92 Prejsaufgaben | | Prußen -/ 
zu viel Gewinn verſprechen, und auch dieſe Arbeit nicht zu einem Zwange machen, ſondern 
vielmehr in den freien Willen der Schüler geſtellt wiſſen möchten, 
Preisaufgaben, wie ſie den Schülern wohl in höheren Schulen geſtellt werden, jind 
in der Volkſchule nicht üblich; und für nüßlich möchten wir ſie in keiner Schule er=- 
achten. Der Vortheil, daß einzelne Schüler aus ihnen Beranlaſſung nehmen mödten, 
tiefer in irgend einen Lehrgegenſtand einzudringen, als es ſonſt wohl der Fall wäre, 
würde durch die damit leicht verbundenen Nachtheile für Sittlichkeit und Charakter der 
Schüler mehr als auſgewogen werden. Eiferſucht, Neid, Mißgunſt, Betrug möchten wohl 
vft die Folgen von Preisaufgaben ſein, wenn ſie Schülern, alſo noch nicht feſtgewordenen 
Charakteren, geſtellt würden. Preisaufgaben haben nur Sinn, wenn ſie im Intereſſe der 
Wiſſenſchaft oder Kunſt geſtellt werden, und wenn die Bewerbung um den Preis in das 
Belieben eines Jeden geſtellt iſt. Am Gefährlichſten müſſen ſie der Sittlichkeit werden, 
wenn nur beſtimmte Kreiſe zur Bewerbung zugelaſſen werden und namentlich, wenn dies 
Kreiſe ſind, deren einzelne Glieder ohne eigene Entſchließung miteinander leben und ver- 
kehren müjjen, wie dies in Schulen der Fall iſt, wo noch hinzu kommt, daß ein feſtbe= 
ſtimmter Charakter in den meiſten der Schüler ſich noch nicht herausgebildet hat. 
Preiſe, j. Belohnungen. 
Preußen. Literatur: v. Rönne, „Das Unterrichtöweſen des preußiſchen Staa 
te8", 1, Thilo, „Geſchichte der Statiſtik des preußiſchen Volks3ſchulweſen8." „Statiſtiſche 
Nachrichten über das Elementarſchulweſen in Preußen“ (für 1859-- 1861, 1861 --64). 
Dr. Engel, „Beiträge zur Geſchihte der Statiſtik des Unterrichtes, inbeſondere des Volks8- 
unterrichtes im preußiſchen Staate", mitgetheilt in Nr. 1 =- 6 des Jahrg. 1869 der 
„Zeitſchrift des königl. ſtatiſtiſchen Bureau's.“ E. Keller „Der preußiſche „Staat“, Bd. 1, 
S, 416--504. W. Harnij<h, „Der jehige Standpunkt des geſammten preußiſchen Volks8- 
jſc<ulweſens, 1844, deſſen Lebensmorgen.“" Dr. Jütting, „Geſchichte des Rücſchritt3 in der 
Dotation der preußiſchen Volksſchule. 1870. Von demſelben, „Die ungenügende Beſoldung 
der preußiſ<en Volksſchullehrer“ (eine Denkſchrift). Heppe, „Geſchichte des deutſchen Volk3- 
j<Gulwejens8", 1.--V. Bd. K. Schmidt, „Geſchichte der Pädagogik, " 1.--1V. Bd. (neue 
Bearbeitung von Dr. W. Lange). Dr. Schumann, „Geſchichte des Volksſchulweſens in 
der Altmark 26.“ 1871. „Die Geſeßgebung auf dem Gebiete des Unterrichtsweſens in 
Preußen.“ Von 1817-68. „Actenſlücke mit Erläuterungen.“ Stiehl, „Die drei preußi- 
ichen Regulative vom 1., 2. und 3. Dt. 1854 2x., die Weiterentwiklung derſelben.“ 
Dr. Gneiß, „Die confeſſionelle Schule“, „Die Selbſtverwaltung der Volksſchule." Seyf- 
farth, „Die Dorfſchulen“, „Die Stadtſhulen“, „Die Seminarien“, „Biographie Peſta- 
lozzt'3." Dörpfeld, „Die freie Schule im freien Staate 2c.", „Die drei Grundgebrechen 
der Schulverwaltung.“ Beriodiſ<he Schriften: v. Beckedorſf , „Jahrbücher des preußiſchen 
Volksſhulweſens", von 1825-29 (9 Bde.). D. A. Dieſterweg, „Rheiniſche Blätter“, 
begründet 1827, jeit 1866 fortgeſeßt von Dr. W. Lange. Dieſterweg, „Pädagogiſches 
„Zahrbuch“", von 1850-66. „Das8 brandenburgiſche Sc<ulblatt“, ſeit 1836. Stichl, 
„Centralblatt für die preußiſche Unterricht8verwaltung“, „Norddeutſche Schulzeitung“ 
(jeit 1867) und deren Fortjehung: „Freie deutſche Schulzeitung“, heraus8gegeben von 
E. Wunderlich. Seyſfart, „Preußiſches Schulblatt“, ſeit. 1870, jeht „Organ des preußi= 
jſc<en Lehrervereins." Keller „Deutſche Schulzeitung“ (ſeit 1871). Berthelt, „Allgem. deutſche 
Lehrerzeitung.“ 1. Geſchichte und Rechte der Volks8ſ<hule. Die erſten Schulen des 
Mittelalter3 waren bekanntlich Dom= oder Stift8ſchulen, die zunächſt zur Heranbildung von 
Geiſtlichen beſtimmt waren. Im preußiſchen Lande finden wir ſie z. B. um's Jahr 1116 
im Kloſter Neuenwerk bei Halle a. d. S., um 1194 zu Stendal, ferner zu Magdeburg, 
Halberſtadt, Brandenburg, Havelberg 2c., in denen der Unterricht einem ſogenannten Schola- 
ſticus oder auch einem beſonderen Schulmeiſter überwieſen war. Daß auch Meiſter (Tempel 
hüter oder Wärter) j<hon unterrichtet haben , iſt wahrſcheinlich, doch vor der Reformation 
wohl ſelten. Die älteſte ſogenannte Kloſterſ<nle, die bekannt iſt, fand ſich um 1270 zu 
Bigge bei Brilon in Weſtſalen , wo die Kirchſpielangeſeſſenen bei 12 Mark Strafe ge 
halten waren, die Kinder zur Schule zu ſchien, damit das noh in vielen Herzen glim= 
mende Heidenthum dadur< gänzlich erlöſcht werde. Neben dieſen geiſtlichen Lehranſtalten
	        

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