Abendſchulen. =“- Aberglaube. - :'9
hat man deßhalb überall , wo eine Abendſchule für Knaben eingerichtet
wurde, denſelben den Beſuch der SonntässSichule nachgelaſſen, und die Cin-
richtung ſolcher Abendſchulen , obwohl man den Bejuch dem freien Willen
anheimſtellte , begünſtigt und ſogar dur< Staatszuſchüſſe unterſtüßt, wäh-
rend in Baden die Umwandlung einer Fortbildungsſ jhule noch an ausdrüliche Genehmigung geknüpft iſt. Daß die Reſultate
jolcher Abendſchulen gering ſind, läßt ſich bei Denjenigen nicht läugnen,
welche nur die Fortbildung der Volksſhüler bezwe>en. Erfreulicher find
jedoch die Reſultate bei den gewerblichen Abendſchulen, deren Unter-
richt in nächſter Beziehung zum Handwerke ſteht , und wohl am erfreulich
ſten da, wo Erwachſene, aus freiem Willen und von Wißbegierde getrieben,
die Abendſtunden , die ihnen zur Erholung geſtaitet ſind, zu ihrer Fortbil-
dung benüßen. Derlei Abend)chulen eignen fich ganz bejonders8 zum Unter»
richt in der Landwirthſchaft , für Arbeiterfortbildungs8- und Geſellenvereine
und für das Militär , auf deſſen geiſtige Beſchäftigung noh bei Weitem
nicht gehörige Rücſicht genommen wird. Deun wenn nicht geläugnet wer-
den kann , daß die Militärſchulen zur Ausbildung der Unteroffiziere jehr
Vieles leiſten, ſo iſt gewiß zu bedauern , daß nicht alle Soldaten im Win-
ter wenigſtens zu Wiederholungscurſen angehalten werden. Die ſtrenge
Zucht beim Militär würde ohnehin die Löſung der Aufgabe erleichtern, und
zugleich die Einzelnen zu ihrem und des Staates Nuten beſchäftigen und
vor manchen Abwegen bewahren. -- Vergl. Curtmann, Lehrbuch der Erx-
ziehung und des Unterrichts. 1. 370 |.
Äberglanbe. Es dürfte wohl ſchwer ſein, einen Begriff von Aber-
glauben aufsuſtellen , der alle Erſcheinungen deſſelben in ſich faßte. Wir
werven am beſten thun, wenn wir einfach bei der Wortbildung ſtehen bleiben.
Demnach wäre Aberglaube nicht == Afterglaube , fondern == Ueberglaube
(Superstitio). Der Aberglaube iſt alſo ein Glaube , der über den wahren
Glauben hinausgeht, alſo ein Glaube, aber nicht an Gott und ſeine heilige
Offenbarung, ſondern an einen ſelbſtgeſchaffenen, falſchen Begriff von Gott,
von ſeinem Weſen, ſeinem Willen und ſeiner Kraft, verbunden mit dunkeln
und unheimlichen Vorſtellungen von dem Verhältmiſſe, in welchem die na-
türlihe Ordnung der Dinge mit der übernatürlichen ſteht. =- Je nachdem
der Aberglaube nun Gott, die guten und böſen Geiſter , die Heiligen , die
TSopdten , die Naiur 2c. zum Gegenſtande hat , entſtehen die verſchiedenen
Arten des Aberglaubens , des religivbſen nämlich und des phyſiſchen. Der
phyſiſche Aberglaube wird am deutlichſten vom Concil von Mecheln
(um 1607) in den Worten zuſammengefaßt : „Aberglaube iſt , wenn man
von einer Sache eine Wirkung erwartet, welche weder von Natur, noc< von
göttlicher Einjezung die Kraft hat, eine ſolche Wirkung hervorzubringen.“
Am häufigſten iſt unter dem Volke verbreitet der Glaube an Geſpenſter,
an Hexen, an glüliche und unglückliche Tage, Zeichen oder Vorbedeutungen,
Kartenſchlagen , Traumdeuten , Wahrſagen aus der Hand , Teufels8bann,
Schaßgraben , Todtenbeſchwören 2c. Wir haben e8 mit dem Aberglauben
nur injoweit zu thun , als es ſich darum handelt , die Quellen deſſelben
tennen zu lernen, und mit Erfolg ihm entgegen zu arbeiten. Die Quellen
des Aberglaubens ſind andere bei den Kindern und andere bei den Er-
wachjenen. Bei den Kindern iſt es die Angewöhnung z ſie hören die
thörichten Geſpräche der älteren Verſonen, bei welchen ſie leben und von denen
ſie gar oft aus einſältigem Scherze in Furcht geſetzt werden ; oder ſie ſehen die
Furchtjamkeit der Erwachſenen, welche ſich nicht getrauen, Nachts über einen
Friedhof zu gehen 2c. Dieſe Gindrüce bleiben bei ihnen haften, und ſo werden ſie
abergläubiſch erzogen und bleiben abergläubiſch aus Mangel an richtiger Erz

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