1838 | Beifall. = Beiſpiele, Nußen derſelben.
Veiſall bedeutet die Billigung ver Worte und Handlungen -eines An-
dern. Der Lehrer darf und ſoll ſeinen Schülern, wenn ſie ſic) durch Fleiß
oder eine andere lobenSwerthe Handlung hervorthun , ſeinen Beifall zu ex-
kennen geben. Je mehr es dem Lehrer gelungen iſt, die Liebe und die
Achtung ſeiner Schüler zu erwerben , deſto werthvoller iſt auch der Beiſall
für die Schüler, deſto mächtiger ver Cindru> auf ſein Ehrgefühl , deſto
wirkjamer der Sporn zu weiterer guten That! --- Es iſt ſehr zu empfehlen,
daß der Lehrer das Ehrgefühl der Schüler mit vem erſten, Eintritt in die
Schule wede, velebe, nähre und für höhere Zwecke benüße. Man darf nicht
gleich Ehrgeiz fürchten, ſelbſt dann nicht, wenn das Chrgefühl auch ſtark
jein jollte. Auf das höchſte Motiv aller unſerer Handlungen weiſt uns das
Chriſtenthum hin! Wir ſollen aus Glauben und Liebe handeln! Wenn
der Lehrer diejen Geſicht3punkt nicht aus dem Auge verliert, io wird es
unſchädlich jein, wenn er das Ehrgefühl des Schülers ergreift, um ihn zum
Fleiße und andern einzelnen lobenswerthen Handlungen ſpornt. Die auf
dieje Weije erzielten Zwecke - führen aber dann mittelbar auch zu jenem
pöhern Ziele, jobald man nur den Ehrgeiz nicht auffommen läßt und --
- falls er fich zeigen ſollte, dur< Mißbilligung niederdrüct.
Indeſſen kann auch der Beifall unmittelbar die höhern Erziehungs-
zwede jördern. Wenn ein Kind 3. B. eine wird es nur von Vortheil ſein, wenn der Lehrer dem Kinde etwa
jagt: „Das iſt recht! So muß man aus Liebe zu Gott und den Menſchen
handeln !“ |
Es Hedarſ nicht vieler Worte. Das Kind faßt Weniges beſſer, als
viel. GS verſteht ſich übrigens auch von ſelbſt, daß der Lehrer nur da
jeinen Beifall zu erkennen gibt, wo der Schüler ihn durch die Abſicht und
die Handlung wirklich verdient! --- Was den Lehrer betrifft, jo haſche
er nicht nac< dem Beifalle der Welt, ſondern nach dem Beifalle Gotires,
Nur diejer iſi ein genügender Lohn für ſeine Bemühungen. Ob es ihm
aber um den einen oder andern zu thun ſei, kann er ſelbſt vor den Kin-
dern nicht verborgen halten; ſie werden ihm ſeine lobens- oder tadelnswerthe
Abſicht abmerken und darnach ſeine ganze Wirkſamkeit beurtheilen.
Veiſpiele, Nußen derſelben. Der alte bekannte Saz: Worte bewegen
bloß, Beiſpiele aber reißen zu Thaten hin, hat ſeinen Werth
nNo< wie zuvor und wird ihn auch auf immer behalten; denn das Beiſpiel
als das Wirkliche, Anſchauliche, Aus8geführte und darum auch wirklich Aus-
führbare übt einen Zauber auf das Gemüth des Menſchen , den Worte
allein nimmer hervorzubringen vermögen. Es iſt deßhalb von der größten
Wichtigkeit , daß im Unterrichte Beiſpiele benüßt , aber von noch größerer,
daß feine faljchen, ſondern dem Zwecke entſprechende benüßt werden. Damit
Beijpiele dem Zwecte entſprechen, müſſen ſie aber ſein: 1) richtig, 2) der Faſ-
jungsfraft angemeſſen, 3) wahr. Richtig ſind die Beiſpiele, wenn ſie wirklich
das auſweijen, was empfohlen oder wovon abgemahnt wird. Soll 3. B.
die Mäßigkeit empfohlen werden, [o kann das Beiſpiel von Daniel, Ana-
nias, Mijael und Azarias (Dan. 1.) nur theilweiſe und in Bezug auf die
körperliche Wirkung ver Mäßigkeit angeführt werden, weil ſie ſich von den
Speijen des Königs Nabuchodonoſor enthielten, um ſich nicht zu verunrei-
nigen. Dagegen kann dieſes Beiſpiel treffend als Beleg für die Gewiſſen:
haftigkeit der Gottesfürc gejeße gebrauc der ſind Beiſpiele, die nicht in den Kreis ihrex Anjhauung fallen. Un-
wahre Beijpiele können wohl als gegebene Fälle benüßt, ſollen aber
nicht als gej]Pehene Ereigniſſe vargeſtellt werden, und dies um ſo
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