324 . Chriſtenthum, --- Cicero,
Geiſtes und die Verwirrung ſeiner Begriſſe in dem Maße wächſt, als er ſich
von der anſtrebt. Soll nun der Menſch durch Erziehung und Unterricht gebilde;
werden, jp muß er ſich an das Chriſtenthum wenden , welches vermöge
jeines Urſprunges, wie ſeiner Fülle und Kraft, die Superiorität über alle
Yehren und Bildungsmittel menſchlicher Erfindung behauptet. Indem es
den Geiſt von dem Stolze erlöſt und an eine überſinnliche Lehre verweiſt,
hat es ihn zugleich zur nie raſtenden Thätigkeit der Vermunft gereizt und
angetrieben , und indem es der Intelligenz die reichhaltigen, ja unerſchöpf.
lichen Lehrjäße von der Ebenbildlichkeit des Menſchen mit Gott von dem
ununterbrochenen Wachsthum in der göttlihen Erkenntniß und von der
Verherrlichung des unendlichen Weſens durch dieſe Erkenutniß darbietet, hat
es zugleich ein Syſtem der Erziehung entfaltet, auf das die Verunnft aus
jich jelbſt nie gekommen wäre, nnd vas man nur praktiſch zu machen braucht,
um jeinen eminenten Werth , ja ſeine Unentbehrlichfeit zu vem Werke einer
vollfommenen Erziehung zu erkennen. Weil das Chriſtenthum eine
erlöſende Lehre beſißt, varum beſißt es auc die abſolut er.
ziehende Lehre. Ganz ſv verhält es jim mit ſeinen übrigen Kräften
und Inſtitutionen, welche ſich als ſolche erprobt haben, die den Men-
ichen in ſeinen Gefühlen und Begehrungen wahrhaft groß zu machen
vermögen. Dieſe Kräfte und Inſtitutionen haben durch die ihnen ei-
gene Erlöſung8gnade die doppelte Fähigkeit: einzudringen auf den Grund
der menſchlichen Anlagen und dann heilend, neugeſtaltend und nährend
auf diejelben einzuwirken. Sie reichen hin, wo keine andere Mach hin-
reiht; fie heben die Gefühle des Menſchen auf eine Höhe , daß dieſer
in einen Engel verwandelt zu ſein ſcheint; ſie bringen den freien
Willen deſſelben auf eine ſolche hohe Stufe, daß in ihm der abſoluteſte und
freieſte Wille, der Wille Gottes, wiederſtrahlt, und der Menſc< von ſich ſelbſt
mit Panlus jagen kann: „Nicht mehr ich lebe, ſondern Chriſtus
lebt in mir.“ Darin aber beſteht das höchſte Ziel der Erziehung, das
man ſich denken und wünſchen kann, und dahin bringt man es nur mit
dem Chriſtenthume. Könnte es dahin kommen , daß man allgemein den
Verjuch machte, ohne das Chriſtenthum zu erziehen, ſv müßte es auc ſehr
bald zu dem Rufe kommen: „Thauet Himmel den Gerechten!“ In:
dem das Chriſtenthum auf Heiligkeit und Gerechtigkeit dringt, und ſie durc<
jeine übernatürliche Guadenhilie vermitteln kann, macht es den Menſchen
wahrhaft gut, während alle andern Erziehungskünſte nur äußerlich bilden
und im höchſten Falle eine Legalität erzielen, die keinen größern Werth hat,
als den Schein. Zwar können Gewohnheit und Rehung den Firniß der
geſellichaftlichen Tugenden geben; aber hat es nicht einen ganz andern Werth,
wenn man Zemand aus innerer Theilnahme fragt : wie geht es dir? als
wenn dieje Frage nur der Schall einer ceremoniellen Redensart iſt? --- S,
Das Wejen ver katholiſſicht auf ihre
Gegner dargeſtellt von Fr. A. Staudenmaier. 8. 15,
Chriſtliche Erziehung, ſ. Erziehung, Chriſtlich-religiöſer Geiſt, |. Geiſt 2c.
Cicero, Marcus Tullius, wurde 107 v. Chr. zu Arpinum, einer Stadt
der Volsker, aus einer begüterten Ritterfamilie geboren und frühzeitig nach
Rom geſandt, wo er von griechiſchen Lehrern und vem Dichter Ar gebildet wurde. Schon als Knabe gefiel er ſim in dichteriſchen Verſuchen,
von denen jedoch keiner auf uns gekominen iſt. Als Jüngling widmete er
jich der Beredſamkeit, in welcher er ſich ſo auszeichnete, daß ein Grieche,

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