Bremen. 991
eine reihe Anzahl NRettungsanſtalten und Waiſenhäuſer. Dar-
unter iſt beſonders das große Waijenhaus Beat. Mar. Virg. in Braun-
ſchweig zu erwähnen. Geſtiftet im Jahre 1245 war es urſprünglich ein
Spital. Von 1676--78 wurde daſſelbe mit neuen Gebäuden verſehen und
zu einem Arxmen-, Waäaijen-, Zuc eine Schule damit verbunden. Gegenwärtig dient es- bloß no< als Wai-
jſenhaus und beherbergt 200 arme Kinder. Auch mit den Scullehrerſemi-
narieit jind Waiſenanſtalten verbunden.
Bremen. Die einzige Quelle über das gegenwärtige Volksſchulweſen in Bre-
men iſt der pädagogiſche JahresSbericht von Lüben, Director am Sc jeminar dajelbſt. Den einzelnen Jahrgängen deſſelben entnehmen wir Folgen-
des: (Es gibt viererlei Volksſhulen: Kirc<ſpiel8ſhulen, Freiſchulen, conceſſio-
nirte Volksſchulen und Elementarſc Stände. 1) Der Kir<ſpielſ erweiterte Volksſchulen betrachtet werden. Sie ſtehen unter einem Vorſtand,
den jogenannten Bauherrn, beſtehend aus dem Prediger des Kirchſpiels
und einigen Gemeindemitglieder. Seit 1853 ſind fünf Kirchſpiel8s' zuſammengetreten, um ſich zu einem gemeinſamen Schulvorſtande zu ver-
einigen. Jn Bremerhaven ijt ſeit dem 1. Januar 1862 die Trennung der
Kirche von der Schule durchgeführt, und hat jede Sc Inſpector. Jede Schule hat vier Klaſſen; in der oberſten Klaſſe ſind Kna-
ben und Mädchen getrennt. Die Kirchſpielsſchule zu U. L. Frauen hat hin-
reichend Einkünfte, um ihre Aus8gaben zu decken; die übrigen Schulen er-
halten Unterſtüzung aus der Staatskaſſe, welche ſich jährlich auf 10,000
Thaler belaufen. Die Schülerzahl an den Kirchſpielsſ lihem Zunehmen begriffen ; 1848 hatten dieſelben nur 1777, 1857 2680,
1858 dagegen 2939 Schüler. 2) Freiſhulen gibt es neun. Dieſelben
ſind Staatsanſtalten mit drei bis vier Klaſſen. Die Kinder erhalten außer
freiem Unterricht auch noch die Bücher und Sc trug die Anzahl der Freiſchüler 2063 und wies eine Zunahme von 40*/,
auf. 3) Die conceſſionirten Volksſchulen ſind meiſten38 in den Händen
von Damen (19). Es gibt deren 24; denjenigen , -wel Thaler Schulgeld nehmen, zahlt der Staat die Hälfte Miethzin8. Die Zahl
diejer Schulen hat abgenommen. Doh betrug die Schülerzahl 1858 noh
9390, wovon jedoch weit über die Hälfte, nämlich 1377, die fünf Schulen
ver conceſſionirten Lehrer beſuchten. 4) Die Elementarſ Knaben und Mädchen höherer Stände ſind Privatanſtalten. E3 gab 1858
deren 15 mit 647 Schülern. Im Ganzen beſuchen etwas zu 7000 Kinder
ſämmtliche Volks8ſchulen. Die Zahl der bremiſchen Landſchulen beläuft ſich
. auf 26; davon ſind 12 einclaſſig, 8 zweiklaſſig und 6 dreiklaſſig. (Es ſind
zu wenig Schulen für die Kinder und in manchen Schulen zu wenig
Raum. In Einer der dreiklaſſigen Schulen 3. B. hat die Oberklaſſe
206 Schüler, während nur für 104 Raum vorhanden iſt. Um einiger-
maßen Raum für die regelmäßigen Schulbejucher zu haben, hat man
ſim veranlaßt geſehen, das Geſeß über die Schulverſäumniſſe einſtweilen
außer Kraft zu jeßen (1859). Der Schulbejuch ijt in den fünf Winter-
monaten November his März in den Landſchulen ziemlich gut, d. h. es
fehlen dur<ſchnittlih 15--18 Prozent; im Sommer dagegen unerhört
ſhle mermonaten jogar an einem Orte nahezu 80 VProzent. In einem Dorfe
iſt es 1858 vorgefommen, daß ſich an einem Tage von 75 Kindern nur 3,
an einiem andern Tage nur Eins einfand. Sehr allgemein iſt es gebräuchlich, daß
die Kinder vom zwölften Jahre ab während der 7 ſogenannten Sommermonate
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