Cantor, | 299
ſhon wie ein Heiliger verehrt, wurde er am 21. November 1843 ſelig ge-
ſprochen. Sein ganzes Leben widmete ex der Befeſtigung des katholiſchen
Glaubens und Lebens und zwar mit einem Erfolg, den ſelbſt die Prote-
ganten anerkennen müſſen. Seine neueſte und wohlgelungene Lebensbe-
Ihreibung enthält die Sammlung: Leben ausgezeichneter Katholiken von
Albert Werfer. Schaffhauſen, Hurter. Dur< ſeine academiſ und ſeine Schriften war Caniſius der ausgezeichnete Lehrer der Hirten,
dur< Jeinen größeren und kleineren KatechiSmus aber ijt er der geiſtige
Nährer des ganzen Dieſer KatechiSmus war für die Katholiken, was Luthers Katechi8mus für
die Proteſtanten. Er wurde in alle Sprachen überſeßt und 400 Mal deutſch,
zuleßt noch in Landshut 1833 und Mainz 1840 aufgelegt. An ſeine Einthei-
[lung der katholijchen Lehre in fünf Hauptſtücke lehnen fic< jeßt noh eine
große Zahl neuerer KatechiSmen an, die den alten nicht zu erreichen ver-
mochten. ß
Cantor, aus dem lat. cantare abſtammend, bedeutet Sänger, Vor-
jänger, dem die Pflicht obliegt, mit dem Chorperſonal die kir ſjänge einzuſ dieje Stelle an Domkirc len zugleich Unterricht zu ertheilen hatte und deſſen Stelle Cantoria und
deſjen Stellvertreter Succentor hieß.
In Klöſtern war dieſer Dienſt ohnehin in Händen eines OrdenSsgeiſt-
lichen, der dazu befähigt war und ebenfalls die Verpflichtung hatte, die
Geſangskräfte für den Dienſt der Kirc Man ſieht lei niſje, das ſich ſelbſt bis in die altteſtamentlichen Zeiten verfolgen läßt, in
welcher Beziehung der Cantor und ſeine Stelle zur Kirche ſteht.
Lettere hat ſic< ihrer Rechte auf dieſe und ähnliche Stellen niemals
entäußert, wenn auch die. Umſtände anders geworden ſind, vielmehr die
Bejezungen entweder unmittelbar aus8geübt oder doh beſtätigt ; gewiß um
mitunter dadur< jede Einmiſchung der weltlichen Muſik ferne zu halten
und dem bewahren.
In den Klöſtern, dem Sc in den Domtkirchen finden wir daher auch eine beſondere Wflege des Kix-
hengejanges. Wir erinnern nur an das Kloſter St. Gallen, von wo aus
der Gregorianiche Gejang vorzugsweiſe in Süddeutſchland ſeine Verbrei-
tung fand.
Allein wie die neuere Zeit an die Stelle des alten Cantors aus nahe-
liegenden Gründen neue Perſönlichkeiten zu ſeßen genöthigt war, d. h. die
Stellen allmälig bei Vermehrung der Parochien mit Laien ſtatt mit Geiſt-
limen beſeßen mußte, jo hat ſie auch nicht unterlaſſen, mit ihren Begriffen
und Anſchauungen zu wechſeln.
Sie hat nicht nur das oben angedeutete Recht der Kirche in Abſicht
auf Beſezung gedachter Stellen größtentheils ignorirt, ſondern auch in Be-
zug auf Kir einer ſentimentalen Verflachung hinüberſchweiſte. Dies konnte wohl nicht
anders erwartet werden, da die Kirc nicht mehr wie ſonſt geltend zu machen vermochte.
, Obwohl ſie ſich über die Augartungen der Kir gegen proteſtirte, ja ſelbſt Verbote ergehen ließ, ſo hat ſich doch die Strö-
mung einex modernen muſikaliſchen Zeitrichtung , unterſtüßt durc< die be-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.