108 Ariſtotelo8. =-- Arithmetik,
genüber. Auch für das Verhalten der Mutter vor der Geburt des Kindes
und für die leibliche Pflege gibt er ſchon zweckmäßige Vorſchriften. Aus-
führlich iſt ſein Syſtem dargelegt in: Wohlfahrt, Geſchichte des geſammten
Crziehung8- und Schulwejens. Duedlinburg und Leipzig 1853. 1. 309 ff.
und zwar unter Grundlegung von: Ariſtoteles Pädagogik von
Caspaxr von Orelli in den philoſophiſchen Beiträgen aus der Schweiz
von Bremi und Döderlin Band 1. S. 61---130.
Arithmetik, Unter Arithmetik (vom Griechiſchen 8012 uc, Zahl) verſtand
man im hohen Alterthunme, namentlich bei den Griechen, die Lehre und Kennt-
niß, ſowie die Eintheilung der Zahlen nach ihren Eigenſchaften (gerad, ungerad,
eben, förperlich 2c.), während unter Logiſtik die Anleitung zur practiſchen
Rechenfunſt verſtanden wurde. In der jehigen Bedeutung wird gemeinhin
das Rechnen mit Ziſſern Arithmetik genannt und mit Rechenkunſt identiſch
genommen. Zu höherm und weiterm Sinne aber iſt Arithmetik als die
Wijjenjc ſtellung ſie behandelt, ſowie die Geſeße ihrer Verbindung und Ableitung
und die Anwendung der Zahl auf Größen verſchiedener Art (ſ, Handbuch
der Clementar-Arithmetik von A. L. Pleibel, 3. Auflage. 1869. Stuttgart,
Schweizerbarth). Man theilt ſie ein in die beſondere und allgemeine;
jene wird auch die numeriſche genannt, und behandelt die Rechenkunſt, inſo-
jerne jie mit beſtimmten, in Ziſſern aus8gedrückten Zahlen beſteht ; dieſe da-
gegen wird als jener Theil der Zahlenwiſſenſchaft betrachtet, welcher die
Gejeze der Zahlenverbindungen mit allgemeiner Bezeichnung der Zahlen
durch Buchſtaben entwickelt. Beide Theile zuſanmnen machen die reine Arith-
metit aus. Der lehtere Theil befaßt in ſich die Algebra und Analyſi8
(j). d. A.), der erſtere Theil iſt in der Regel gemeint, wenn man im tägli-
in niedere und höhere Arithmetik hervor, wovon jene die vier Species,
die Proportionen, das Ausziehen der Quadrat - und Kubikwurzeln , ſowie
den Gebrauch der Logarithmen behandelt, dieſe aber mit der Theorie der
Zahlen ſich beſchäftigt. Nach der verſchiedenen Art, welche ihre Anwendung
im Leben findet, hat man ſie auch verſchieden benannt, und daher rührt
es, daß man 3. B. von einer politiſchen (Staatsrechenkunſt) oder von
einer kaufmänniſchen, oder von einer juriſtiſchen Arithmetik ſprechen
konnte. -- Sieht man auf die Geſ jchon bei den Chineſen die tiefſinnigſten Anſchauungen von der Zahl und
den Zahlenverhältniſjen, eine wahre philoſophiſche Arithmetik. Sie dachten
ſic) die Zahlen als vollkommene und unvollkommene , als in ſich begrenzte
und grenzenloje, und machten von der Art und dem Grade der Vereinigung
beider die Art und den Grad der Vollſtändigkeit aller Dinge abhängig.
Schön jagen jie hierüber: „Wie dur< den Accord des Himmels und der
Crde alle Dinge ſich vereinigen oder zerſeßen , ſich geſtalten , wachſen und
Vollendung erlangen , jo vermag man auch durch die Combination , die
Einigung und den Accord der ungleichen und gleichen Zahlen , welche die
Stellvertreter des Himmliſchen und Jrdiſchen ſind, alle Dinge zu vereinigen
oder zu zerjeßhen (Syntheſis und Analyſis), und Geſtalt , Wachsthum und
Vollendung zu beſtimmen.“ Die heilige Vierzahl der Pythagoräer war
ihnen nicht unbekannt und ihr muſikalijches Syſtem ganz arithmetiſch auf-
gebaut. Die Zahlen waren ihnen nicht ſo faſt Größen , als Behandlungs-
zeichen, eine Anſicht, worauf man in unjeren Tagen wieder zurügekommen
iſt. (S. die Philojophie im Fortgang der Weltgeſchichte von Dr. H. Win-
diſ Erfindung der Arithmetik zuſammt den Zahlzeichen nach Indien, und man

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.