968 Bildungslehre, poſitive, =- Bildungstrieb.
Vildungslehre , poſitive. Die poſitive Bildungslehre iſt jener Theil de
Pädagogik, welcher die Grundjäße auſſtellt und die Mittel bezeichnet , nac
welchen die Zöglinge in ihren individuellen Beſonderheiten zu erziehen un
zu Unterrichten ſind. Daß jene Grundſäße haltbare, unumſtößliche und be
währte ſein müſſen, aber dies nur dann jind, wenn ſie aus dem poſitive]
Fundamente des Chriſtenthums hervorgehen , bedarf des Beweijes nicht
Wer ſonac probehaltig erwieſenen und durc< das Chriſtenthum geheiligten Lehr- unt
Erziehungsmaximen. Ebenjo feſt halte er ſich au die von der Kirche ihn
gebotenen Mittel zur Bildung des Menſchen, als da ſind: der Religions-
unterricht mit der bibliſchen Geſchichte jelbjt , das Gebet, der Gottesdienſt,
der Empfang der Sacramente. Außerdem ertheilt die poſitive Bildungs-
, lehre die Anweiſung, die bejonderen Geiſte8anlagen des Kindes zu erſor-
ichen, die Neigungen. und Geneigtheiten ſeines Herzens zu erheben, den Grad
jeiner Bildungsfähigkeit auszumitteln und zu beſtimmen , wie jede einzelne
Anlage nach ihrer qualitativen und quantitativen Kraft zu behandeln ſei,
um ſie, mit Verhütung jeder Entartung, für die Auſnahme des Wahren,
Guten und Schönen zu bearbeiten. Die poſitive Bildungslehre ertheilt dem
Erzieher -- Lehrer die Vorſchrift: a) die Anlagen ſeiner Zöglinge ſorgfältig
zu beobachten, da von einer jolchen Beobachtung die gedeihliche Anregung
und Leitung derſelben abhängt; b) fie unter einander zu vergleichen,
um zu erſahren, welche derjelben von Natur aus ein Uebergewicht beſite
und einer höhern Cultur fähig jei, auch nach welcher Seite hin ſich dieſes
Vebergewicht richte ; €) die anfangs in einer gewijjen Schwäche auftreten-
den Anlagen nicht jofort und. definitiv für j ſolche weniger zu beachten , jondern ſie fort und ſvrt zu nähren , da die
Fälle nicht jelten ſind , wo ein gering ſcheinendes Talent zu einem großen
nich erſchloſſen hat; d) bei der Cinwirkung auf eine Anlage zugleich die
Übrigen im Auge zu behalten, damit ſie gegenſeitig ſich tragen und durch
einander gewinnen ; e) einer eingetretenen Entartung alsbald zu begegnen,
Sie lehrt ihn, wie er hiebei zu verſahren habe, umd weiſt ihn an, „das Nie-
dere unter da8- Höhere, vas Höhere unter das Höchſte zu ſtellen, das Gött-
liche, Ewige al8 das Höchſte zu betrachten, und diejem eine Herberge im
Geiſte, dem Geiſte eine im Körper zu erbauen, die Begierde unter die Be-
fehle der Vernunft, dieſe unter die Herrj (Hergenröther, Erziehungslehre.)
Vildungstrieb. Jene Kraft, welche einem organiſchen Keime innewohnt,
und wodurch ſich dieſer gemäß beſtimmten Geſeken zu einem vollendeten
Organi38mus ſeiner Art ausbildet, heißt Bildungstkraſt oder Bildungstrieb.
Mellin verſteht darunter das Vermögen der Materie in einem organiſir-
ten Körper, ihre beſtimmte Geſtalt anfangs anzunehmen, dann lebenslang zu
behalten, und wenn ſie verſtümmelt werden ſollte, wo möglich wieder herzu-
Fellen. Dieſer Trieb (nisus formativns) iſt überall in der Schöpfung wirk-
jam, ſelbſt in den unorganiſchen Gebilden des Mineralreichs, beſonders in
den Kriſtallen, und hat des Unertlärlihen und Geheimnißvollen noch vieles an
fih. Er kann von einer dreifachen Seite aus betrachtet werden, nämlich
al8 producirende, ernährende und plaſtiſ hier nicht ſo faſt an den leiblichen, als an den geiſtigen Bildungstrieb, kraft
veſſen es den Menſchen innerlich drängt, in der Vervollkommnung ſeines
Geiſtes ſoweit, als es deſſen Anlagen möglich machen, voranzuſchreiten. Es
iſt hieraus einleuchtend , daß es eine eben jo große Zahl: von Bildungs-
trieben als Anlagen im Geiſte des Menſchen gibt. Denn jede Anlage hat
den Drang in ſich, entwidlelt und vervollkommnet zu werden. E35 kommt

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