Ausſagen der Kinder. --- Auswendiglernen. 143
- ' 9
' fehr merwarteten Antworten dem Lehrer Veranlaſſung geben , eine ſolche
- Antwort zum beſonderen Gegenſtand des Geſpräches zu machen, und wohl
: aatch von einem ſolchen Nebengeſpräche aus fich abermal zu Erörterungen
. gaitz andern Stoffes verleiten zu laſſen. Darüber verliert man aber den
: Hauptgedanken aus dein Geſichte und man kommt bei einer ſolchen übel
- verſtandenen Gründlichkeit ſehr mühſam und ſpät und oft auch 'gar nicht
- zum Ziele. Es kann äber auch geſchehen , daß man durc< unrichtige An-
- wendung des Grundſaßes „praktiſch“ unterrichten zu wollen , Material in
den Unterricht hereinzieht, das gar nicht oder nur entfernt zur vorliegenden
Lection gehört. Es iſt ferner immer auch ein Fehler, wenn man nur
- ſpricht, um ſich ſelbſt veden zu hören; over wenn man ſpricht, ium ſich ſein
- Wiſſen zu recapituliren.. Nür das zur Sache ſelbſt Gehörige muß zur
Sprache kommen! Wer erklären will, was Schuhe ſind , braucht nicht erſt
- die Naturgeſchichte der Thiere , welche die Haut hergeben , nicht erſt das
Geſchäft des Gerbens, nicht die Beſchreibung de8 Hanfes8 und Zurichtens
veſſelben bis zum Gebrauche für den Schuſter u. ſ. w. zu beſprechen: das
wäre zu weit ausgeholt !
| Ansſagen der Kinder. Sie ſind mit Vorſicht aufzunehmen, denn ſie ſind
bisweilen die Folge des Geſchwäßigkeitstriebes , oder irgend einer Gereizt-
heit. Nicht ſelten beruhen ſie auc< auf unrichtigen Anſchauungen oder wohl
gar anf Selbſtſucht, Eigenliebe, Schadenfreude, Eigennutz und Feindſeligkeit.
- Anch - die Eltern geben ihren Kindern hbisweilen ſchlimme Jnſtructionen ;
man muß daher das Ausgeſagte ſtet8 prüfen und nach Umſtänden den
Grund erforſchen. Wer die Ausfagen der Kinder leicht hinnimmt, jekt ſich
- der Gefahr aus , irre geleitet , wo nicht angelogen zu werden , und bietet
den Kindern Gelegenheit zum Lügen! In vielen Fällen iſt es gut, das
Kindergerede unbeachtet zu laſſen. Jn keinem Falle iſt die Schule der
Ort, wv Fraubaſereien aus der Gemeinde aumsgetaunſcht werden dürfen. Am
allerwenigſten darf ſich der Lehrer daran betheiligen. Doch hüte er ſich
auch, Mißtrauen in die Ausfagen der Kinder zu ſeßen und ſie als falſch
vder lügneriſch zu betrachten , jo lange ein Kind nicht gegründete Urjache
dazu gegeben hat.
Answendiglernen. Daß in der Volksſchule manches auswendig gelernt
werden müſſe, verſteht ſich von ſelbſt und wird an einem andern Oxte (f. d.
A. Gedächtnißübungen) näher begründet werden ; hier handelt es ſi< nur
um die Unterſuchung, wie das- Auswendiglernen vorzübereiten
und zu leiten jei. Zuerſt muß man fordern, daß der Lehrer und Ka-
techet das, was auswendig gelernt werden foll, zum Verſtändniſje dex Schüler
bringe, wobei es namentlich darauf ankommt, die unverſtändlichen Wörter
dur< Parallelen , Periphraſen und Synonymen zu erläutern und hiedurc
die richtige Auffaſſung des Wortſinnes zu vermitteln. Doch hüte er ſich
vor zu großer Weitläufigkeit bei dieſen Erklärungen, weil dadur< das Ver-
ſtehen dunkler Ausdrücke eher erſchwert, als erleichtert wird. Oft reicht
ein gut betontes Lejen jhon hin, um den Inhalt zu verdeutlichen. Von
Erklärung des Wortſinnes ſhreite man ſodann fort zur Erklärung ves Zu-
ſammenhanges der Gedankey ; denn ſoll mit Verſtand answenvdig gelernt
werden, jo muß das Kind wiſſen , wie die Gedanken mit einander zuſam-
menhängen und auf einander folgen ; auch hiebei befleiße ſich der Lehrer
der möglichſten Kürze. Fehlt es den Kindern noch an der nöthigen Sicher-
heit und Fertigkeit im Lejen, ſo kann das Answendiglernen nicht anders,
als durch Vor- und Nachſprehen bewirkt werden. Bei den weiter vor-
angeſhrittenen Schülern mag und ſoll der Lehrer das zum Auswendiga-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.