979 Blinvenanſtalten. = Blödigfeit,
Beſchäftigung aneignet, wird enthauptet (9). In Weking iſt ebenfalls eine
Anſtalt für 2000 Blinden. Bedenken wir mm, daß in ganz Deutſchland
nur 29 Anſtalten ſind und nur 837 Blinde gehörig verjorgt, während 4060
Unterrichtsbedürftige ſich ſelbſt überlaſſen ſind, ſo liegt darin gewiß eine
Aufſorderung, für einen Zwel> der reinſten Humanität in umfaſſendere?
Weije zu wirken.
Blödigkeit. Dieſe ſchon bei kleinen Kindern hervortretende Gemüths-
art ſteigert ſich biSweilen zur Menſchenſchen und hat ihren Grund entweder
in der Abgejchloſjenheit der Kinder von den Kindern oder in einer ge-
wiſſen Schüchternheit, die gleichſam angeboren zu ſein ſcheint, oder in Dey
erſten fehlerhajten Erziehung, vurc< welche das zarte Herz des Kindes Über
Gebühr ängſtlich gemacht wird. Niemeyer urtheilt über dieſen Gemüths:
zuſtand folgendermaßen: „Die Blödigkeit und Menſchenſcheu iſt zum Theil
yeriodij<. Faſt jedes Kind hat eine Anwandlung davon. Sie iſt auch
ebenjo wenig ein ſicheres Zeichen eines ſchwachen Verſtandes als eines böſen
Gewijjens. Gerade die j unverj legener. Das ſicherſte Mittel iſt, Kinder zwar oft unter Menſchen zu bringen,
ſich aber in der Geſelljchaft nicht zu viel mit ihnen zu thun zu machen ; ſie
nähern ſich dann von jelbſt , und lernen ven Menſchen und ſich ſelbſt ver-
trauen. Cine gewiſje Beobachtung des Schidlichen kann übrigens von früh
an Gejeß für ſie jein. Dieſe kann erzwungen werden.“ Es gibt auch eine
jheinbare Blödigkeit , welche daher rührt , daß kindliche Aeußerungen und
Fragen entweder unterdrüiät, oder daß ſie dumm geheißen und in barſchem,
ärgerlichem Tone abgewiejen werden. 'Aus dem letztern Grunde trifſt man
auch bei Schulkindern dieſe Art von- Blödigkeit. "Lehrer und Erzieher foll:
ten daher den Fehler jorgjſältig vermeiden, vaß ſie langjame, oder halbe,
vder ungeſcdte und unrichtige Antworten hart anlaſſen oder gar mit Spott
begießen, weil dadurc< vas Kind ſcheu und blöde gemacht wird. Oft ver-
wechſelt man die Blödigkeit mit der Schüchternheit, Furhtſamtkeit
und Beiheidenheit. Cs muß daher genau unterjucht werden, in
welcher dieſer Stimmungen das Kind fich befindet; furcdtſam iſt es
wenn es jehr leicht, gleichviel ob aus wirklichen oder eingebildeten Gründen,
in den Zuſtand der Aengſtlichkeit, Herabſtimmung und Sorglichkeit verfällt ?
j&üch tern iſt es, wenn es ſich nicht getraut, ſich dem Gegenſtande ſeiner
FUur ihm nahe iſt; beſcheiden iſt es, wenn es von ſeinem Werthe , in8beſon-
dere von jeinen Kenntnijjen keine hohe, ſondern nur eine ganz mäßige Vor-
ſtellung beſitzt ; blöde aber iſt es, wenn ihm die Schwäche de8 Verſtandes
nicht geſtattet, ſich ſelbſt und Andere richtig zu beuritheilen und die Dinge
überhaupt in ihrem wahren Lichte zu betrachten, daher auch kein Selbſt:
vertrauen beſißt, frei zu handeln, im dunkeln Gefühle ſeines Unvermögens
wähnt, mihts recht machen zu können und in Folge davon bei allen ſeinen
Handlungen von der Sorge erfüllt iſt, verachtet zu werden. Gegenüber dem
Blöden muß der Erzieher darauf dringen, ihm das nöihige Selbſtvertrauen
in feine Kräfte einzuflößen und ihn dreiſt zu machen, indem er ihm beibringt,
daß er jich erſt im Zuſtande des Lernens und der Uebung befinde , und |
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fich daher vieles fagen und verbeſſern laſſen müſſe. Auch gehe er ſchonend
zu Werke, wenn er eine mangelhafte Antwort deutlicher, richtiger oder voll-
ſtändiger zu machen hat. Neulinge, welche von Hauſe aus einen knechti-
ichen Sinn mit in die Schule bringen, die an harte , vielleicht rohe und
Fur jtand der Kindlichkeit zurücgeführt, gejprächig und zutraulich gemacht, wenn

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