| Chorſprechen. --- Chreſtomathie. 391
; gedreſ ſprechen wird beim gemeinſ finn mehr empfohlen werden, als vas abwechſelnde Recitiren der gebräuch-
lichſten Gebetsformularien, weil dabei zugleich auf eine vollſtändige, richtige
4 Ausſprache , langſames Sprechen , würdigen Ton und gehörige Pauſen ge-
- druncgen werden kann. E38 ſollte nämlich als Grundjaß gelten, daß die
Jungen nicht beten, wie die Alten in der Kirche beten, ſondern daß die Alten in
| ver Kirche beten, wie die Kinder e3 in der Schule gelehrt werden. --- Auch die
; Zeit, wann Chorübungen vorgenommen werden, iſt nicht gleichgiltig ; ein ver-
; nünftiger Gebrauch kann dem Lehrer ſeine Mühe erleichtern. Wenn der Lehrer
ſich bald müde fühlt, jo kann er während des Chorſprechens fich einigermaßen
: erholen. Auch ſind diejelben vorzüglich anzuwenden, wenn die Schulzeit bald
ednet und die Auſmerkjamſeit der Kinder ermatten will, oder wenn an beißen
- Tagen beſonders den Nachmittagsſtunden die Kinder zum Schlafen geneigt ſind.
Begreiſlich aber joll die Trägheit ſich nicht hinter die Chorübungen verſtecken.
Chreſtomathien find Sammlungen auserwählter Leſeſtücke profaiſchen In-
: halts im Gegenſaße zu den Anthologien, welche ähnliche Sammlungen
- poetiſcher Muſterſtüde ſind. Für die Volksſchule entſteht die Frage: kann
- eine auch noh jo ſorgfältig ausgearbeitete Chreſtomathie die Stelle eines
QLeſebuches vertreten? Dieſe Frage müſſen wir entſchieden mit Nein! beant-
- worten und gerade darin die Mangelhaftigkeit von bei weitem der größten
Anzahl Lejebücher erkennen, daß ſie nicht aus einem Guß hervorgegangen,
ſondern nur Zuſammenſtellungen auserwählter Schriſtſtücke von verſchiedenen
Verfaſſern ſind. Innere Einheit, Abrundung, Vollſtändigkeit des Stoffes
können derlei Leſebücher um ſo weniger bieten, als in der Regel nur aus
wanzig vorhandenen ein einundzwanzigſtes gemacht wird. Aber bei einem
tolchen mechaniſchen Aggregiren kann auch auf das keine Rückſicht genom-
men werden, was bei einem Leſebuche der zweite Hauptpunkt iſt, auf die
ſprachliche Darſtellung. Betrachten wir die alten Kinderfreunde,
welche die Vorläufer unſerer Leſebücher ſind , namentlich die von Weiße,
Rochow , Wilmſen 2c., ſo bildete jeder ein reales Ganzes , genau auf die
Faſjungskraft des Kindes berechnet. Solche nach den heutigen Bedürfniſſen
zu ſchaffen, wäre die eines Shulmannes würdige Aufgabe. Aber die meiſten
unſerer Leſebücher ſind Sammelſurien, welche zwar das phonetiſche Leſen zu
befördern tauglich ſind, aher weder für die Sprachlehre einen Anhaltspunkt,
no< als Grundlage zur ſyſtematiſchen Erweiterung der Erkenntniß in den
Realien gebraucht werden können. Dagegen ſoll nicht in Abrede geſtellt
werden, daß in einem ſelbſtſtändig ausgearbeiteten Leſebuche nicht auch ein-
zelne Stüde eingereiht werden können, und noc< weniger, daß nicht in der
obern Klaſſe neben dem Leſebuche eine Chreſtomathie gebraucht werden kann.
In Forthildungsſ erſeßen. =- Sehen wir ab von den Chreſtomathien für Kinder , an denen
es nicht mangelt, und fragen wir, wie es mit ſolchen für die Hand und
die Fortbildung unſerer Volksſchullehrer ſtehe, jo läßt ſich nicht von einem
gleichen Vorrathe ſprechen. Einzelne, z. B. das pädagogil fäſtlein von Wohlfarth (welches überdies nur eine Sammlung der
in deſſelben Verfaſſers größerem Werke: Geſchichte des geſammten
Erziehungs- und Schulweſens verwendeten Stellen iſt) haben ent-
ſchieden keinen praktiſchen Werth. Es wäre deßhalb zu wünſchen, daß den
Lehrern eine Chreſtomathie in die Hand gegeben würde, welche planmäßig
geordnet das Schönſte enthielte, was die Pädagogik aller Zeiten hervor-
gebracht hat. Dieſen Gedanken ſuchte auch das gegenwärtige Werk zu rea-
iſiren, in joweit es deſſen Form und Selbſtſtändigkeit zuließ.
Gnevyclopädie des Unterrichts - und Erziehungsweſen, 9]

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