Aufſicht, die nothwendige, über die Kinder. 131
Aufſicht, die nothwendige, über die Kinder. Zu den Künſten, Kinder gut
zu erziehen, gehört auch diejenige, diefelben jo zu beauffichtigen, daß
jie weder an Leib noh an Seele Schaden nehmen. Dieſe Auſſicht, nament-
li) die lehtere, die wir hier vorzugösweiſe im Auge haben, iſt nothwen -
dig, da auch das beſte Kind der beſten Eltern bös werden und aus der
Art ſchlagen kann, wenn e8 nämlih im Hauſe der Eltern jelbſt oder
außer demſelben verführt wird, was ohne die nöthige Auſſicht nur
zu leicht geſchehen kann. Darum: Laß dein Kind nie ohne Auf-
jicht aus deinem Auge!
Die Kinder können aber im elterlichen Hauſe durch ſich ſelbſt, durch
Geſchwiſter, durc< Dienſtboten und andere Hausgenoſſen verführt werden.
Man traue einem Kinde, mag es auch fromm ſein, nie zu viel; denn
ver Menj< iſt von Geburt aus mehr zum Böſen, als zum Guten geneigt.
Außerdem kommt es vor, daß Kinder gewiſſe böſe Neigungen als von“ihren
Elterit ererbt jchon mit ſich auf die Welt bringen. Ste>t nun in dem
Kinde etwas Derartiges, ſo werden ſich auc<- bald Spuren davon bemerkbar
machen ; denn was eine Neſſel werden will , brennt bei Zeiten, und der
auſmerkjame , verſtändige Beobachter kann j Kinde wahrnehmen, ob es Anlagen zum Zorne, zur Hoffart, Geilheit, Lüge
oder zum Diebſtahl hat. ' Damit nun dieſes Samenkörnlein nicht zun
Keimen gelange oder gar zr einem Giftbaume emporſchieße, iſt es bei ſei-
nem erſten Hervorkommen mit der Wurzel auszurotten. Um dieſes aber
thun zu können , iſt ein ſcharfes und kluges, von Liebe geleitetes Vater-
- oder Mutterauge, d. h. eine weiſe Beaufſichtigung unumgäng-
li ndöthig. 5
Die Möglichkeit liegt auch nahe, daß ein Kind durch ſeine eigenen,
Geſchwiſter verführt werden kann, wenn die gehörige Auf - und Vorſicht
mangelt. Was unordentlich und unauſtändig iſt, darf unter Geſchwiſtern
niemals geduldet werden. Viel kommt darauf an, wo und bei wem ſie
ſ - Spiele treiben u. |. w. Nicht ſelten entſteht Haß, Neid und Zwietracht
unter ihnen, oft ſogar von unvernünftigen und unvorſichtigen Eltern ſelbſt
veranlaßt. Darum auch in dieſer Hinſicht: weiſe Vorſicht Ffnd un-
ablä)jiges Beohaächten der Reden und Handlungen der Ge-
ſ "Die Aufſicht der Eltern hat ſich ferner darauf zu erſtre>en, daß ihre
Kinder nicht durch das Hausgeſinde, Taglöhner u. dgl. Perſonen verführt
werden. Sie werden darum auf den Umgang ihrer Kinder
mit diejen ihv beſtändiges Augenmerk richten, um im ſchlimmen
Falle gehörig einſchreiten zu können, werden aber auc< darauf bedacht ſein,
mr geſittete und rechtſhaffene Leute in ihr Haus aufzunehmen.
Die Eltern haben ferner Sorge zu tragen, daß ihre Kinder auch außer
dem Hauſe nicht verführt werden. Die Kinder können und ſollen nicht
- | immer im Zimmer bleiben ; ſie müſſen hinaus, müſſen dieſes und jenes beſorgen,
- - treiben mit andern Kindern Spiele, gehen in Schule und Kirche, hüten gemeinſam
- das Vieh, jammeln im Walde Holz u. |. w., wobei die Gefahr zur Ver-
führung nahe liegt. Was iſt da zu thun? Hier ſind vor Allem die
Kleinkinderbewahr-Anſtalten (ſ. d. A.) zu erwähnen, und jvem die
Wohlthaten einer ſolchen Anſtalt geboten ſind, und wer davon Gebrauch
machen kann, der weiſe dieſelben ja nicht von der Hand. Jm Uebrigen
dürfen ſich fleinere Kinder niemals ohne Erlaubniß der Eltern oder unter
5 gehöriger Auſſicht vom Hauſe entfernen; ſie haben den Ort, wo ſie ſich
hin begeben, zu bezeichnen und müſſen ſtets zur beſtimmniten Zeit wieder zu
. Hauje erſcheinen. Man ſei hiexin ſireng und pünktlich, und Geſeß muß es
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