142 Ausgelaſſenheit. --- Ausholen, zu iveites,
lajjen. Gs fontmt dies meiſtens bei ſolchen Kindern vor, bei welchen die
Achtung vor der häuslichen Autorität erloſchen. iſt, oder bei Kindern, deren
Schamphaftigkeit bereits nothgelitten hat, oder auch bei ſolchen Kindern die
von ihren Eltern als Schoßfkinder behandelt werden. Auch ein flatterhaftes, x
unjietes, unaufmerkſames8 Weſen kann zur Ausgelaſſenheit führen. Sie mag -
jedoch ihren Urſprung in was immer für einer Quelle haben, es muß ihr
entgegen gearbeitet werden, ſobald man ſich von ihrem Vorhandenſein über-
zeugt hat. Der Erzieher begegnet ihr aber in zwedmäßiger Weiſe., wenn
er von dem Ausgelaſſenen eine geregelte Anſtrengung fordert , namentlich
in moraliſcher Beziehung, wenn er ihn ſo viel wie möglich um ſich hat und
ihm fein Spiel geſtattet, wobei Andern (etwa durch Werfen, Stoßen oder
Schlagen) wehe geſchehen könnte, wenn er ferner deſſen Thätigkeitstrieb auf -
immer höhere und edlere Zwecke richtet, wenn er ihn endlich den Werth der
Singezogenheit und Sittſamkeit kennen lehrt. Fehler der Ausgelaſſenheit
lajje man auf der Stelle verbeſſern ; hat der Zögling etwas verdorben , 19
dringe man darauf, daß es in geeigneter Weiſe wieder gut gemacht werde.
Beleidigungen gegen Andere müſſen unverweilt geſühnt werden. Um jedoch
der Ansgelaſſenheit jeden Boden zu entrücen, bleibt es eine Hauptaufgabe
des Erziehers, die Zöglinge an Fleiß, Gefälligkeit , Höſlichkeit , anſtändige
Haltung und Religioſität zu gewöhnen. Als eine ziemlich allgemein vorkom-
mende Ausgelaſſenheit wird es getadelt, daß die Schulkinder wie das lo8ge-
laſjene Vieh aus der Schule und in vie Schule gehen. Wir ſind nicht ge-
meint, den Kindern das Springen, Hüpfen und Singen zu verbieten ; viel-
mehr beklagen wir es tief, daß die wahre kindliche Heiterkeit vermißt wird
und der Ausgelaſſenheit Plaß gemacht hat. Wenn nach vollendetem Unter-
richt ſchon unter der geöffneten Schulthüre ein ſolcher Lärm los8geht , daß
man auf der Straße unten in Angſt und Sorge geräth, es möchte unter der
Schuljugend irgend ein Unglü oder ein Kriegsfall ausgebrochen ſein, oder
ivenn vor dem Beginne des Unterrichtes im Schulzimmer ſelbſt oder vor dem
Sqchulhauje ein Geſchrei verführt wird, daß es darüber den Nachbarsleuten
Angjit wird, wenn endlich ſolcher Skandal vollends in der Nähe der Kirche vor
jich geht, ſo wird man nicht anſtehen, darin eine Ausgelaſſenheit zu erblicken,
weiche ſchlechterdings nicht geduldet werden darf, ſ darunter die Achtung vor Kir zur Ausgelaſſenheit, Rohheit und Unſittlichkeit, wenn Knaben und Mädchen
untereinander ihre Unterhaltungen und Spiele treiben, was ſonach möglichſt
zu verhindern iſt. In Städten wie auf dem Lanve hört man die Kinder
nicht mehr veden und ſich rufen, ſondern mit aller Gewalt aus vollem Halje
das jich zuſchreien , was ſie mit mäßiger Stimme und in gelaſſenem Tone
jagen ſollten ; dies iſt ausgelaſſen und macht ausgelaſſen. Hat der Lehrer
ein wachſames Auge und iſt es ihm darum zu thun, der Ausgelaſſenheit
Schranken zu ſeßen , ſo wird es dazu an Veranlaſſungen nicht fehlen , die
er um ſo gewiſſer ergreifen wird , als die Ausgelaſſenheit der Schulkinder
einen Schatten auf die Schule wirft. Daſſelbe gilt von den Eltern und
jonſtigen Erziehern. .
Aunsholen, zu weites. Der Unterricht ſoll gründlic aber das zu weite Ausholen iſt verwerflich, weil langweilig , zerſtreuend,
wmüß, --- ſchädlich. Was heißt zu weit ausSholen ? Der Begriff iſt hier
mit dem Ausdru>e gegeben. Was nicht zur Sache gehört , was durch dice
nöthige Gründlichkeit und Anſchaulichkeit nicht gefordert wird , das iſt zu
weit ausgeholt. Man muß ſich daher hei allem Unterri halten und ſich nie auf den Aeſten verlieren. Bei der katechetiſchen (jocra-
tiſchen) Lehrform fommt es nicht jelten vor, daß die Kinder durch die oft

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