Antworten ver Kinder. = Anwenden, 163
verlieren. Wo einmal im Kind? nichts ſte>t, da iſt nichts heraus zu kate-
Methode dazu dient, Zrrihümer zu berichtigen. Berufe man ſich nicht aui
Sokrates. Sokrates hatte ja keine Kinder, jondern Erwachſene vor ſich.
Liegt die Unrichtigkeit in der Form, ſo macht man nur kurz aufmerkſam,
verbeſſert den Fehler und läßt die Antwort in der verbeſſerten Form wieder-
holen. Häufig kommt es vor, daß ein Kind gar keine Antwort gibt. In
dieſem Falle iſt jehr oft der Lehrer ſelbſt Schuld, weil ſeine Frage entweder
der findlichen Faſſungskraft oder den Vorkenntniſſen des Kindes nicht ange-
meſſen war. Ungeſchidte Fragen werden öſter geſtellt, als ſich Lehrer und
Geiſtliche es eingeſtehen wollen. Das Verbeſſern der Frage gibt ſodann
zugleich Gelegenheit zu prüfen, wie weit das Kind zurüc> iſt. Gibt das
Kind aus Schüchternheit keine Antwort, jo liegt, was zu thun, auf der Hand.
Am ſchwierigſten iſt es, wenn das Kind keine Antwort aus BodSheit gibt.
Der Eigenjinn muß in jedem Falle gebrochen werden. Man behalte das
Kind ſo lange in der Schule, bis- es wenigſtens ſpricht, und wenn es auch
nur fagen muß: ich weiß es nicht, ich bitte um Erklärung. Lächerliche
und unwürdige Antworten find ganz unberücſichtigt zu laſſen. Am beſten
iſt es, man laſſe das Kind ſich jeben und gehe zu einem andern über, ohne
jich weiter bei der Antwort aufzuhalten. Um die Antworten richtig behandeln
zu können, iſt vor Allem zweierlei nöthig: Einmal Ruhe und Geduld von
Seite des Lehrers. Der Lehrer, den eine ungeſchi>te Antwort hißig macht,
wird Fehler auf Fehler begehen. Dann hüte er ſich, die Kinder lächerlich
zu machen, denn die Kränfung macht ſie für den nachfolgenden Unterricht
unempfänglich. Was viel zu wenig beachtet wird, iſt: die Kinder ſollen in
das Verſtändniß der Fragformen eingeführt werden. Wenn ich frage: wer ?
ſo iſt die Antwort ein Perſvnalbegriſſ ; frage ich : wie ? ſo iſt die Antwort
eine Eigenſchaft, die einem Zeitwort zukömmt; frage ich dagegen: was? einc
Eigenſchaft, die einem Hauptwort zukömmt. Mit wann? verlangt man die
Zeit, mit warum ? den Grund. zu wijjen. Das ſprachliche Erkennen iſt
die Grundlage alles geiſtigen Verſtändniſſes. -- Noc< muß darauf hin-
gewieſen werden, daß die Frage zwar au Alle zu ſtellen iſt, damit Alle auf-
merken, daß aber, wenn die Frage geſtellt iſt, die Antwort nur von Einem
Kinde gegeben werden fol. Die Chorantworten- jind ganz zu ver-
werfen, denn es iſt nicht möglich, daß alle Kinder dieſelbe Antwort geben ;
es muß alſo mechaniſch auswendig gelernt werden, jonſt gibt es Verwirrung.
Bei ſolchen Chorantworten ſind die Ungeſchiclteſten oft die lauteſten , weil
ſie eben nur mitſchreien, ohne an etwas zu denken. -- Vergl. Zeheter,
Erziehung8- und Unterrichtslehre nach katholiſchen Grundſäßen, 3. 144.
Anwenden bedeutet: von einem geiſtigen oder materiellen Erwerb, ---
einer Kenntniß oder Fertigkeit, oder von einer Sache -- praktiſchen Gebrauch
machen. Man kann etwas gut oder ſchlecht anwenden: es kommt dabei
wieder auf das Maß und die Gründlichkeit der Ginſicht und beziehungs-
: weiſe auf die Gewandtheit und den Willen an. Mancher wendet Geld und
Gut ſchlecht an: er hat entweder nicht die erforderliche Einſicht und An-
leitung in die wahre und rechte Verwendung der Güter erhalten, oder fein
Wille wurde nicht gewöhnt und geübt, vernünftig zu handeln, oder es hat
an beiden Bedingungen gefehlt. Cbenſo kann in geiſtiger Beziehung mancher
Erwerb erlangt worden ſein, ohne daß zum Gebrauch deſſelben für beſtimmte
Zwece im Leben angeleitet worden wäre, --
. -- Jede Schule, welche nicht ſowohl eine wiſſenſchaftliche als practiſche
*“ Aufgabe hat, und darum insbeſondere die Volksichule, muß die Zwecke der
Anwendung im Auge behalten. Die Volksſ ,

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