Full text: A. bis F. (Formaler Unterricht) (1)

 
Bedachtſamkeit, =- Bofehlen und Verbieiten. 171 
allen Seiten ſtrömten Schüler herbei, um ſich von ihm unterrichten zu laßen, 
jo daß das Kloſter einem „Bienenkorbe“ gliß. Selbſt der heilige Boni- 
acius, der Apoſtel ver Teutſchen , ließ ihn inſtändig durch den Biſchof 
gybert und den Abt Cudberth bitten, ihm do< einige Schriften zu ſchien, 
zum Txoſte, wie er ſich ausdrüdte, jeiner Wanderſchaft. Beda erklärte die 
heilige Schrift , berechnete die heilige Aera , ſchrieb eine Geſchichte der eng- 
ſiſchen Kirche bis auf jeine Zeit und verfaßte eine große Anzahl Predigten. 
Ex ſtarb in hohem Alter, wie Einige behaupten, ſogar 105 Jahre alt. Sein 
gifſer zu predigen war ſo groß, daß die Sage ihn noh in ſeinem hohen 
Alter , als er ſchon blind gewejen ſei, predigen ließ, wohl nur , um jeine 
raſtloje Thätigkeit zu bezeichnen. Er dictirte einem Schüler bis zu den 
ſeßten Augenbli&en ſeines Todes , deſſen Herannahen ex fühlte, und dem 
ex Pſalmen ſingend entgegen jah. Für die Volksbildung iſt Beda in 
ofern von Bedeutung, als er den Unterricht der Jugend in der Landes- 
ſyrache empfahl und das apoſtoliſche Glaubensbekenntniß und das Vater- 
unſer in das Angelſächſiſche Üüberſeßte. 
Bedachtſamkeit, |. Vorſicht. 
. Vedürfniſſe. Die größten Feinde des Menſchen ſind die vielen Bedür1- 
- niſſe, die er fich angewöhnt. Sie erſchweren ihm die ungetheilte Erfüllung 
: jeines Beruſes , machen ihn von einer Reihe von Zufälligkeiten abhängig 
- und legen ihm größere Steuern und Abgaben auf, als die drücendſten 
' Staat3verhältniſſe ihm auflegen können. (Man erinnere ſich an die Lehren des 
; alten armen Nichard von B. Franklin.) Cs liegt deßhalb vor Allem daran, 
- dem Kinde alle überflüſſigen Bedürfniſſe zu entziehen, und ſelbſt reiche Kin- 
„ver daran zu gewöhnen, zeitweiſe ohne jene Bequemlichkeiten und Genüſſe 
- zu ſein, die nicht immer dem Menſc<hen zu Gebote ſtehen. Kommt doch auc< 
der Reichſte und Vornehmſte in die Lage, entbehren zu müſſen, wie 3. B. 
"yer Prinz von Geblüt nicht ſicher iſt , mit dem ärmſten Bauernjohne die- 
jelben Strapazen theilen zu müſſen. Glüclich Derjenige, der das Gute, 
- vas ihm beſchieden iſt, ohne Mißbrauch und Sünde genießen kann, und dem 
die Entbehrungen die Zufriedenheit nicht rauben. Sind ja doch arm und 
reich nur bezügliche Begriffe, und iſt der allein reich, der mit dem Sei- 
nigen ſich begnügen kann. Die Bedürfniſſe ſtellen ſich mit den Jahren ein, 
und wer in glückliche Verhältniſſe geſeht wird , für den iſt es immer noch 
Zeit , fich mehr Genüſſe zu erlauben. Die Jugend aber , deren Schidſal 
noch unbekannt iſt, und die ſich noh keine eigene Exiſtenz errungen hat, 
einzuſchränken , gebietet ſhon die Klugheit; damit das ManneZalter nicht 
traure, wenn es ſich an die guten Tage der Kindheit erinnert. Wie un- 
glü&lich iſt niht der Mann, der vom elterlichen Hauje und den Vorberei- 
tungs8jahren her an viele Bedürfniſſe gewöhnt in ein Amt tritt, das ihm 
' zur ein beſcheidenes Auskommen gewährt , während die Gefährtin , die er 
/ fich erwählt, eben ſo viele Anſprüche an das Leben macht, und mißvergnügt 
- iſt, wenn fie nicht befriedigt werden. Der begehrlihe Sinn der Cliern 
yflanzt ſich überdies auf die Kinder über und jo ſeufzt die Familie unter 
einem unerträglichen Joche, das ſie abzuſchütteln zu ſhwach iſt. Der ſchönſte 
Spruch bleibt varum immer: „Genieße, was dir Gott beſchieden , entbehre 
gern, was du nicht haſt.“ Um aber gerne entbehren zu können, ijt es noth- 
wendig, daß man freiwillig entbehrt, was man haben könnte , und von 
dieſem Standpunkte aus ſind freiwillige Einſ<ränkungen der ſinnlichen Be- 
dürfniſſe von hohem ſittlichen und pädagogiſchen Werthe. 
Befehlen oder Verbieten. Befehlen iſt ein ablautendes, tranſitives, 
mit der Vorſilbe „be“ untrennbar zuſammengeſeßtes Zeitwort. „Be“ (alt-
	        

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