160 2 Bädey. ==- Baiern,
Agrippa baute allein 177. Zuleßt zählte man allein in Rom 22 warme
und 856 kalte öffentliche Bäder, dazu 880 Privatbäder. In Deutſchland
wurden im Mittelalter die warmen Bäder für ganz unentbehrlich gehalten,
bis verſtändigere Einſicht wieder den Gebrauch beſchränkte und in der Ex-
ziehung der Kinder auf die kalten Bäder zurückging. Die kalten Bäder be-
7ördern nicht nur die Reinlichkeit und die Ausdünſtungsfähigkeit, ſondern ſtär-
fen auch den Körper. Doch iſt zu beobachten: 1) Die Temperatur des
Wahßjers ſoll die Temperatur des Brunnenwaſſers , beiläufig 10* R., über-
jteigen, ohne die Temperatur des Blutes, etwa 27* R., zu erreichen. 2) Die
beſte Zeit iſt zwiſchen Mai und Mitte September, die beſten Tages-
ſtunden jind die Nachmittagsſtunven, wenn das Geſchäft der Ver-
dauung beendigt iſt; man hade weder nüchtern, noch mit vollem Magen.
3) Man neße, bevoy man untertaucht, zuerſt Bruſt, Rücken und Kopf.
4) Wenn ſich ein Schauergefühl einſtellt, muß man ſogleich das Bad ver-
laſjen. 5) Während dem Baden ſelbſt ſoll Bewegung und gelinde Reibung
der Haut, vorzüglich am Unterleibe und an der Brujt ſtattfinden. 6) Nach
vem Bade trockne man ſorgfältig die Haut und mache fich mäßige Bewegung,
um die Wärmeerzeugung zu befördern. Häufige Bäder ſind das geeignetſte
Mittel, der krampfhaften Empfindlichkeit, der Schlaffheit der organiſchen
Theile und ſchädlichen 'Anſtopfungen vorzubeuzen. Sie ziehen die Fibern
an, kräſtigen die Gefäße, dämpfen die Wallungen, mildern die ſcharfen
Säſte und beſördern die phyſiſche Stärfe. Allein wie darauf zu achten iſt,
daß durch Unachtſamkeit dieſes Heilmittel nicht dem Leibe ſchädlich wird,
jv achte man auch auf die Kinder, daß ihre Unſchuld nicht Schaden leide.
Man jorge dafür, daß in Nichts die Schamhaftigkeit verleßt werde und
dulde nicht nur nicht, daß Kinder verſchiedenen Geſchlechtes mit einander
baden, jondern auch nicht, daß zu viele Kinder einerlei Geſchlechts mit ein-
ander oder an Orten haden, von wo aus ſie geſehen werden können. Ueber-
haupt ſchärfe man es den Kindern ein, nie anßer als mit eingeholter Erx-
lanbniß und nur an den dazu beſtimmten Orten und in der feſtgejeßten
Zeit zu baden. "
Yälle und Tänze, |]. Tanz.
Baiern, Die erſte Verordnung über die Volksöſchulen in Baiern fin-
den wir in dem Landrecht der Fürſtenthümer Ober- und Nieverbaiern von
1616, in welchem deutſche Schulen auch in den größern Dörfern zu errich-
ten befohlen wird. Doch ſollen Bauernkinder nicht über das zwölfte Jahr
m die Schule gehen müjſen. Zur Errichtung neuer Schulen mußte Erlaub-
niß eingeholt werden. Bon 1770--1781 wirkte der Benedictiner Heinrich
Braun, dem Baiern die Nengeſtaltung jeines Schulweſens verdankt. Seine
Wirkjamkeit beginnt mit der von ihm ausgearbeiteten und am 18. Septbr.
1770 erſchienenen Schulordnung für die deutſchen oder Trivial:
tI hulen, welche unter einen geiſtlichen Rath geſtellt wurden, dem alle Be-
amten und Schulobern von 1771 an Bericht erſtatten mußten. Dieſer
Schulordnung folgte ein Generalmandat vom 5. Februar 1771, wel:
Bücher - Vijitativnen 2c. enthielt. Iu diejem wird namentlich auf außer-
ordentliche Viſitationen gedrungen, welche die Rentmeiſter und- geiſtlichen
Rätbe gelegentlich vornehmen ſollen, auch die Auſſtellung von Sc< directvren angeordnet. Durch die kurfürſtliche Verordnung vom 8. Anguſt
1778 wurden die Schulen nach Felbiger's Lehrweiſe verbeſſert. -1781 wur-
den die Schulgehalte verbeſſert und die zum Unterhalte des geſammten Un-
terrichtöwejen nothwendigen Mittel auf alle Klöſter und Abteien des Lan-
des vertheilt. Alle milden Stiftungen, Bruderſchaften 2c. wurden zur Auf-.

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