286 ' Böſe, das, -- Bogheit.
jucht hat in ihm die Dberhand erlangt und er hat die Ordnung verkehrt,
welche in Gotte3 Reich herrſchen ſollte. Auch in ſeinem Falle erſcheint jo-
nach das Böje als Abfall oder Abkehr von Gott und als Hingabe an das
Selbſt und die Creatur , beides mit Bewußtſein und Freiheit vollzogen.
Das Böſe iſt alſo etwas Gottwidriges, ein Abfall des Menſchen von ſeinem
Urgrunde und von dem Ziele ſeine8 Lebens und die Folge dieſes Abfalles
war dann das Verlaſſenſein von Gott. In diejem Abfalle und Verlaſſen-
jein lag dann jI vorher jo kräftigen und herrlichen Anlagen des Menſchen; denn ſobald der
Menſ< Gott nicht mehr als das Abſolute anerkannte und gelten ließ, ſo
mußte er ſim Idole ſchaffen und in die Sklavenketten der Lüge und Sinn-
lichfeit fallen, oder vielmehr beide , Lüge und Sinnlichkeit, zur Herrſchaft
zu bringen ſuchen. Weil jedoch dieſer Verſuch beſtändig eitel bleibt und
nicht gelingt , das Böſe nur ſich ſelbſt verzehrt, und indem es zu werden
jucht, immer nichtiger, ärmer und leerer ſich herausſtellt, ſo muß es wider
Willen zur Verherrlichung des Abſoluten dienen. -- Der Lehrer wird
die Schüler mit dieſen Wahrheiten umfaſſend bekannt machen;
nachdem er ſie in ihrem bibliſch-hiſtoriſchen Gewande vorgetragen , wird ex
aus diejem Material die Lehrſäße abziehen, wel dem Wejen der Sünde einen klaren Begriff geben. Außerdem ergreiſe er
die vielen ſim darbietenden Anläſſe, um aus den Folgen des Böſen deſſen
Unwahrheit, deſſen Nichtſeinſollen , deſſen Verderben nachzuweiſen. Ex exr-
forſche auch, in wie weit daſſelbe ſeine Herrſchaft über das Herz der Kinder
bereits ausSgedehnt habe oder auszudehnen im Begriffe ſiehe, um mit allen
Erziehungs- und Unterricht8smitteln dagegen einſchreiten zu können. Er ſuche
dem entdecien Böſen zuerſt auf den Grund zu kommen, da je nach Be-
jhaffenheit des lehtern auch ſeine Anſicht darüber und das Heilverfahren
jich richten muß. Ob Noth oder Unwiſſenheit, Vorurtheil oder Angſt, ver-
lebtes Ehrgefühl oder eine fixe Idee 2c. der Grund deſſen iſt, was der Lehrer
an dem Kinde al8 bö3 beurtheilt, macht einen großen Unterſchied au3.
Kennt man dieſen Grund nicht, ſo kommt man leicht in Gefahr, vem Kinde
Unrecht zu thun, es verkehrt zu behandeln oder es für ſchlimmer zu halten,
als es wirklich iſt.
Rodheit iſt das Böſe in ſeiner höchſten Steigerung, als Luſt und Freude
am Böſen, beſonder8 am Schmerz und Schaden Anderer. Diejer Grad des
Böjſeſeins iſt etwas wahrhaft Diaboliſches, da es dem Satan eigen iſt, Luſt
am Verderben Anderer zu haben, und ſich an deren Untergang zu weiden.
Die Bosheit iſt daher nicht bloß etwas Unſittliches, ſondern etwas Wider-
natürliches, Sataniſ nicht immer boshaft ; jener iſt ſchädlicher und ſittlich verdorbener als dieſer.
Der Byshafte ſtiſtet das Böſe niht aus Noth oder dringender Urſfache,
jondern weil es ihm Vergnügen macht ; die Schadenfreude treibt ihn an, Unheil
anzurichten. Es freut ihn, Andere zur Sünde zu verführen oder verführt
zu jehen; Neid, Tücde , Grauſamkeit ſind die Formen , in welchen ſich jein
böſes Weſen offenbart. Auch bei Kindern findet ſie ſich in geringerm oder
größerm Maße, und ihre Behandlung fordert die größte Klugheit. Es gibt
Kinder , denen es gleichſam in der Seele wohlthut, wenn ihre Gej oder Mitſchüler geſtraft werden, oder wenn ſie die Geräthſchaften , Kleider
Öpder Bücher ihrer Mitſchüler zerreißen over ververben können ; fie reiben ſich
vergnügt die Hände, wenn ſie den Lehrer geärgert oder ein anderes Kind
verleumdet haben. Der Erzieher gebe auf ſolche Erſcheinungen wohl Acht.
Er j gering an. Oft necul ein Kind ſeine Gejpielen und jcheint fich an deren

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