208 Belohnungen und Beſtrafungen.
aus welcher Schrift die vorſtehende Darſtellung größtentheils genommen iſt. -. '
Etwa38 Über Bells und Lancaſter's Lehrmethode, nach welcher ein einziger |
Lehrer taujend Schüler unterrichtet, von J. Bendixen. Schle8wig, 1890.
--- Hamel, der gegenſeitige Unterricht ; Geſchichte ſeinex Einführung und 3.
Ausbreitung durc< Bell, Lancaſter und Andere, Leipzig, 1818. -- Harniſch, |
W. 1)y., Ausführliche Darſtellung und Beurtheilung des Bell-Lancaſter'ſchen |
Schulwejens in England und Frankreich. 1821. |
Velohunnugen und Strafen. Der Menſch iſt ein ſinnlich-geiſtiges
Weſen, deſſen Bemühung allerdings dahin gerichtet ſein ſoll, daß der Geiſt |
über die Sinnlichkeit herrſche. Aber dieſe. vollendete Herrſchaft wird hie-
nieden nicht von Vielen und von denen, welchen es gelingt, doch nur nach |
langen Kämpfen. erſt ſpäter erreicht. Im Anfange und namentlich bei dem
Kinde herrſcht die Sinnlichkeit vor und die Erziehung darf deßhalb die Ein-
ſlüſſe nicht verſchmähen , durch welche auf die Sinnlichkeit gewirkt werden
fann. Strafen und Belohnungen ſind nun ſolche ſinnliche Reizmittel, durch
weiche die Kinder vom Böſen abgeſchrect und das Gute zu thun angewöhnt
verden. Das Böſe wie das Gute hat allerdings natüxliche Folgen für das |
Kind, jo daß daſſelbe durch die Folgen ſeiner Handlungen belohnt und be: |
itraft wird. Allein einmal treten die Folgen der Handlungen nicht immer
'o augenbliälich oder ſo augenfällig ein, daß die Kinder heilſame Lehren |
daraus ziehen, dann aber auch laſſen dieſe Folgen ſehr ſelten ſich zum Beſten
des Kindes wenden, wenn ſie eingetreten ſind. Die Frage: ob poſitive Be-
ſohnungen oder Beſtrafungen in der Erziehung angewendet werden dürfen,
iſt deßhalb ſchon längſt bejahend entſchieden und die Grundſäße der Stoiker,
wie die von Rouſſeau und Baſedow, ſind von ihren eigenen Schülern
aufgegeben worden. Die Stoiker lehrten, vas wahre Leben ves Menſchen
bejtehe darin, daß ex all' ſein Thun nach vernünftiger Einſicht regele. Dieſe
Cinſicht iſt es aber, welche dem Kinde erſt beigebracht werden muß. Wenn
der Stoiker Chryjippus will, daß man für die Kinder ſo viel als mög-
lich kluge und die beſten Ammen auswähle , die in den erſten drei Jahren
jchon den Geiſt des Kindes mit trefflichen Lehren befruchten können , ſo iſt
dieje Theorie nicht ſo thöricht wie die Rouſjeaw's, aber ebenſo fruchtlos,
und ihon Plutarch verwirft die ſtoiſche Erziehung. Rouſſeau (ſ. d. A.)
jtellte in ſeinem Emil den Grundſaß auf: das Kind darf nichts aus Ge:
horjam thun, ſondern Alles aus Nothwendigkeit. Bei einem ſolchen Kinde
tallen Belohnungen und Beſtrafungen allerdings weg; aber die Nothwen-
digkeit, welche ſeinen Emil recht zu handeln zwingt, iſt eine ſo geſuchte, daß
fie in einem Buche wohl aufgeſtellt , aber in der Welt nicht gefunden wer:
den kann. Baſedow will die Erziehung durc< Belohnungs- und Beſtrafungs-
mittel unterſtüßen, welche auf das natürliche Ehrgefühl berechnet ſind. Wü
dürfen jedoch nur die Art und Weiſe, wie in ſeinem Philantropin (f. d. A.
belohnt wurde, betrachten, ſo ſehen wir auf den erſten Bli>, daß das Ehr:
gefühl, krankhaft geſteigert, in Ehrgeiz au8arten mußte, und daß alle Fehler
welche den Jeſuiten in Bezug auf die Erwe>ung des Fleißes und ves Ge
horjams gemacht wurden , im vollendetſten Maße in Baſedow's Anſtalt zi
finden waren. Deßhalb jah ſchon Campe in ſeinem Werke : Reviſion de,
gejammten Schul- und Erziehungsweſen, 12 Bände. Hamburg, 1785---178
ſich genöthigt, anch dieſen Grundſaß zu revidiren. So werden wir den
an dem Syſteme der poſitiven Strafen und Belohnungen um ſo eher feſ|
halten dürfen , als Gott der Herr ſelbſt es nicht verſchmähte , auf dieſe
Syſtem ſeine cigene Erziehung des menſchlihen Geſchlechtes zu bauen. M
dem israelitiſhen Volke machte Gott den Bund: „Wenn ihr in meine
Saßungen wandelt, und meine Gebote haltet, und ſie thuet, ſo will ich eu

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