Abſcheu. =- Abſicht, Zweck, Augenmerk. 21
Veranlaſſung war , oder wenn Eltern und Herrſchaften dem Kinde keine
Zeit gelaſjen, jo muß das Kind unerbittlich in der Schule behalten und
amgehalten werden, die Aufgabe ſelbſtſtändig zu feſtigen. Dieß iſt nur
theilweije eine Strafe und kann vielleicht als eine natürliche Folge gelten,
die Jeder ſich ſelbſt zuzieht, der Etwas verſäumt hat und es deßhalb nach-
holen muß. Daß dies freilich unter Auſſicht des Lehrers geſ verſteht jich von ſelbſt. Der Lehrer ſoll auch erbötig ſein, auf Fragen dem
Schüler Jreundlichen Aufſchluß zu geben. So fällt das eigentliche Straf?
mäßige von jelbſt weg, und bleibt die Strafe in Wahrheit doch , ſowohl
für die Kinder als ihre Eltern. Allerdings entſteht dadurch für den Lehrer
eine außergewöhnliche Mühe. Allein , wer nicht mehr thut , als er muß,
dem fehlt wie zu Allem , ſo insbeſondere zum Lehrerſtande der Beruf.
Strenge Durchführung diejer Maßregel vermindert ohnehin dieſe Unart
oder ſtellt ſie ganz ab ; aber die Kinder müſſen wiſſen, daß ſie die Aufgabe
einmal jedenfalls jelbſt machen müſſen, ſei es außer der Schule mit Muße,
oder zu unliebjamer Zeit, wenn ſie gern, wie die andern Kinder, entlaſſen
würden. = Abſchreiben in der Bedeutung von Niederſchreiben iſt von
der größten Wichtigkeit für den Sprachunterricht und die unbedingte Vox-
übung zur Rechtt welcher laut auswendig lernt, durch das Gehör unterſtüßt wird, ſo wird
vajſelbe beim Niederſchreiben von Buchſtaben und Wörtern durc< das Ge-
ſicht unterſtüßt. Man hat das Abſchreibenlaſſen als eine blos mechaniſche
Thätigkeit verwerfen wollen; allein es wird Niemand leugnen können, daß
vas Kind, während es abjc Worte abſchreibt, bekommt es ein Wortbild, was in der deutſchen Sprache
um ]v nothwendiger iſt, als die Rechtſchreibung einer Menge Wörter nicht
nach der Ausſprache , ſondern nach dem Schreibgebrauche ſich richtet, 3. B,
Geiſt, rein, leben, geben im Gegenſaß 3. B. von Leib , Weib, Zeit , edel,
heben 20, Durch Abſchreiben von Lievderverſen und Deukſprüchen prägen
jich dieſelbe begreiflicherweiſe dem Gevdächtniß ein. Die eigenen Namen
der heiligen Geſchichte ſind ohnehin ſchreiben zu laſſen. Beim Niederſchrei-
benlajjen kann. der Lehrer Rechtſchreiben und Schönſchreiben in einfachſter
Weije miteinander verbinden. = Abſchreibenlaſſen als Strafe iſt ein
jehr zweifelhaftes Mittel zur Beſörverung richtiger Erkenntniß. Eine bib-
lijche Geſchichte 3. B. abſchreiben laſſen, weil das Kind ſie nicht auswendig
gelernt hat, wird zu weiter nichts nüßen , als daß daſjelbe vor Schreiben
wieder micht zum Memoriren kommt. Einzelne Worte, welche ein Kind
jehlerbaft Ihreibt, eine gewiſſe Anzahl mal abſchreiben lajſen, mag gut ſein;
aber es muß Maß gehalten werden. Wer ein Wort 5---10mal abgeſchrie-
ben hat, wird jo gut auf ven gemachten Fehler aufmerkſam geworden ſein,
als wenn er daſſelbe Wort fünfzigmal abſchreiben muß. Die Pedanterie
zeigt ſich vielleicht nirgends mehr, als in derlei willkürlichen Straſen , die
it keinem Verhältniß zu dem Zwecke ſtehen, den ſie erreichen wollen.
Abſchen, |. Abneigung.
Abſeutenliſte, |. Schulverſäumniſſe.
- Abſicht, Zweck, Angenmerk. Abſicht iſt die Richtung des Geiſtes auf die
Verwirklichung eines im Willen liegenden Gedankens. Dieſer Richtung des
Geiſtes iſt Derjenige, welcher etwas beabſichtigt, ſich ſtet8 bewußt. Wo kein
Bewußtſein iſt , iſt keine Abſicht. Die Bienen 3. B. haben keine Abſicht,
- Honig zu bereiten, die Bereitung des Honigs iſt der Zweck derſelben. Zwec>
; des Gegenſtandes iſt nämlic< das, wozu es da iſt. Dieſer Zwe> wird nur
dann zur Abſicht, wenn derſelbe in den Willen aufgenommen wird. Die
Urjache, weShalb ich etwas beabſichtige , iſt der Zwe der Handlung,

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