29j0 Velohnmungen insbeſonvero.
machen. Diejen Regeln möchten wir noch beifügen: 6) Jede Belohnung
und jede Straſe ſtehe in genauer Beziehung zu der zu helohnenden und zu
beſtrafenden Handlung und jei zugleich wieder nicht blos ein mittelbares,
ſondern anch ein unmittelbares Erziehnungsmtitel. Dieſen leßteren Grund-
jaß anzuwenden iſt am ſchwierigſten , aber für den , der ihn amwpen-
den kan, am fruchtbarſten. Es iſt ſehr einfach, den Faulen, den Unrein-
lichen, den Shwaßhaften, den -Shul- und Kirc dur lohmmgszettel mit zweierlei Aufſchriſten, etwa für Fleiß und für gutes Ve-
tragen , auszutheilen ; aber die größte Geſchilichkeit verräth es , für die
jpecielle Handlung das entſprechende Förderungs- oder Abſchre>ungsmittel
aufzufinden. Was hier von dem Lehrer gilt, gilt mit geringen ſelbſtver-
ſtändlichen Abweichungen auch für die häusliche Erziehung einzelner Kinder.
Velohynngen insbeſondere. Wenn wir oben die allgemeinen Grundſäte |
aufgeſtellt haben , welche bei Belohnungen und Straſſen gleichmäßig zu be-
rückjichtigen ſind, jo müſſen die beiden Reizmittel, jedes unter dew ihnen
eigenthümlichen GeſichtSpunkten, betrachtet werden. Belohnungen werden den
Kindern gegeben , um ſie zur Erfüllung ihrer Pfliht aufzumuntern. Es
gibt zwar Pädagogen, die den Grundſatz aufgeſtellt haben, die Belohnungen
jollen nur für Handlungen gegeben werden , welche über das Maß der
Schuldigkeit hinausgehen. Allein dieſer Grundſaß gilt nur bei Erwachſenen,
während bei den Kindern Belohnungen weniger die unrichtige Meinung ex-
weden, als habe man bei getreuer Pflichterfüllung uoch einen andern Lohn
anzuſprechen, als den, welchen uus unſer inneres Bewußtſein gibt, weil, wie
Denzel richtig bemerkt, der Lehrer den Kindern gegenüber die Stelle des
noch unentwicelten Gewiſſens vertritt. Vor Allem fragt es ſich nun, was
joll denn eigentlic belohnt werden , ſollen einzelne Handlungen oder das
geſammte gute Betragen Gegenſtand der Belohnung fein? Hier wird nun
bemerkt werden müſſen, daß die Pädagogik in der Theorie manches miß-
billigt , was wir in der Praxis anzuwenden genöthigt ſind , oder uns doch
wenigſtens anzuwenden erlauben. So iſt es vollkommen richtig, daß mum
das gejammte Wohlverhalten belohnt werden ſoll , aber der Lehrer wird
hundert Mal in die Lage kommen, ſagen zu müſſen : wer das nächſte Mal
dieje vder jene Aufgabe fehlerfrei gelöſt hat, der wird belohnt werden, und
ebenjo werden unzählige Male die Eltern Belohnungen an einzelne Hand-
lungen Inüpfen müſſen. Doch ſind derlei Ginzelbelohnungen unjerer Anſich!
nach bei Kindern erlaubt ; ſobald aber das Kind heranureift, ſollen dieſelben
ganz auſhören und ſich nur au das untadelige Wohlverhalten in allen Stücken
knüpfen. Ganz beſonders billigen wir es, wenn, wie A. Hauber (ſ.d.A.
in der Encyclopädie des geſammten Unterricht8- und Erziehung5weſen von
K. A. Schmid) will, die Belohnungen ver Eltern ſich an die Beſcheerungen
tfnüpfen , welche an Geburtstag3- und Namensfeſten , an Weihnachten 2«.
üblich jind, da die Kinder, obwohl ſie für das Wohlverhalten belohnt wer:
ven, doch zugleich jehen, daß ſie es der wohlwollenden Liebe der Eltern zu
verdanken haben. Cs muß alſo ſtet8 darnach geſtrebt werden, in dem Ge-
müthe: des Kindes das Bewußtſein zu pflanzen, daß wenn es auc wird , dies nicht eigentlich ein Lohn, ſondern nur eine Aufmunterung zu
noh getreuerer Pflichterfüllung ſein ſoll, und darf dabei auch bei den Klei-
nen nicht vergeſſen werden, was der Heiland den Großen zu erwägen ge-
bietet: „wenn ihr Alles gethan habt, was euch befohlen war, ſo ſprecht :
wir find unnüße Knechte.“ (Luc. 17, 10.) Was nun die beſondern Grund-
jäße bei Ertheilung von Belohnungen betrifft, ſo wollen wir auch hier
Ohler jolgen, welcher fragt: .a) Was iſt zu belohnen? Nux ſolche gute

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.