57ß Blindenanſtalten,
den 1857. Preis 5 Sgr. Dazu die Schriften von Hienhſc< und Lach.
ann |
Blindenanſtalten. Es gibt zweierlei Blindenanſtalten: 1) Blinden-.|
verjorgungs- und 2) Blindenunterrichts anſtalten. Die älteſte |
Blindenverjorgungsanſtalt iſt das Hospital des quinze-vingts in
Paris. Als Ludwig der Heilige ſeinen Kreuzzug gegen Aegypten führte, erblin-
deten viele Soldaten in der afrikaniſchen Gluthhiße. Darum wurde 1260 für
300 erblindete Soldaten in Paris eine Verſorgungsanſtalt errichtet. Die.
jelbe wurde nach vem Ausſterben der blinden Krieger für erwachſene Blinde
beibehalten. Vor der franzöſiſchen Revolution , zur Zeit, da Hay ſeine
Erziehungsmethode für Blinde in Anwendung brachte, wurden auch Kinder
auſgenommen. Schon damals wurde der Muſik viel Auſmerljamkteit zuge |'
wendet. Cs gab da ein Orcheſter von vierzig Muſikern. Als Ludwig XV].
jeine Reſidenz in Paris nehmen mußte und jeine unbezahlt gebliebene Ka- |]
pelle ſich zerſtreute , wurden ihm die bei der Nationalgarde angeſtellten
Hautboiſten zugeſandt, die nun während ver Meſſe die Marſellaiſe und ähn.
liche Geſänge Jpielten. Dex König wurde hierdurch äußerſt gebeugt. Hay,
den dies rührte, brachte es durch Vermittlung der Madame Necker dahin,
daß für's Künſtige die Aufführung der Muſik bei dieſer Metje ſeinen Blin-.
den Übertragen wurde, Dieſe Anſtalt ging aber durch die ſranzöſiſche Re. .
volution ein, da alle Stiftungen eingezogen wurden. Es war ein eigenes
Verhängniß, daß dieſelbe Urſache, welche die Gründung dieſes Spitals noth-
wendig machte , auch die Reſtauration bewirkte. Als nämlich General
Bonaparte aus Aegypten kehrte und die franzöſiſchen Truppen zurücge-
ogen wurden , da hatten viele Krieger wieder daſſelbe herbe Geſchi> , Und.
6 wurde die Anſtalt wieder eröffnet und beſteht bis auf den heutigen Tag,
wenn auch nicht beſonders für Krieger, ſondern im Allgemeinen für Blinde,
welche der Noth und dem Elende preis8gegeben wären. Sie hat noch 86.
Freipläße. Nach den deutſchen Befreiungskriegen mußte in Vreußen für:
die vielen Znvaliden geſorgt werden. Da fand ſich eine große Anzahl Blin-
der vox. CS wurde eine Sammlung veranſtaltet, deren Ertrag ſich auf
270,000 Thaler belief und fünf Werkhäuſer errichtet, in denen Unterricht
in der Handarbeit ertheilt wurde, nämlich in Königsberg, Marienwerder,
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Dreslau , Berlin und Münſter. Von dieſen Anſtalten beſtehen Königs8berg
und Dreslau no<. Gegenwärtig ſind in allen großen Städten: Paris,
Wien , Prag , Dresden , St. Petersburg, Kopenhagen, Glas8gow , Dublin,
Neapel und ſelbſt in manchen kleinen , wie Gmünd in Württemberg und
Freiburg im Breisgau , ſolche Anſtalten mit den Unterricht8anſtalten für
Blinde verbunden. So löblich ſolche Verſorgungsanſtalten ſind , ſo ivenig
genügen jie ihrem Zwecde und dem Bedürfniſſe. Es liegt nämlich ſehr viel
daran, daß alle Blinde, welche irgendwie ihr Brod verdienen können , dem
Leben zurücgegeben werden, und daß die ſociale Stellung derſelben der
ihrer jehenden Mitmenſchen gleich gemacht wird. Dies geſchieht namentlich
Dadurch, daß man e8 ihnen möglich macht, ein eigenes Hausweſen zu grün-
den. Die Befürchtung, daß blinde Gatten auch blinde Kinder erzeugen, iſi
vollſtändig grundlos. - Schon von Saunderſon wiſſen wir , daß er ver-
heirathet war. Als ihm eine Tochter geboren wurde, glaubte man ihm eine
Freude zu machen dur< die Nachricht, daß das Kind geſunde, helle Augen
habe ; er aber jagte darauf: wenn fie nur über dem leiblichen Auge das
geiſtige nicht verliert. Unter den Zöglingen Haüy's in Paris waren etwe
20 verheirathet , wovon 12 Hausväter und Erzieher ihrer ſehenden Kinde!
waren. Unter ven Schülern Zeune's8 waren ein Muſiker und eine Har
jeniſtin, welche große Kunſtreiſen miteinander machten, einander heirathetei

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