Full text: A. bis F. (Formaler Unterricht) (1)

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Benüßung der täglichen Vorkömmniſſe des Lebens, --- Bequemlichkeit8princip. 917 
wenn er bei jedem Geräuſch, das er von der Straße her vernimmt, dem 
Fenſter zueilt. S. Süddeutſches katholiſ<es Schuliwochenblatt. 1861 vom 
5. October. 
Benübung der täglichen Vorkömmuiſſe des Lebeus. Der Saß: Keine Wiſſen- 
jchaft iſt von allgemeinerem Intereſſe, ais die, welche die Erſcheinungen des 
alltäglichen Lebens erklärt, gilt auch für die Schule. In der Schule ſollen 
- die Kinder auf all' Das auſmerkſam gemacht werden, was unter ihren Au- 
gen vorgeht; dahin gehören aber auch die Tagesbegebenheiten in der Ge- 
meinde. Es iſt das Beſprechen deſſen, was im Leben begegnet und was 
nicht in das Gebiet einer einzelnen Perjon oder einer einzelnen Familie ge- 
hört, jondern der Deffentlichkeit anheimfällt, um ſo nothwendiger, als die 
Kinder jedenfalls davon hören und ſich ein Urtheil aus dem Gehörten, und 
zwar jehr oft ein ganz irriges Urtheil bilden. So machte es auch der 
Heiland, wie geſchrieben ſteht: „Cs waren aber einige zu derſelben Zeit 
gegenwärtig, die ihm von den Galiläern erzählten, welche Pilatus, eben da 
jie opferten, hatte niedermeßeln laſſen. Und er antwortete und ſprach zu 
ihnen: Meinet ihr, dieje Galiläer jeien größere Sünder geweſen, als alle 
andern Galiläer, weil fie jolches erlitten haven? Nein, ſage ich euch, ſon: 
dern wenn ihr nicht Buße thut, jo werdet ihr Alle auf gleiche Weiſe zu 
Grunde gehen. Oder meinet ihr, daß jene Achtzehn, auf welche der Thurm 
von Silve fiel und ſie tödtete , ſchuldiger geweſen jeien, als alle Bewohner 
Jeruſalems 2“ Luc. 13, 1-4. ES verſteht ſich aber von ſelbſt, daß den 
Kindern gegenüber noch größere Behutſamkeit, als den Erwachſenen noth- 
wenpig iſt. Ju den Kreis der Beſprechung gehören alſo: 1) alle freudigen 
Creigniſje, die in der Gemeinde vorfallen. An ihnen kann die Dankbarkeit 
gegen Gott, das Vertrauen auf die göttliche Vorſehung, die nie zu Schan- 
den macht, angeregt und der weiſe Gebrauch der irdiſchen Güter gezeigt 
werden. 2) Alle traurigen Ereigniſſe, die zu Ermahnungen zur Vorſicht 
und Behutjamkeit im Handeln, zur Ergebung in den Willen Gottes , gur 
<riſtlihen Wachſamkeit und zur Beſſerung des Lebens zwedienlich ange- 
wendet werden können. 3) Beſonders ſorgfältig find jene Ereigniſſe zu be- 
handeln, die, wie die oben angeführten bibliſchen, gerne als Strafgerichte 
Gottes ausgelegt werden und zu harten und unbilligen Aeußerungen Ver- 
anlaſſung geben. 4) Die öffentlichen Ereigniſſe im Staat8- und Gemeinde- 
leben, welche geeignet ſind, die Liebe zum Fürſtenhauſe und zum Vaterlande 
zu pflegen und zu nähren und die Wohlthaten, in einem geordneten Staate 
zu leben, erkennen laſſen. Allerdings iſt die Beſprechung ſolcher Ereigniſſe 
oft eine jhwierige; aber der Lehrer, der nicht leidenſchaftlich iſt, ſondern 
der Mit Theilnahme jelbſt die Geſchichte des Böſen erzählt und nur die 
Sünde verurtheilt, den Sünder aber bemitleidet, der auc< wohl zu unter- 
ſcheiden weiß, was Privatſachen und Ereigniſſe des öffentlichen Lebens find, 
den wird Liebe und Klugheit an den Klippen der eigenen Meinung nicht 
ſcheitern laſſen. 
Veobachtuung der Natur, ſ. Natur. 
Vequemlichkeitöprineip. Der Miniſter der Kaiſerin Maria Thereſia, 
Kauniß, ſprac< bekanntlich den Grundſatz aus: „Was Andere für uns - 
thun können, müſſen wir nicht ſelbſt thun!“ Daß auch der Lehrer dieſem 
Principe huldige, ſeheint mir ſchon darum nicht rathſam, weil der Saß ſehr 
elaſtijc) erſcheint, und ihm eine Ausdehnung gegeben werden kann, die nie- 
mals zum Heile der Schule ausſchlüge. --- Bequem bedeutet: 1) was der 
Neigung gemäß iſt, eine Beſchwerlichkeit, eine Bemühung oder Anſtrengung 
und jomit auch die Hinderniſſe, welche der Erreichung eines Zieles im Wege
	        
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