' Abfragen, Abhören, --- Abhängigkeitsgefühl, 11
Abfragen , Abhören. Abhören iſt das auswendig Herſjagenlaſen des
Gelernten von Seiten der Schüler. E8 iſt eine rein mechanijehe , wenn
gleich höchſt nothwendige Prüfung, ob der gegebene Memorirſtoſf überwäl-
tigt worden und im Gedächtniſſe des Schülers haften geblieben iſt. Das
Abhören muß regelmäßig geſchehen , d. h. es darf nicht in unbeſtimmten
Zeiträumen , ſondern es muß zu feſtgejehter Zeit vorgenommen werden,
damit der Schüler es weiß und fich vorbereiten kann. Man hört jede
Lection in der darauſſolgenden Stunde ab und beſtimmt gewiſſe Stunden,
z. B. am Montag Eime Stunde zum Abhören deſen, was in der ganzen
vorigen Woche auswendig gelernt wurde. =- Von dem Abhören unter-
ſcheidet ſih das Abfragen. Beim Abfragen überzeugt man ſich durch
Fragen, ob das Kind in das Verſtändniß deſſen eingedrungen iſt, was
der Lehrer oder ' Katechet vorgetragen, oder was das Kind geleſen hat.
Das Abfragen iſt ein jehr wichtiger Theil des Unterrichts , und es gehört
nicht minder große Geſchilichkeit dazu, als zu einem deutlichen und ſrucht-
bringenden Vortrag. Wer die Eine Gabe nicht hat, kann auch die andere
micht beſißen. Regeln über das Abſragen gibt jede Katechetik; wir beſc fen uns deßhalb auf einzelne Andeutungen. Vor Allem muß der Lehrer
oder Katechet den Sinn deſſen, was er vorirägt, ſelbſt lar verſtehen und
nicht falſc< auslegen. Wer 3. VB. die biblijc terin am Jakobsbrunnen ſelbſt falſe) auffaßt, wird ſowohl in ſeinem Bor-
trage, wie durch das Abfragen den Kindern falſche Begriffe beibringen.
Jedem Abfragen muß nämlich eine Erklärung vorhergeben. Es darf mht
Abfragen und Erklären mit einander verbunden werden, außer da, wo die
jokfratiſ Lehre ſehr oft der Fehler. begangen, eine Lection aufzugeben, ohne fie zu
erflären und ſodann in der nächſten Stunde Abhören und Abſragen mit
einander zu verbinden. Das Abſragen muß, wie die Erklärung, ſich j0-
wohl auf das Sprachliche, als auf das Sachliche beziehen, z. B. in
dem Saße : „Gott verzeiht dem bußfertigen Sünder“ = ſind die Begriffe :
Verzeihen, Buße, Fertigkeit in der Buße, falſc wahre Buße zu erörtern. Auf der deutlichen Erkenntniß, die durc) die
Erflärung gewonnen wurde, beruht der Nuten, ja die Möglichkeit des Ab-
jragens. Das Weitere ]. u. A. Frage.
Abhäungigkeitsgefühl. Jeder Menſch, ſobald er ſich begreift, begreift ſich
jmgleid) als abhängig von Gott. Dieſes Begreifen iſt nicht blos ein Füh
len, jondern auch zugleich ein Erkennen; doh iſt das Gefühl allerdings
das Erſte und Unmitielbarſte. Das Gefühl der Gottheit iſt dem Menichen
angeboren, es läßt ſich in Hintergrund drängen, durch falſche Schlüſſe ab-
ſtumpfen ; aber verdrängen läßt es ſich nicht. Die Seele iſt, wie dieß
j jagte, von Natur aus eine Chriſtin. „Soll ich euch,“ ruft er aus, „das
Daſein Gottes blos aus vem Zeugniſſe der Seele beweiſen ? Nun wohl !
Obgleich tief in dem Gefängniſſe der Erde, obgleich entkräftet dur< Leiden-
haften und Begierden , ruft dennoch die Seele, wenn ſie zu fich jelbſt
kommt , wie z. B. nach einer Krankheit, dann, wann ſie einen geſunden
Anugenbli> hat, den Namen -Gottes aus , indem ſie jagt: „Großer Gott!“
„Guter Gott !“ Dieſe Worte kommen allen Menſchen in den Mund. Da-
mit aber, daß das Daſein eines Gottes von uns erkannt. wird, iſt zugleich
auch erkannt, daß wir um Gottes8willen da ſind, da jedes Geſc einen Zwe hat, der Zwe des Menſchen aber nur ſein kann, den Willen
Gottes zu erfüllen. So fühlt ſich die Seele ves Menſchen an den Herrn
gebunden. Dieſes Gefühl der Abhängigkeit hat der Kirchenlehrer Lactan-

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