Ablocten. == Abneigung. 17
/ iſt. Bei Kindern werden in der Beurtheilung des Fehlers der Verleng-
: nung der Wahrheit oft Milderungsgründe ointroten. Am härteſten zu be-
- ſtrafen iſt da8 Lügen aus Gewohnheit, aus Bosheit und Verſto>ung. Nicht
; zu verwechſeln mit dem Verleugnen der Wahrheit iſt das Ver-
j - ein verfehlter ſittlicher Grund unter, z. B. wenn ein Kind die Schuld eines
andern Kindes, eines Geſchwiſters etwa, auf ſich nehmen wollte. Oft ſind
- die Eltern ſelbſt Schuld, daß die Kinder eine gewiſſe Heimlichkeit ſich ange-
wöhnen , weil ſie es bei den Eltern ſehen. Gar oft verbietet der Vater
dem Kinde, etwas der Mutter nicht zu ſagen und umgekehrt. Ein edles
ſittliches Motiv kann ver Weigerung, die Wahrheit zu ſagen, zum
Grunde liegen z. B. unberechtigten Fragen gegenüber. Doch kommt es
ſelten bei Kindern vor, daß ſie mit dem richtigen Gefühle, die Antwort
verweigern zu müſſen, auch die richtige Weiſe, es zu thun, verbinden, ohne
in weitere Fehler zu verfallen. Die Pflege des Gefühls für Wahrhaſtig-
keit (j). d. A.) iſt das beſte Schußmittel gegen derlei Verirrungen.
Ablocken. Wemt Jemand dahin gebracht wird, etwas zu ſagen, was
er nicht zu jagen beabſichtigte, ſo wird ein Geheimuniß oder ein Geſtändniß
aus ihm hervorgelodt oder ihm entlo>t. Die Geſchi>lichkeit des Fragens
vedingt den Crfolg. Im Unterrichte heißt ablo>en : der Thätigkeit des
Geijies des zu Unterrichtenden eine ſolche Richtung geben, daß er durch die
- Kemntniſje, die ex bereits beſißt, zur Erkenntniß neuer Begriffe und Urtheile
geſührt wird, und zwar auf dem Wege von einfachen Schlüſſen, die ſich
lücfenlos aneinander anreihen oder ſich auseinander ergehen. Die Art und
Weije , den Zögling zu Kenntniſſen durch Ablo>en zu führen, nennt man
die heuriſtiſche oder ſokratiſche, im Gegenſaße zur akroamatiſchen
vder erptematiſhen. Von heiden Lehrweiſen wird unter dem Artikel: Lehr-
,ovrm die Nede ſein. m
Aöneigung. iſt das ver Leidenſchaft für Etwas entgegengeſeßte Gefühl
(Antipathie), aljo das Gefühl des Wiverwillens gegen eine Perſon oder
eine Sache. Steigert ſich die Abneigung, ſv heißt ſie auf ihrer höchſten
Sinfe Abſcheu. Die Abneigungen ſind entweder natiirliche oder pſychiſche
oder fittliche. Die häufigſten ſind die natürlichen, wie e8 denn der ſinnu-
lichen Natur des Menſchen eigen iſt, Alles, was dem leiblichen Wohlbehagen
entgegen iſt, von ſich abzuweijen , ohne gerade in demſelben Augenblicke
der Gründe ſich bewußt zu werden , was erſt nachher durch die hinzukom-
mende Verſtandesthätigkeit geſchieht. Geht die Abneigung auf Gegenſtände,
welche im Allgemeinen nicht mit Widerwillen erfüllen, vielleicht ſogar mit
Wohlgefallen den Menſchen anziehen, und iſt die Abneigung alſo eine aus-
nahmsweije perſönliche, jo nennen wir dieſelbe Jdivoj/ynkraſie (beſou-
dere Miſchung der Säfte), GemüthsSeigenheit und dieſe hat ihren Grund
gerade in dem, was das griechiſ Verbindung der Säſte oder in krankhaften Nervenzuſtänden. Wir haben
es mit den Abneigungen nur inſofern zu thun , als ſie bei Kindern das
Anzeichen eines frankhafien Zuſtandes ſind , der ſich entwickeln will, oder
aus Launen und Willkür entſpringen und deShalb abgewöhnt werden müſſen.
Stellt ſich bei Kindern eine Abneigung gegen etwas ein, gegen das ſie
ſrüher keine gezeigt, jo iſt die Urſache wohl zu erforſchen. Zu dieſem Zwece
muß das Kind genau beobachtet werden. Es handelt: fich darum, ob die
Urjache eine phyſiſche oder eine pſychiſche iſt, ob ein körperliches Unbehagen
vder eine Mißjtimmung des Gemüthes dieſe Abneigung bewirkt hat, In
erſterem Falle joll ärztlicher Jath eingeholt werden; man darf dem Kinde
niht zumuthen, mit Gewalt ſich zu früher Gewöhntem zu zwingen. Anders,
Encyclopädie des Unterrichts = und Erziehungsweſen, 9
DTN

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