Behandlung der Kinder, -- Behutſamkeit de3 Lehrers. 133
und die Streuge in der gauzen Kinderbehandlung und darum auch in der
Handhabung der Disciplin. Endlich --- iſ die Liebe das vorzüglichſte Mittel,
webe und Vertrauen bei den Schülern zu erwerben und ſich Geiſt und Herz
„verſelben aufzuſchließen, wodurch eine richtige Kinderbehandlung ſv wejent-
jieh bedingt ijt! =“ Wenn ſo der Lehrer mit aller nöthigen Befähigung aus:
geſtattet ijt, jo wird er im Hinbli>e auf die geiſtige und körperliche Natur
yves Kindes, auf die- Geſeke der allmähligen geiſtigen Entfaltung und auf die
jedem Kinde inwohnende bejondere (individuelle) Eigenthümlichkeit und nicht
minder auf die Erziehungs- nnd Unterrichtszwede, ſowie auf die Beſchaſſen-
- heit der UnterrichtSgegenſtände = Rüſicht nehmen. Dabei möchte im AlU-
: gemeinen no< Folgendes zu beobachten, beziehungsweife zu vermeiden ein :
| 1) Der Lehrer jei heiter. „Ju einer heitern Stunde iſt man unter ſei-
- nen Schülern allmächtig, jagt Salzmann. Sie hängen an uns mit gan-
: zer Seele; ſie ſaßen alle unjere Worte anf, fie befolgen alle unjere Winke.“
; (Ameiſenbüchlein.) Es iſi zwar oft ſchwer , heiter zu ſein ; indeſſen hängt
. poc< viel von unterm Willen ab. |
. 2) Der Lehrer fei ernſt. Die Heiterkeit iſt richtig zu verſtehen. Feder
: (Emil, oder die Erziehung nach bewährten Grundſätzen 2x. S. 203.) jagt:
; „Ju der Miene und dem Betragen des Erziehers muß Ernſt und Freund-
- lichfeit untermengt jein. Seim Charakter muß immer gleich jein. Nichts
geziemet ihm weniger, als einen Spaßmacher abzugeben!“
3) Man eigne jich den rechten Ton, mit den Kindern zu ſprechen, an.
. Die Kinder ſind leichter durc< das Gefühl, als durc< Vorſtellungen zu lei-
“ jen und zu behandeln, |
4) Man vermeide den Zorn. Mindeſtens macht man jieh dadurch bei
: den Kindern verächtlich. Cs iſi bein Beſirafen der Kinder beſonders miß>-
. lich, wenn man in Zorn geräth. Wie leicht ſeht man ſich der Gefahr aus,
- iich ſelbſt bis zur Mißhandlung der Kinder hinreißen zu laſſen.
| 5) Man hüte ſich, den Schülern zu ſchmeicheln , gegen ſie zu zärtlich
zu fein. Liebe und Ernſt und würdiges, männliches und gleihmäßiges Be-
nehmen muß auch hier geſordert werden!
6) Man vermeide zu große Vertraulichkeit mit den Kindern. Man
: ſ ' ver Ernſt geltend gemacht werden muß.
7) Der Lehrer hüte ſich vor Karteilichkeit, Mit gleicher, wahrer väter-
- liheu Liebe muß er alle Schüler behandeln.
| 8) In aller Kinderbehandlung ſind die allgemeinen Grundſäße mit
Rüdſic - Vorkommniſſe zu modiſiciren. |
Richtig bemerkt Göthe bezüglich) der Kinderbehandlung: „IJ< ſehe mtr
- wenig Menſchen , die den einfachen, aber großen Begriff , der alles Ändere
- in ſich ſchließt, ſaſſen und in die Ausführung übertragen können!
I Behutſamfeit des Lehrers. „Hüten“ (angeljächſiſch hedan) drüdt einen
verwandten Begriff zu bergen, ſchüßen, wahren -=- aus. Die Vorſilbe „be“,
- mit welcher das Zeitwort hüten zu der Form „behüten“ zujammengeſeßt
- iſt, bezeichnet die Richtung nach einem Gegenſtande und macht das Zeit-
wort zu einem tranſitiven. Man behütet, bewahrt, bewacht, beſchübt 3. B.
- die Kinder. AUSs „behüten“ iſt die eigen] hutſam“ gebildet, welche eigentlich die Behandlung einer Sache in ſolcher
Weiſe bedeutet, daß ſie keinen Schaden nimmt ; uneigentlich bedeutet ſie ein
Beſtreben , ſich oder Andere vor geiſtigen Gefahren und Nachtheilen zu be-
wahren. Behutjam jein heißt daher überhaupt auch „vorſichtig“ ſein.
- Behutſamkeit drüt daſſelbe in Abſtracto aus. Je Wichtiger eine Miſ-

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