Denkformeln, -=- Denkfraft. : 369
Die Kinder ſuchen nun zu dieſen einzelnen Saßgegenſtänden die Ausſage
und ſchreiben auf ihre Tafel : un |
Der Baum iſt ein Gewächs.
Die Roje iſt eine Blume.
Der Hund iſt ein Thier.
Die Taube iſt ein Vogel.
Der Tijch iſt ein Geräthe.
-Auf dieje Weiſe können einfache und zuſammengeſeßte Säße durch Aus-
(afjung einzelner Theile zu Denkformeln verwendet und alle Arten von Be-
ſtimmungen geſucht werden; vom einfachen Saße kann zum zuſammenge:
jebten fortgeſchritten, und nicht nur Art und Gattung, ſondern auch der
Zwe, das Mittel, die Urſache, die Folge, die Wirkung 2c. erkannt werden.
Für weiter Vorgeſchrittene und zur Wiederholung für aus der Schule Ent-
lajjene hat H. Nienhaus in: des Handwerkers Briefwechſel und Buch-
haltung (Crefelv, 1862. 10 Sgr.) gezeigt, wie vermittelſt Ergänzung man-
zelhafter Säße auch der Stil geübt werden kann.
Deufkraft. Das Denkvermögen ſchließt den Verſtand und die Vernunft
in ſicd. Das Denken iſt die Wirkung dieſes Vermögens. JInſoferne das
Product ves Denkens Begriffe ſind, wird der Verſtand, --- inſoferne es aber
Jdeen jind, die Vernunft als Denktraft oder Denkvermögen bezeichnet. Unter
Dentken verſtand ſchon Kant die Handlung des Verſtandes, wodurc dieſer
Einheit des Bewußtſeins in die Verknüpfung des Mannichfaltigen bringt,
z. B. wenn ich zwei Begriffe in einem Urtheile, oder mehrere Anſchauungen
m einem Begriffe, oder mehrere Begriffe in einem höhern Begriffe, oder
mehrere Urtheile in einem höhern Urtheile verbinde. Loſſius ſagt über das
Denken: „Wenn in unſerm Bewußtſein die Merkmale einer Sache vorgeſtellt,
und in einer Vorſtellung mit einander verbunden werden, [ſo ſagt man, daß
man die Sache denke. Die Merkmale der Sache iſt das Mannichfaltige der-
jelben oder die Materie; die Einheit, wozu ſie mit einander verbunden
werden, die Form.“ Gemeinhin hat man unter Denken auch die bloße
geiſtige Beſchäftigung mit etwas , die Einbildung oder Vorſtellung eines
Gegenſtandes , ſodann aud) das Strehen verſtanden , einen Gegenſtand der
äußern oder vorherrſchend der innern Erfahrung in ſeiner Weſenheit und
damit in ſeinem Verhältniſſe zu ſeinen! Ganzen, in leßter Inſtanz zum All
der Dinge und zu Gott zu erfaſſen; dieſe Art von Denken wird das phi-
[ojophijche oder ſpeculative Denken genaunt. Der Denkproceß ſeßt nach
Bach mann (Logik S. 37--66.) voraus: a) das denkende Subject, das
T<4; b) das Denkobject, der Stoff des Dentkens; c) eine Beziehung
zwiſchen beiden dadurch, daß es zum Bewußtſein kommt, und eine be-
timmte Art und Weije, wie es im Bewußtſein gegenwärtig iſt (die
Form des Denkens). Hiezu gehört auch die merkliche Dauer im Bewußt-
jein. Was ſv, wie es in's Bewußtſein tritt, wieder daraus verſchwindet,
fann nicht gedacht werden, weil es ſich der Auffaſſung entzieht. Für das
richtige Denken hat man Geſeße aufgeſtellt, welche man Denkgeſeße nennt,
deren es nach den neueſten Logikern drei ſind, nämlich das der Einerleiheit
und Verſchiedenheit (Identität), der Cinſtimmigkeit und des Widerſpruchs
(Contradiction) und der Begründung oder Grundloſigkeit (Cauſalität). Die
Darſtellung der Dentkgeſeße iſt Auſgabe der Denklehre (Logik). Ein re-
gellojſes Denken tritt dann ein, wenn man ſich unwillkürlich einem belie-
bigen Gedankenjpiele ohne Fixirung des Denkobjectes und ohne Beobachtung
„der Dentgejetze hingibt. Zſt ſich aber Jemand der Eindrücke, die auf ſein
Wahrnehmungs- und Gefühlsvermögen gemacht werden, entweder gar nicht,
Öpder nur einem dunkeln Gefühle nach bewußt, ſo gilt er als gedanken -
Encyclopädie des Unterrichts= und Erziehungsweſens, 594

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.