29) Beruf, Berufswahl, Beruſseifer,
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höhere Stände. Allein abgejehen davon, daß heutzutage die höhern Dienſte
vſt mehr Schein, aber weniger Verſorgung als die bürgerlichen Beſchäfti:
gungen bieten, jo überſchäßen die Eltern gar oft die Anlagen der Kinder und
widmen ſie Studien , in welchen ſie es niemals zur Meiſterſchaft bringe,
und ewig Stümper bleiben. Haben ſie dann mit Mühe und Noth durch
zreunde und Verbindungen und nach großen Opfern eine gewiſſe Stufe er-
reicht, jv bleiben jie ſißen mud werven von Talentvollern überflügelt. Indem
jie numm fich zurückgejeßt wähnen, fühlen jie ſich und ſind ſie höchſt nnglüc-
lich nnd überdies noch eine Laſt für deu Staat, der ſic mitſchleppen muß.
(Sanz daſſelbe wird durch den Hochmuth reicher Bürgers- und Bauersleut,
herbeigeführt, die ihre Kinder im Geiſte ſchon als geiſtliche und weltliche
Borſteher und Regenten erbliden , denen das Geld die Weisheit erſeßen
milft. 3) Sehr oft werden Eltern in Städten durch die Leichtigkeit, mit
welcher die Kinder gewiſſe Anſtalten beſuchen können, beſtimmt , ſie eine
Zeitlang in denjelben bilden zu laſſen, weil ſie und die Kinder ſich ſo frühe
weder entſcheiden können, noch mögen. Die Zeit dieſes Schulbeſuchs ſol!
jreilic) nur als eine vyrübergehende, einigermaßen als eine Zwiſchenſtation,
betrachtet werden, allein ſind em paar Jahre vorüber, jo Ihmerzt es die
Eltern, ihre Kinder zurücknehmin und bekennen zu müſſen, daß ſie gerin-
gere Fortſchritte machen, als andere, weßwegen wohl oder übel die Kinder
jortmachen müſſen. Derlei Vorurtheilen und- Cinfältigkeiten werden viele
Kinder geopfert, welche in bejcheidenerer Stellung zufrieden gelebt und voll-
jtändig ihren Plaß ausgefüllt hätten. --- Was immer uun für ein Beruſ
dem Menjc erfüllen, und wo Luſt und Liebe minder groß ſein ſollten, da muß eine
verſtändige Gewiſſenhaftigkeit dieſelben erſeßen. . Zuleht muß ſchon dem
Kinde, das ſich ohnehin au das Aeußere hängt und dem Glanz und Flitter
mehr werth iſt, als Weſen und Juhalt, beigebracht werden, daß es ganz
Sinerlei iſt, was der Menſch iſt, wenn er nur das, was er ſein will und
jein joll, recht iſt. Hier gilt, was Oskar von Redwiß ſingt:
Und ob ich wie die Sonne glüh',
Ob ich ein kalter Nebelſchein,
Ob ich wie Schiras Roſen blüh',
Ob ich ein arm Waldblümelein,
S?iſt Alles gleich nach Gottes Sinn,
Und Nichts iſt groß und Nichts iſt klein,
Wenn ich nur das, was ich ſoll ſein,
Auch recht im Geiſte Gottes bin.
Jeder Beruf adelt, wenn ex recht erfüllt wird. Dieſes vege Streben nun,
Alles zu leiſten, was man in dem ihm eigenthümlichen Kreiſe leiſten kann,
nennen wir Berufseiſer. Er verſöhnt den Menſchen mit ſeinem Looſe
und ſeinem Stande auch dann, wenn der Wünſche noch viele übrig bleiben
und man ſich in Manchem, was man erwartete, getäuſcht findet. Es iſi
ein Gebot der Klugheit, den Verhältniſſen entgegen zu kommen, wie denn
auch ein Altmeiſter deutſcher Lehrer, Oberlehrer S Lehrern zur Ermunterung unter ſein Bildniß j wolle ſein und Nichts wolle lieber.“ Es iſt aber auch eine gemäß den Worten der Schrift: „Cin Jeder bleibe, wie es der Herr ihm
zugetheilt hat, und wie einen Jeden Gott berufen hat, ſo wandle er.“
1 Cox. 7, 17. Dieje Ermahnung des Apoſtels gilt Denen , die den Beru]
verfehlt haben. Gebunden an die Verhältniſſe, wird das ertragen laſjen, was widrige Fügungen ihnen auferlegten.
Poepyf des Lehrers, 1. Amt des Lehrers.

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