16 - Ablernen, -- Ableugnen.
wendigen Folge. Neid und Zorn verkürzen die Lebenstage. (Sirach 30, 26.)
Zu der geiſtigen Abhärtung gelangt der Menſc< aber nicht blos durch
Zweämäßigkeits8gründe, ſondern hauptſächlich durch die Gründe des religis-
jen Glaubens, die. ihm Freundlichkeit, Liebe, Sanftmuth, Selbſtbeherrſchung
auflegen und ihm das Gefühl des Vertrauens auf Gott und heiliger Exr-
gebung in den Willen Gottes einflößen. = Vergl. Stapf, Exziehungs-
lehre 8. 33. S. 74. 1. F..
Ablernen nennt man das Lernen d. i. die Aneignung einer Fertigkeit
dder Geſchilichkeit , welche nicht durc< ven regelrechten Unterricht , jondern
dur< Beobachtung und Nachahmung erworben wird. Zu den meiſten Fäl-
len iſt daher ablernen ſo viel al8 abſehen. So lernt 3. B. ein Lehrling,
dem jein Meiſter die Handwerkskunſtgriffe vorenthält , dieſelben dadurch,
daß ex Acht gibt, wie es der Meiſter macht, und es ebenſo zu machen ver-
jucht. E3 bezieht ſich alſo das Äblernen meiſtens auf mechaniſche Fertig:
feiten. Doch kann man auch durch das Gehör und das Gefühl eine Fer-
tigfeit erhalten , 3. B. etwas herzufingen, ohne ſich der Geſeße bewußt zu
jein, nach welchen es geſchieht. Das Ablernen darf nicht verachtet werden.
Die meiſten Thätigkeiten und Fertigkeiten mußte der Menſch der Natur und
den mit Inſtinkt begabten Thieren ablernen. Wer etwas ablernt, beweiſt,
daß er natürliche Anlage , Beobahtungs8gabe und praktiichen Verſtand hat.
Viele Gegenſtände des Wiſſens können durch Unterricht nicht einmal mit-
etheilt werden , ſondern bedürfen zugleich des Vormachens , mithin des
Äbrichtens. Dieſe Kenntniſſe (3. B. Spielen der Violine) ſind es alsdann
hauptjächlich , welche abgelexnt und ohne eigentlihen Unterricht fich ange-
eignet werden können. Gs iſt ve2halb bei Kindern der Nachahmungstrieb
zu weden und auf nüßliche Gegenſtände zu leiten. Allein auch ſittliche und
leibliche Gebrechen können leider abgelernt werden. So lernen Kinder den
Sliern ab, roh, gefühllos, unverträglich, unreinlich 2c. zu ſein. Darum gilt
vor Allen den Cltern und Lehrern, auf deren Umgang das Kind angewie-
jen iſt, vorſichtig zu ſein, ſich ſelbſt nicht gehen zu laſſen, ſeiner Handlungen
und Worte ſtets bewußt zu ſein, um ja nicht, ſtatt Lehrer des Guten,
Lehrer des Böſen zu werden.
müthöbewegungen haben einen großen Verbrauch der Lebenskraft 93 npth-
Aubleuguen iſt eine beſondere Gatiung der Lüge im weiteren Siune
des Wortes. Die Wahrhaftigfeit kann nämlich dadurc< verlekzt werden,
daß eine wirkliche Thatſache verneint oder hartnä>ig in Abrede geſtellt
wird , oder daß dieſelbe entſtellt und etwas Andere38 behauptet wird , als
was ſich ereignet hat. Beides iſt Lüge, erſteres die negative Lüge oder
die Berleugnung der Wahrheit, leßteres die poſitive oder die Lüge im
engern Sinue des Wortes. Zur Strafwürdigkeit der Verleugnung der
Wahrheit gehört , wie zur Strafwürdigleit der Lüge, daß der Leugnende
der Wahrheit ſich klax und deutlich bewußt iſt. Die Urſachen des Ableug-
nens ſind ſehr oft faliche Scham und Furcht vor allzuharter Strafe, Um-
ſtände , welche bei der Beurtheilung der Größe der Sünde wohl herücſich-
tigt werden müſſen. Wenn Kinder ſich dieſen Fehler zu Schulden kommen
lajjen, Jo haben Eltern und Lehrer wohl zu prüfen, ob ſie nicht vielleicht
dur< ihr heftiges , ungeſchicktes Betragen und gefühllojes Verfahren bei
Beſtrafung eines Kindes ſelbſt ſchuld ſind, daß es zum Verleugnen der be-
gangenen Fehler ſeine Zuflucht nimmt. In dieſem Falle haben ſie mit
großer Milde und Freundlichkeit ihre eigenen Fehler gut zu machen. Fehler
gegen die Schamhaſtigkeit werden am häufigſten abgeleugnet ; vabei müjſen
aber Eltern und Lehrer ſich wohl erinnern, daß, wenn ſie etwas wiſſen,
oder do

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