Abhärtung, leibliche und geiftige. 13
liſchen Kirche, wenn auch mtr unwillkürlich und unbewußt. Mit der Ent-
wiclung des Böſen im Herzen des Kindes ſtellt ſi aber zugleich und ganz
unverkennbar die Regung des -Gewiſſens ein. Das Gewiſſen ſelbſt
iſt nun das ganz eigentliche AbhhängigkeitsSgefühl von Gott und die
. Unruhe im Herzen , die Shamröthe auf den Wangen iſt der thatſächliche
Beweis dieſes Vorhandenſeins. Was immer aber im Menſc handen iſt, muß gepflegt und als Widerſtandsmittel gegen das Böje -ge-
braucht werden. Dieſe38 Abhängigkeit8gefühl wirv abcr verſtärkt durch den
Unterricht von Gott. Der Unterricht von Gott muß nothwendig An-
leitung zum Gebete und das Bedürfniß dazu zur Folge haben. Außerdem
ſind es noc< zwei Gründe, welche die We>ung des Abhängigkeits8-
efühls dur< den Religionsunterricht verlangen : Der Wille kann näm-
I< nicht dur< Vernunftgründe allein geſtärkt werden, ſon-
dern er bedarf alles Deſſen, was Anregendes im Religionsunterrichte liegt.
Wird nun der Religionsunterric ſo wird auch der Wille nicht mehr in Harmonie mit der Erkenntniß ge-
bracht werden können. Ferner vermag der Menſch auch in ſpätern Jahren
nur an die geoffenbarte Wahrheit zu glauben, ohne ſie begreifen
zu können, Ein Erkenntnißvermögen, welches in den Anfängen ſeiner Ent-
wiälung alles Mögliche aus der Anſchanung verarbeitet hat, wird ſicher-
lich deßwegen vorbereiteter ſein auf die Oſfenbarung, die theils heilige Ge:
i ſtandesthätigkeit erfaßt werden kann, theils über den Verſtand hinausrei-
zende Geheimnißlehre. Wenn äber in reiferen Jahren die Erkenntniß
nicht vorbereiteter iſt, als in der zarten Jugend, wenn Wille und Gemüth
bereits entwickelt ſind , bevor die Erfenntniß im Geiſte der Religion auf
ſie einwirken kann, jo entkräftet ſhon dieſe Störung des gegenſeitigen Ver?
hältnijjes, in welchem die einzelnen Kräfte zu einander ſtehen ſollen , die
Einwürfe, welche gegen die Pflege des Gefühles der Abhängigkeit und des
dazu erforderli werden.
Abhärtung, leibliche und geiſtige. Die leibliche Geſundheit wird haupt-
jächlich dadur< bedingt, daß der Körper von Jugend an gewöhnt wird,
gegen gewiſſe natürliche Einflüſſe weniger empfindlich zu ſein und unnöthige
Bedürfniſſe entbehren zu können. Beides nüßt aber nicht allein dem Leibe,
jondern bewahrt dem “Menſchen auch die nöthige Unabhängigkeit in den
verſchiedenen Lebens5verhältniſſen , in die er freiwillig eintritt, oder in die
er unfreiwillig hineingezogen wird. Zugleich liegt darin die ſicherſte Bürg-
ichaft für ein glüdliches und hohes Alter. In doppelter Beziehung iſt alſo
ein gewiſſes Maß leibliher Abhärtung nothwendig. Die Einflüſſe,
deren ſchädliche Einwirkung zu verringern iſt, ſind hauptſächlich : Wind und
Wetter, Hiße, Kälte, Froſt, Näſſe 26. x. Die Bedürfniſſe, welche jeder
vernünftige Erzieher bei jeinen Zöglingen auf das nothwendige Maß zu-
rüdführen ſollte, ſind Hunger und Durſt einerſeits , anderſeits die natür-
lichen Abjonderungen. Dazu kommen noch die verſchiedenen Gelüſte, die
den Menſchen anwandeln und denen er widerſtehen können muß. ZJe ab-
gehärteter in allen dieſen Beziehungen ein Menſch iſt , deſto tauglicher iſt
er für die Geſchäfte des Lebens und deſto geſicherter iſt ſeine Exiſtenz.
Um aber den Körper in dieſer Hinſicht zu ſtählen, bedarf es feſter Grund-
jäße, welche von Jugend auf zu beobachten ſind und von dem Erzieher
nicht minder umſichtig angewendet werden, al8 innerhalb vernünftiger
Schranken bleiben müſſen, damit ſie nicht in das Gegentheil von dem um-
imlagen, was ſie bezwecten , und nicht ſtatt die Geſundheit des Leibes zu

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