Dankbaxkeit, = Darſtellungsvermögen, 359
man ihnen ſelbſt für jeden Dienſt, den ſie frei und ungeheißen leiſten, dank-
ſagt, und daß jie mit dem Geiſt des Dankes, wie ihn die Kirche übt und
lehrt, vertraut werden, was bei der Einübung verſchiedener Gebete ge-
ichehen kann. Sobald das Kind bemerkt, daß die Dankbarkeit zu ſeiner
Bildung und zum Chriſtenthume nothwendig gehört, und daß die Anlage
dazu im ſeiner Seele liegt, wird es eine Ehre darein ſeßen , ſie zu üben.
Das jo geleitete Kind wird zwar wegen der ſeinem Alter eigenen Vergeß-
lichkeit und Zerſtreutheit öfter an die Dankſagung erinnert werden müſſen,
aber dieje Erinnerung wird nur leiſe fein dürfen , um ihm ſogleich feine
Pflicht zu vergegenwärtigen, deren Erfüllung ihm nicht als eine Laſt, ſon-
vern als ein inniges Bedürfniß ves Herzens erſcheint. Indem man aber
"die Kinder gewöhnt, ihren Dank in Worten auszudrüken, hüte man ſich,
daraus eine leere Höſlichkeit8bezeigung zu machen. Ebenſo hüte man ſich,
von Kindern für das Dank zu fordern, was ihnen nicht wirklich als eine
Wohlthat erſcheint, aljo nicht für Strafen und Züchtigungen. Damit iſt
aber nicht gejagt, daß die Kinder in dieſen Erziehungsmitteln nicht auch die
elterliche Liebe und Wachſamkeit erkennen lernen ſollen. =
Darſtellnugövermögen. Wir verſtehen darunter nicht ein eigenes Ur-
j vermögen der Seele, kraft deſſen Jemand ſeine Jdeen in einer guten Form
darzuſtellen vermöchte, ſondern die durch Unterricht und Uebung erworbene
Fähigkeit, Andere von jeinen Anſichten über das, was wahr und gut iſt,
zu Überzeugen und dafür zu gewinnen, und man wird dieſe Fähigkeit wohl
richtiger die Darſtellung8gabe heißen. Erb ſagt: „Die Erfahrung beweiſt,
wie wenig die Mehrzahl der jüngern Bolksſchnllehrer , ſowie die aus den
Bildungsanſtalten in das Berufsleben verſekßten Lehrgehilfen es verſtehen,
ihre Gedanken und Ideen, auch bei der größten Anſtrengung, mündlich oder
ſchriftlich richtig darzuſtellen. Nicht nur ſind ſie außer Stande , logiſch zu
denken und nach den Gejehen der Denklehre die Perioden aneinander zu
„reihen, jondern ſie ſtoßen jchon im Ban derſelben auf unüberwindliche ſprach-
liche Schwierigkeiten.“ (Aufſichtsamt. 8. 170.) Scheint uns auch dieje Aeuße-
rung zu ſchroff und ausnahmslos , ſv bleibt es immerhin wahr , daß der
Lehrer jelbſt im Stande ſein muß, jeine Gedanken geordnet und überzeugend
darzuſtellen, wenn er hierin den Kindern Anleitung geben und Vorbild ſein
ſoll, Wir jeßen hier voraus, daß er dieſes Geſchi> beſiße, und fragen ſo-
jort: wie mag er die Anlage ſeiner Kinder zur Darſtellung ihrer Gedanken
ausbilden ? Die Hauptſache wird ſein, daß er ihnen einen gründlichen Sprach-
unterricht ertheilt, der auf einen klaren und lehrreichen Anſchammgsunter-
richt gebaut iſt, denn wer die feinen äußern oder innern Sinnen nahe ge-
brachten Gegenſtände deutlich unv richtig auffaſſen gelernt hat , wer im
Sprechen geübt iſt und dabei die verſchiedenen Formen und Wendungen ver
Sprache kennt, wird mit der Darſtellung ſeiner Gedanken nicht, in Verlegen-
heit kommen. Daß damit die Bildung des Verſtandes, der Urtheilskraſt
und Phantaſie Hand in Hand gehen müſſen, verſteht fich von ſelbſt. Hin-
ſichtlich diejer Bildung jagt Milde treffend: „Aus der Vernachläßigung
dieſer Vorbildung kommt es, daß viele Jünglinge, nachdem ſie durch mehrere
Jahre mit einer Menge Regeln des Styl8, der NRede- und Dichtkunſt be-
tannt gemacht, und mit den größten Meiſiern beſchäftiget worden ſind, den
einfachſten Auſſaß nicht verfertigen können, und daß ſie in der Menge leerer --
Wörter , unpaſſende Figuren umd hochtrabender Redensarten die Schönheit.
md Kraft ihrer Reden ſuchen. Der Erzieher ſorge vor Allem für die Gil--“*
ur: der Denkfräſte , und er wird an ſeinen Zöglingen den Saß. beſtätiget.
inden: Einer wohlüberdachten Sache folgen die Worte von ſelbſt.“- (Lehr -
n< der allgemeinen Erziehungskunde, 1. 8, 190 ff.) Allein auch damit

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