. Banat =- Baſedow. | ' 165
aber der dirigirende Oberlehrer Siß und Stimme hatte. Die StabSsofficiere
hatten bei Viſitationen der NRegimentsbezirke jede3mal auch den Zuſtand
der Schnlen zu unterſuchen und mußten zu diejem Ende den Oberlehrer der
Normalſc Bereiſungen vor.
Cin ſchöner Erſolg ſtand in Ausſicht, wenn ſich dieſe Einrichtungen
ungehindert entwieln konnten. Allein dies war nicht der Fall ; ſie wurden
leider in ihrer Weiterbildung dadurch aufgehalten, daß das Banat zu enge
mit Ungarn verbunden ward. Erſt ſeit 1849 erfreut e8 ſich wieder einer
jelbſtſtändigen Exiſtenz und muß den Bau ſeines Schulweſens von neuem
beginnen. Hoffen wir, daß er nun um ſo raſcher und glänzender ausgeführt
werde. Am guten Willen der kaiſerlichen Regierung fehlt es nicht. = S,
Helfert, die Oeſterreichiſche Volksſchule. 1. Band.
Yankaufſecher, |. Aemter in der Schule.
Baſedow, Johann Bernhard, over wie er ſich ſelbſt gerne nannte:
Bernhard von Nordalbingen. wurde den 11. September 1736 zu Hamburg
geboren. Sein Bater war Perrü>enmacher, ein ſtrenger Mann, deſſen ſtarre
Rechtgläubigkeit wie die tiefe Melancholie ſeiner Mutter den lebendigen,
aufgewedten Knaben abſtießen. Er ſollte vas Handwerk ſeines Vaters ex-
[ernen, allein die Zucht im elterlichen Hauſe mißfiel ihm, er entlief als
Knabe und trat in den Dienſt eines holſteiniſchen Landphyſikus. Dieſer
erkannte das Talent Bernhards und verſöhnte ihn wieder mit ſeinem Vater.
Er durfte nun das Gymnaſinm in Hamburg beſuchen, ſeine Fortſchritte ent-
ſprachen aber den Erwartungen wenig. Er faßte wohl Alles leicht auf,
allein er konnte keinen Gegenſtand mit Ausdauer betreiben ; er verflüchtigte
ſid. Dazu war er genöthigt, fich Nebenverdienſte zu verſchaffen, was ihm
mit Verfertigen von Gedichten und Unterrichtgeben gelang. Doch gerade
dieſe Einnahmsquellen verleiteten ihn wieder, der Sorgenloſigkeit ſich hinzu-
geben und Ausgaben zu machen, die Nichts weniger als bildend auf ſeinen.
Character einwirkten und ſo gewöhnte er ſich viele Bedürfniſſe und eine
Lebeſucht an, die ihn nie mehr verließ und ihn nicht nur vielfältig mit ſei-
nen Pflichten in Widerſpruch, ſondern auch um die Achtung und das Ver-
trauen Derer brachten, die kurz vorher noch ſeine Bewunderer waren. Nach
vollendeten Gymnaſialſtudien bezog er 1744 die Univerſität Leipzig, wo er
Theologie ſtudiren ſollte. Aber der kindlihe Glaube war verloren; er
wählte ſich ſeine eigenen Wege. Die Streitigkeiten zwiſchen den Philoſophen
und Theologen, wie ſie damals alle Geiſter bewegten, zogen ihn mehr an.
Er las mit Eifer die vielen Streitſchriſten und ſchlug ſich auf die Seite der'
Philojophen. Er geſteht ſelbſt, daß er in die Mitte zwiſchen Chriſtenthum und Na-
tionaliSmus gekommen ſei und ungelernte Meinungen in der Philo-
ſophie gewonnen habe. Was er mit letzterem fagen will, iſt nicht ganz klar,
da die Anſichten, die er ſpäter auſſtellte, keine originellen ſind, ſon-
dern j zwei Jahre. Nachdem er ſich ſodann noch eine Zeit lang in Hamburg auf-
gehalten hatte, wurde er im Holſteiniſchen bei einem Herrn von Quaalen
Hofmeiſter. Er war jeht 26 Jahre alt und mußte ſich geſtehen, daß ſein
Wiſſen nicht lüenlos jei und deßhalb auf die "Ergänzung bedacht ſein.
Doch gab er ſich mit jeinem fiebenjährigen Zöglinge viele Mühe und ver-
juchte eine neue Methode des Sprachunterrichts, die ihm ſo glücklich däuhte,
daß er glaubte, .in einem eigenen Scrifthen davon Rechenſchaft geben zu
müſſen. Im Hauſe des Herrn von Quaalen lernte er franzöſiſch und zwar
' von der Gouvernante, die er heirathete. 1753 wurde er Profeſſor der
ſchönen Wiſſenſchaften und der Moral an der Ritteracademie in Sorve.

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