BliUder, Bilderbücher. =“- Bildung. 963
um Himmel emporſteigt, während der auf Kains Altar ſich zur Erde
entt. 8) Daß alle3 Anſtößige und Unwahre aus dem Bilde verbannt Jein
joll , verſteht fich von jelbjt. Aber auch Alles, was die Anmuth und den.
Sinn für das Schöne verlezt, muß ferne bleiben. Wer weiß, ob nicht
manches Find an der Fraße des ſtruppigen Struwelpeters die Grimaſſen
gelernt hat, die es ſchneidet. Das Bild ſoll den Schönheitsſinu und das
Gefühl für Ebenmaß weden. 9) Bilder zum Unterricht oder Aufhängen
jollen gemalt jein, aber nicht grell, denn in der Natur gibt es keine grelle
Farbe. Auch ſollen ſie nicht zu viel und nichts Unzuſammenhängendes
enthalten und groß genug ſein, um deutlich geſehen zu werden. 10) Der
Text joll eben jo edel ſein, als das Bild, und nicht8 Abgeſchmacktes ent-
halten. Wenn 3. B. in der unverwüſtlichen Bilderſibel für artige Kinder,
die manches hübiche Bildhen bringt (Berlin , Verlag von Auguſt Rieſe),
beim Y) ein Knabe auf dem Kopfe jteht und die Beine in die Höhe ſtret,
während der ſinnreiche Vers lautet: „Der Knabe ſtre>t die Beine aus, Merk
dir, 10 ſieht Y aus,“ jo läßt Bild und Text gleichviel zu wünſchen übrig.
Und doch ſind derlei Verſe noc< nicht einmal die läppiſchſten, die uns be-
gegnen. -- Unter den zahllojen Bilderbüchern ſind vorzugsweiſe die aus
den Verlagö8handlungen von Schreiber und S Scholz in Mainz, ferner von Rudolph Chelius in Stuttgart zu em-
pfehlen. Ganz origin 'lUl in ſeiner Art iſt das ſ von Edlath (Poe3zne>, Thilmann), welches ſc auf denen ähnlich klingende Wörter zujammengeſtellt ſind, z. B. einen Land-
poſtboten und einen Schiffer im Kahne mit den Verſen: „Cs wandert mit
Brieſen Jahr aus Jahr ein der Bote hinaus aufs Land; Jm Boote
jährt der Schiffer dort den Paſſagier zum Strand.“ Es werden überhaupt alle
Bilder und Bilderbücher , die eine Tendenz haben, mit Nuten gebraucht
werden können; aber unter den Hunderten dürften doch nur wenige ſein,
die eine originelle Nichtung einſchlagen. Darum ſind die Bilder aus .der
Naturgeſchichte, aus der Länder - und Völkerkunde immer die nüßlichſten,
die Nicht nur einen bleibenden Eindruä hinterlaſſen, ſondern auch zu wei-
tern Kenntniſjen vorbereiten. Jn dieſer Beziehung verdienen die nicht ſv
prachtvoll ausgeſtatteten ältern Bilderbücher entj A. Abbildungen.) |
Bildung. Der Begriff der Bildung iſt ſehr verſchieden dargelegt wor-
den , je nach der Vorſtellung, die man ſich von dem höhern Weſen des
Menjehen und ſeiner Beſtimmung gemacht. Jm Allgemeinen bezeichnet man
damit die Geſtaltung und Formung einer Maſſe oder eines Dinges zu
einem beſtimmten Bilde und nach beſtimmten Umriſjen. Das Wort wird
jedoch hauptjächlich in Beziehung auf den Menſchen gebraucht , und von
Hergang als die Entwiäelung der urſprünglichen ſowohl körperlichen als
geiſtigen Anlagen des Menſchen na< Maßgabe ſeiner Beſtimmung auſge-
faßt (Realencyclopädie 1. 323). Verſteht man darunter nicht die Thätigkeit
des Bildes , ſondern das aus dieſer Thätigkeit hervorgegangene Product
(Gebildetſein) , jo kann man ſich unter Bildung das Wiſſen, Empfinden,
NLollen und Handeln eines Menſchen denken, wel den das Jdeal eines Zeitalter8 an die Hand gibt, gemeſſen wird. Fapßt
man die Bildung als Totalität des Wiſſens Überhaupt auf , ſo läßt ſich
von der Bildung eines ganzen Volkes ſprechen; faßt man ſie aber auf als
das auf eine einzelne Disciplin ſich erſtre&ende Wiſſen, ſo ſpricht man von
einer philologiſchen , theologiſchen , philoſophiſchen 2c. Bildung. Hat man
nicht die allgemeine menſchliche Bildung , fondern die beſondere im Auge,
jo wird :an die Berufsbildung gedacht. Oft auch wird die Kenntniß und

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