. dergl. richtet der Erzieh?r Nichts aus. (Daß
ver Phlegmatiker als ſolcher nicht immer ein verwerflicher Menſch iſt, wurde bereits oben
erwähnt, daher hat der Erzieher an ihm nicht nur auszurotten, ſondern auch zu pſlegen
und anzuerkennen, wa3 ihn vor Angehörigen anderer Temperamente auszeichnet.)
Bhyſik, ſ. Naturlehre.
Bhyſifaliſ möglich , weil dieſer ſich durchaus auf das Experiment gründen muß. Sein Umfang
wird vor Allem durch die Auſgabe der Volksſchule beſtimmt, welche nicht iſt, die Wiſſjen-
ſchaft der Phyſik zu lehren, ſondern die Elemente, d. ſ. die Grundanſchauungen und
Grundbegriffe zu bieten. In Bezug auf Anſchaffung desſelben iſt zu rathen, eine größere
Anzahl von Apparaten (alle nothwendigen) gleich bei Gründung einer phyſikaliſchen
Sammlung zu kaufen, da ſie für das erſte Jahr ebenſo nothwendig ſind, wie für jedes
folgende. Der Ankauf der nicht unbedingt nothwendigen kann auf eine beliebige Anzahl
der darauf folgenden Jahre vertheilt werden. Freilich wird der Umfang in der Wirklich-
keit auch durch die Mittel beſtimmt, die der Schule zugewieſen werden und da dieſe nur
ſelten reichlich ſind , überdies noc ein allgemein giltiger Vorſchlag in Betreff von Zahl und Art der Apparate nicht machen,
um ſo mehr nicht, da der Umfang des Unterrichtes , welcher beſtimmend wirkt auf
den der Apparate, ganz weſentlich abhängig iſt von der Organiſation der Schule. Für
geringelaſſige (z. B. Dorfſchulen) dürfte Dr. Krüger's einfacher Apparat (4 Thir.) und
deſſen elektriſcher Apparat (5 Thlr.) genügen (zu beziehen in Körner's Buchhandlung in
Erfurt und bei jedem Droguiſten einer mittleren over großen Stadt) ; für verſchiedene
Schulgattungen hat u. A. Schlichting gute Vorſchläge gemacht in ſeinem Schriſtchen :
„Ueber die Anſchaffung naturwiſſenſchaftlicher Apparate und Sammlungen für die Volls8-
ſchule“, Altona 1863 (ſ. Naturlehre). Aufß'8 Wärmſte empfehlen wir allen Lehrern -
aber das Studium von Weinhold's „Vorſchule der Experimentalphyſik“, um ſich zu be-
fähigen , ſelbſt eine große Anzahl von Präparaten herzuſtellen, und das der phyſikaliſchen
Schriften Krüger's , welche zeigen, wie man ſelbſt mit kärglichen Mitteln Gründliches
leiſten fann.
Bhyſiognomik. Da man unter Phyſiognomie das ganze Aeußere eines Menſchen,
vorzug8weiſe aber ſein Geſicht als äußere3 Kennzeichen natürlicher Geiſte8beſchaſſenheit
verſteht , ſo iſt Phyſiognomik die Kunſt und Fertigkeit, aus dem Aeußeren, vornehmlich
aber aus dem Antliße und den Mienen eines Menſchen deſſen natürliche Geiſte8beſchafſen-
heit zu erkennen. Die Wahrnehmung , daß im ganzen Naturreiche, joweit es unſeren
Blicken erſchloſſen iſt, eine Wirkung » des Geiſtes auf die Materie und umgekehrt ſtatt=
findet, lenkte die Aufmerkſamkeit der Forſcher auf dieſe Kunſt. Dieſe Wechſelwirkung
zwiſchen Geiſt und Körperſtoff iſt nac Annahme des Phyſiognomiſten die Veränderung
der Form und dieſe iſt daher die Grundlage und der alleinige Maßſtab für ſeine Schlüſſe.
Naturforſcher und unter dieſen ſchon der älteſten einer, Ariſtoteles , haben ſich bemüht,
nach der Schädel- und Geſicht8bildung der vollfommeneren Thiere den Maßſtab für die
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