Bewunderung. ==“ Bewußtſein, 945
Unvollkommenheit jein kann, jo iſt das Erſtaunen bald ein höherer Grad
ver Bewunderung, bald ein höherer Grad der Verivunoverung.“ (Synonym.
Handwörterbuch Nr. 455.) Um was es ſich hier vorzüglich handelt, iſt die
Zrage: ob und wie der Lehrer ven Aſfekt der Bewunderung bei ſeinen
Schülern zu pflegen habe? In erſterer Hinſicht kann es keinem Zweifel
unterliegen , daß der vehrer jeine Schüler das Große und Erhabene in
Natur und Offenbarung betrachten lehren ſoll ; denn nur dadurch kann der
Sinn für daſſelbe gebildet werden ; und er wird es auch ohne weitere
Veranlaſſung thun, jobald er ſelbſt dieſen Sinn beſißt. Allein wie ſoll
er dabei zu Werke gehen? Er wird das Schöne und Erhabene in mar-
firten Zügen den Kindern vorführen, wozu ihm die meiſten Unterrichts-
zweige Gelegenheit geben. Er wird die Kinder ſelbſt etwas Bewunderungs-
würdiges aufſuchen und beſchreiben laſſen. Er mache ſie 3. B. aufmerk-
jam auf den wunderbaren Zuſammenhang aller Dinge zur gemeinſchaft-
lichen Erhaltung der Geſchöpfe , auf den Bau des menſchlihen Auges,
auf die Einrichtung der ganzen Natur zum Nußen der Menſchen, auf die
weiſe berechnete Geſtaltung des Fruchthalmes wie der Ceder , auf die ge-
nauen Gejeßze, nac welchen ſich die ſchwächſten wie die ſtärkſten Kräſte
des Weltalls richten müjjen, auf die Merkwürdigkeiten, welche dur< Ver-
größerungsgläſer entde>t werden, auf die Unermeßlichkeit des Sternenhim-
mels , auf den unverrücdbaren Plan in der Führung und Erziehung des
Menſc die Kinder unter der Führung des Lehrers das Große und Erhabene be-
trachten gelernt, dann werden fie nur bewundern , was der Bewunderung
werth iſt und von dem Verlangen erfüllt werden, ſelbſt auch etwas Großes
und Erhabenes zu Stande zu bringen. | |
Vewußtſein. Selbſtbewußtſein. Nach der einfachſten Wortbedeutung iſt
Bewußtſein das Wiſſen vom Sein. Die Verbindung von Wiſſen und Sein
wird gewöhnlich als eine unmittelbave betrachtet , die nicht weiter begriffen
und erklärt werden kann. Das Bewußtſein äußert ſich als jene Macht der
Seele, durc; welche ſie ſich vor Allem zu unterſcheiden vermag, was nicht
in ihr ſelbſt iſt, d. i. von der Außenwelt, zu der auch der eigene Leib ge-
hört. Bei den Thieren ſteigert ſich das Bewußtſein vom Gemeingefühl der
niederſten und pflanzenähnlichen bis zur bedingten Wahlfreiheit der vor-
nehmjten Säugethiere, welche Einbildung, Gedächtniß und Erinnerung voraus-
jekt. Vom Thiere unterj Bewußtſein zum Selbſtbewußtſein erhöht, vermöge deſſen er 1) die Außen-
welt von ſich ſelbſt ; 2) die Vorſtellungen der Dinge von dieſen unterſchei-
det, 3) als deren Urheber ſich erkennt und ſich ſo ſelbſt zum Gegenſtande
jeiner Betrachtung machen kann. Das eben macht dann den Menſchen zum
Geiſte , zur Perſönlichkeit, daß er Selbſtbewußtſein hat. Krug ſagt über
dieſen wichtigen Seelenzuſtand : „Niemand kann jagen, wann und auf welche
Weiſe er zum Bewußtjein gekommen. Er hätte dann ſchon ein anderes
Bewußtſein haben müſſen, um mittelſt deſſelben ſich der Entſtehunü von
jenem bewußt zu werden. Der Urſprung de38 Bewußtſeins «iſt uns alſo
völlig unbekannt , oder vielmehr, es hat für uns gar keinen Urſprung,
es ijt etwas Urſprüngliches ſchlechthin.“ ES liegt nicht im Kreiſe unſerer
Auſgabe , über die Geneſis des Selbſtbewußtſeins uns zu verbreiten , da
ſelbſt unter den Philojophen die Frage nicht gelöſt iſt, wie aus dem Unbe-
wußtjein das Bewußtſein hervorgehe; genug , daß es eine Thatſache iſt.
Weder wir ſelbſt, noh Andere, die uns beobachteten, können den Moment
' bezeichnen, in welchem der erſte Act unſeres Bewußtgewordenſeins vollzogen
worden iſt. Aber der Erzieher und Lehrer braucht auch nicht darnach zu

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