238 Bevorzugung, =- Betveggründe.
Achtung einflößen und es beſriedigen , weil es daraus den Schluß zieht,
daß es jeinem Erzieher darum zu thun ſei, es richtig zu beurtheilen.
Venrtheilnngs-Unterricht, 1. Unterrichtsſtufen.
Bevorzugung. Dieſer Begriff darf nicht mit dem der Varteilichkeit ver-
wechſelt werden, welche ſtets auf Schwäche des Characters, auf Leidenſchaft
nder auf Unre iMimme Nebenbedeutung mit ſich führt, oder aus einer trüben Duelle
berzuleiten iſt. Eine Bevorzugung der einen Schüler vor den andern muß
es geben, aber ſie daxf nicht auf einem andern als auf einem vernünftigen
und Hriſtlichen Grunde beruhen. Sie muß dem Verfahren nachgebildet
jein , welches der höchſte Erzieher , Gott, gegen die Menſchen beobachtei,
Wie bei ihm, wenn er Einen vor vem Andern bevorzugt, der wahre Werth
des Menjchen entſcheidet, ſv muß ſic< auch der Vorzug, den er dieſem oder jenem Zögling einräumt, von deſſen wahrem
innern Werthe leiten laſſen. Gott ſprach zu Kain: „Wenn tu Gutes thuſi,
exhältſt du Lohn; wenn aber Böſes , wird ſogleich die Straſe vor der
Thüre jein.“ Er mimmt kein Anſehen der Perſon , jondern wer immer
aus dem Volke Gutes thut, iſt ihm angenehm. So mache und halte es
jeder Erzieher. Die Bevorzugung des fleißigen und geſitteten Eleven vox
dem unfleißigen und ungeſitteten iſt ein gerechtes und indispenſables Ge-
vicht, das Über den leßtern ergeht. Findet feine Bevorzugung der Wür-
digern ſtatt, jv leidet die moraliſche Seite der Disciplin große Noth und
vs Ut um die jo wohlthätige Nacheiferung der Zöglinge unteinander ge:
ihehen. Aber daß nur die Bevorzugung auf Weſentlihes und nicht auf.
Unbedentendes ſich ſtüße! Sie ſoll ſich an folgende pädagogiſche Regeln |
halten: 1) fie muß vor Allem die Kräfte der Schüler genau in8 Auge
faſſen, um Über deren Leiſtungsfähigkeit ein ſicheres. Urtheil fällen zu kön: |
nen; die Kinver beſißen ein feines Gerechtigkeitsgefühl , und wiſſen qar
wohl, wer unter ihnen des Vorzuges würdig iſt, vder nicht; ſie ſelbſt
fennen den Fleißigen, den Wiß- und Lernbegierigen, den Sittſamen und
Geoprdneten und werden nichts dagegen haben, wenn er bevorzugt wird,
denn es gebührt ihm ja; aber das muß der Erzieher gleichfalls wiſſen,
und nicht dem Talente als ſolchem , ſondern eben der Anſtrengung , der
Strebjamkeit und Moralität den Vorzug einräumen. 2) Er ſtecke der Be-
vYyrzuqung die gehörigen Grenzen und laſſe ſie nicht in Affection ausarten,
namentlich nicht in eine jolche, welche blind iſt gegen die Fehler des Be: |
vorzugten. Wider dieſe Regel wird bejonder3 in Inſtituten oft geſündigt,
wo man einzelnen Zöglingen , welche ſich auszeichnen, nicht nur eine Be:
VORZU gung , jondern eine auffallende und die Übrigen Zöglinge verleßende
Zuneigung angedeihen läßt. 3) Iſt ein Zögling auf gute Gründe hin zu
bevorzugen, jo muß darüber gewacht werden, daß er nicht übermüthig oder
hoſfärtig werde. Der Erzieher wird ihm in dieſer Abſicht die Pflichtmäßig:
feit ſeiner Handlungsweiſe und die Gefahr vorhalten, wenn ex ihr untreu
werden jollte. 4) Auch darf bei einer Bevorzugung nicht überſehen wer-
den, vb das Kind aus eigenem Antriebe, oder dur Beihilfe Anderer ſie
erlangt hat. Unter gleichen Ergebniſſen muß der Vorzug jenem Kinde zu:
erkannt werden. Zieht der Lehrer den Geiſtlichen und dieſer jenen bei,
wo eine Bevorzugung verfügt werden will, ſo wird ſie in den Augen der
Kinider um ſo gerechter, aber zugleich um ſo aneifernder erſcheinen. S. d. A.
Belohnung, Beurtheilung, Lob, Parteilichkeit.
Bewahrgquſtalt, 1. Kleinkinderſhulen.
Beweggründe. Wir haben hier an die Beweggründe der ſittlichen Thä-
tigkeit zu denken , mit welchen der Zögling vertraut gemacht werden ſoll

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