Dee Volk 0 Pik 270,
* Bottiſug nicht erlaſſen werden, die Elemente der Poetik ZU- lehren. - Die Arten vr
Reime und ihrer Stellung, die einfachſten und gebräuchlichſten Ver8maße, die. weſentlichſten
Unterſcheidung8merkmale der gebräuchlicheren Dichtgattungen müſſen auch die Schüler einer
Volksſchule kennen lernen. E3 bedarf dazu kaum beſonderer Stunden, ſondern es kann
da8 darauf Bezügliche bei der Erklärung der Leſeſtücke beigebracht werden. Ebenſo müſſen
die Schüler eine Jdee haben von dem Weſen und der Anwendung dichteriſcher Nedens8=
arten und Wendungen, ſie müſſen mindeſtens eine Metapher, Synekdoche, Metonymie, Ver-
ſonification u. dgl. als eine dichteriſche Redengart erkennen, müſſen wiſſen, worin das
Cigenthümliche einer jeden derſelben beſteht. Die Kenntniß jener fremden Namen iſt dabei
nicht erforderlich. Empfehlen aber wird es ſich, wenn hierfür in der Schule beſondere
Vebungen veranſtaltet werden. Einige deutſche Sprachſtunden mit ſolchen =- namentlich
mündlichen -- Uebungen ausgefüllt, würden die Schüler in den Beſiß eines reichen Schatzes
dichteriſcher Wendungen bringen und dieſer Schaß würde nicht nur an ſich das verſtänd-
nißvolle Leſen dichteriſcher Producte für ſpätere Zeiten weſentlich vorbereiten und erleichtern,
ſondern die Schüler würden auch durch dieſen Schaß und namentlich durch die geiſtige Ar-
beit bei ſeiner Erwerbung in den Stand geſeßt werden , nach Analogie auch ſolche Wen=-
dungen ſich verſtändlich zu machen, die ſie bis dahin noh nicht kennen gelernt hatten.
Zu empfehlen möchte ſein: „Stube, Leitfaden zur Erlernung und Einübung der Redefiguren"
(Berlin 1872, 6 Sgr.), doch müßte der Lehrer daneben auf die in dieſem Buche zu wenig
berücſichtigten volksthümlichen Reden3arten mehr Gewicht legen und von ihnen zumeiſt
ausgehen, weil ſie dem Anſchauung8= und Empfindungskreiſe ſeiner Schüler wohl am Nächſten
liegen. Da38 Verſtändniß dichteriſcher Schönheiten ſelbſtthätig ſich aneignen zu lernen, iſt
ein Vorſchlag , der keine8wegs zu unterſchäßen, ſhon mehrfach gemacht worden, der Vor-
ſchlag nämlich, der Lehrer möge einmal oder auch ein paar Mal in Gemeinſchaft mit den
Schülern ein Liedchen, eine Fabel oder auch nur einige Sprüchlein reimen; wir wollen
abſichtlich nicht ſagen : dichten ; denn dazu dürfte mehr gehören, als mancher Lehrer auch
ohne jein Verſchulden zu leiſten im Stande wäre. Da3 Verhältniß von langen und kurzen
Sylben , von Ver83= und Wortbetonung, von reinen und unreinen Reimen u«+ dgl. würde
dadurc< den Schülern viel anſchaulicher werden und vor Allem würden ſie in ein viel
näheres Verhältniß zur Poeſie treten ; dieſe würde nicht mehr ſo ſehr als ein gleichſam
Unnah- und UPnfaßbare38 den Schülern gegenüberſtehen. Zum Studium für den Lehrer
dürften ſich namentlich die Voetiken von Gottſchall und Kleinpanl empfehlen.
PBalemik in der Schnle. Mit der Polemik nahe verwandt iſt die Kritik, während
aber dieſe nur ein Act des urtheilenden Verſtandes iſt und ganz objectiv ſein kann, iſi
jene immer mit ſubjectiver Natur und ein Urtheilen nac<ß perſönlichen Abneigungen.
Man hat darum aud) geſagt : „Polemik ſei Kritik mit Leidenſchaft“. In die Volksſchule
gehört dieſe Streitkunſt nicht ; denn hier würde das VPolemiſiren nur dem ſchnellfertigen
Abnriheilen , vem oberflächlichen Raiſonniren , der Naſeweisheit uud der Geringſchäßung
der Autorität Vorſchub leiſten, Fehlern, welche bereits eine Krankheit der Zeit ſind und
welche die Schule mit allen ihr zu Gebote ſtehenden Mitteln bekämpfen muß. Am Erſten
wird der Lehrer zum Polemiſiren verſucht beim Unterrichte in Geſchichte und Religion , indem
er etwa die Lehren, Einrichtungen und Gebräuche anderer Religion3 = und Confeſſions8-
bekenner oder der Kirche, der er ſelbſt angehört, abſprechend oder einſeitig beurtheilt, oder
auf ſtaatliche Inſtitutionen früherer Zeiten oder auch der Gegenwart ſ ihm beſonder8 geliebte Staatsform lobpreiſt, die anderen Staats8formen aber herabzuſeßen
ſich bemüht u. ſ. w. Dies Alle3 ſind Gegenſtände, welche vor das Forum des gereiften
Verſtandes gehören, nicht aber vor die Ohren 10= bis 14jähriger Mädchen und Knaben, die
von den politiſchen und religiöfen Wirren und Agitationen, an denen ja gerade die gegen
wärtige Zeit reich iſt, fern zu halten ſind. =- No jeglicher Polemik gegen irgend einen Stand überhaupt und in8beſondere gegen einen Stand,
welchem zuhörende Schüler angehören und von der Polemik gegen Mitlehrer. Wollte der
Lehrer die Kinder der ſogenannten „Honoratioren“ des Orte8 bevorzugen und die Kinder
der unteren und unterſten Volksſchichten in irgend einer Weiſe zurückſeßen, ſo würde er
durch dieſe Art des Polemiſiren8 in Jenen Stande8dünkel , Anmaßung, Selbſtüberhebung

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