Beſtimmung des Menſchen. -- Beſtrebung8vermögen. =- Betteln. 935
? .
inſofern der Jvee Gottes abbreche , als dabei dem Gedanken an eine Ver-
mehrung der Ehre Gottes oder einer egviſtiſchen Tendenz von Seite Gottes
Raum gegeben ſei. Denn wenn man nar vas Eine bedenkt, daß durch
vas , was der Menj< thut, anſtrebt und erreicht, die Herrlichkeit Gottes
bloß geoffenbart, nicht erſt geſeßt wird , jo iſt jener Einwurf als abgethan
zu betrachten. =- Aus unſerm Begriffe von der Beſtimmung des Menſchen er-
gibt ſich als oberſter Grundjaß der Erziehung: leite die Zöglinge
in allen ihren Anlagen und Geiſteskräften ſo, daß ihr ganzes Thun ein
lebendiger und lauter Prei8gejang auf die Größe und Herrlichkeit Gottes
in poſitiver Weije ijt, d. h. jo, daß ſie jelbſt einen. ewigen Lohn dafür er-
halten. |
Beſtrafung; |. Strafen. |
Beſtrebungövermögen. Dieſer Ausdruck, welchen neuere Pſychologen (1.
d. A. Begehrungs5vermögen) ſtatt des Begriffs Begehrungs8vermöügen
gebrauchen , iſt auch von mehreren Pädagogen (ſ. Curtman, Lehrbuch der
Erziehung und des Unterrichts 1. 8. 29.) recipirt worden. Die pädagogiſche
Pſychologie thut jedoch beſſer, bei vem geläufigern, verſtändlichern und rich-
- tigern Ausdru> Begehrungsvermögen ſtehen zu bleiben, inſofern dar-
- iter nur diejes Vermögen verſtanden wird. Wer behauptet, das Begehren
- ſei weiter nichts , als eine Aeußerung des ſinnlichen Triebes, welcher nach
: dem Angenehmen verlangt und das Unangenehme von ſich ſtößt, der mag
- bedenken, daß der Menſch auch das nothwendig begehrt, was er mit dem
- Verſtande als nüßlich und zwe&mäßig, ſowie was er dur< die Vernunit
; als abjolut gut und allgemein nothwendig erkannt hat. Darnach iſt nicht
- abzujehen, warum män den Begriff des Begehrungsvermögens mit jenem
ves Beſtrebungsvermögens vertauſcht habe. Freilich ſtrebt der Menſch, das
zu verwirklichen , was er begehrt; aber eben daraus ergibt ſi<, daß das
Begehren dem Beſtreben vorausgeht, und daß dieſes die Folge, die Cnergie
- von Jenem darſtellt, wie es auch aus vem Begriffe, den man davon gibt,
erhellt, indem man unter Beſtreben das Vermögen verſteht , die Gegen-
jtände unjeres Verlangens durch das Aufgebot der dazu nöthigen Kräfte zu
realiſjiren.
Veten, ſ. Gebet.
Vetteln. Der Kinderbettel, eine höchſt verderbliche Sache, iſt in jedem
qut gevrdneten Staate verboten. Dennoc< kommt er vor, und zwar in
größerm Umfange, als die höheren Behörden glauben mögen, Die nie-
dern Bolizeiſtellen jc Umſtändlichkeiten und Koſten verbunden ſind. Die Geiſtlichen mid Lehrer
vermögen nicht viel vagegen auszurichten. Doch fordert von ihnen das pä-
dagogiſ va er ſo viele ſittliche Gefahren mit ſich bringt und dem Unterricht die
größten Hinderniſſe bereitet. Das Wicdtigſte iſt, daß ſie den Bettel bei
einem Kinde nicht zur Gewohnheit werden laſſen. Sobald zu ihrer Kennt-
niß kommt, daß ein Kind auf dem Bettel betreten wurde, iſt es Zeit, ener-
giſch einzuſchreiten. Hat es ſchon öfter gebettelt, ſo hat es in ſeinem Ge-
müthe bereits einen Proceß durchgemacht , wie Jemand , der eine große
Sünde wiederholt beging. Mit jeder Wiederholung wächſt die Frechheit
und die Abgeſtumpftheit des ſittlichen Gefühls. Häufig werden junge Bett-
lex alte Taugenichtje und große Verbrecher, und nichts niſtet ſich j , bei ihnen ein, als die Liebe zum Betteln. Darum muß gleich im An-
fange widerjtanden werden. Können Kinder, welche zum Bettelit verwendet
werden wollen, in. eine Anſtalt für Waiſen oder ſür verwahrloſte Kinder

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