Dentkraſt, == Denkſprüche. 371
Rie Gedanke aus Gedante , Urtheil aus Urtheil, Schluß aus Schluß -her-
vorgeht, jo jollen fie auch beim Vortrages des Schülcr3 auf einander folgen,
jamit dieſer au ein georditetes folgerichtiges und klares Denken gewöhnt
verde, 8) Der Lehrer darf den Schülern nicht vordenken, wo es nicht noth-
vendig iſt, jedenſalls nicht zu ſchnell vordenken, weil ſie dadurc< denkfaul
zemaht werden. Er fomme ihnen, wie Münch ſagt, „nur ſo weit zu Hilfe,
il8 es nöthig iſt, jie ein richtiges Urtheil durch eigenes Nachdenken finden
zu laſſen. Wo ex aber vorzuuritheilen für nöthig erachtet, da ſuche er ſeine
Urtheile jo einzurichten, daß ihr Nachdenken dabei immer noc< in Anſpruch
genommen wird.“ Anſtatt zu jagen: „Die Bäume blühen,“ könnte er für
jein Urtheil den Ausdru> wählen: „Die Bäume haben ihr Frühlingskleid
angezogen,“ umd dann fragen: „Habt ihr mich verſtanden?“ Wenn auch
nicht Alle, ſo wird doch ſicherlich Eines vder das Andere den Sinn ent-
deden , und ihn in einem felbſtgebildeten Urtheile freudig ausſprechen.“
(Univerjal-Lexikon u. A. Denkfraft.) Es übt die jüngern Schüler überhaupt
int Denken, wein main fie au Umſchreihung der Ausdrüce, namentlich der
bildlichen gewöhnt. Beſonders verſänme der Katech cet den Gebranch dieſes
Mittels nicht. 9) Da, wo der Wecdung und Uebung der Denkfraſt dur
vernachläßigte Erziehung oder ſchwache Begabung Schwierigkeiten bereitet
werden, iſt es zweimal uothwendig, die Schüler mehrere Begriffe zu einem
Urtheile verbinden zu laſſen und damit ſv lange fortzufahren, bis ſie eine
ziemliche Fertigkeit darin erlangt haben; eben ſo mache man es mit den
Urtheilen. Von Seite des Lehrers gehört dazu nicht allein, daß er ſolche
Aufgaben überwache, fondern daß ex in der Vorlegung wie in der Löſung
derſelben ein großes Geſchi> beſike und ſie nac; den Vorkenntniſſen der
Schüler zu berechnen wiſſe. 10) Chenſv zwemmäßig iſt das Analyſiren der
Urtheile, um ein folgerichtiges Denken zu erzielen. JIſt 3. B. ver Saß ge-
leſen: „Die Pflanzen dienen Menſchen und Thieren zur Nahrung, zur La-
hung und Erfrij und äußerer Schäden, zur Wohnung, Kleidung und Erwärmung, zu einer
Menge von Geräthſchaften und zum Betriebe verſchiedener Gewerbe,“ 1v0
fann hier zuerſt die Folgereihe der Gedanken abgeſragt, dann zu Urtheilen
über das, was den Menj daſſelbe rüFfichtlich der Thiere, veranlaßt werden. Iſt ſo der ganze Inhalt
ves Saßes zerlegt und in viele verſchiedene Begriffe und Urtheile umgeſeßt,
dann iſt er auch gedacht und die Denkfraſt geübt. Man kann es hiebei den
Lehrern nicht genug empfehlen , daß ſie mit ihrem eigenen Wort öfonomi-
jiren, ſobald ſie merten, daß das Kind ven Denkact ſelbſt vollziehen kann.
11) Die Tenklraſt entwickelt ſich auch daran, daß man die Kinder eine
Reihe von Gedanken, welche Widerſprüche enthalten, richtig ſtellen, oder
ſolche, welche nicht in gehöriger Ordnung aufeinander folgen, in die gehörige
Reihe bringen, oder faliche Urtheile berichtigen und fehlerhafte Eintheilungen
ordnen läßt. 12) Da das echte Denken ſachgemäß ſein muß, jv wird vor-
au8geſeht, daß der Lehrer ſeine Schüler die Dinge richtig auſſaſſen lehre,
damit fie von denjelben nichts ausfſagen , was ihnen nicht zukommt und
nicht in ein. irrthümliches Denken gerathen. Das richtige Denken hängt
wejentlich von einer richtigen Auffaſſung, und dieſe von einer genauen Be-
obachtung der Dinge ab. Auf dieſem Wege wird das Kind diejenige Deunk-
thätigkeit erlangeit, für welche es fähig iſt und zu welcher es in der
Volfsſhule gebracht werden kann. S, Hergenröther, a. a. O. 8. 111 |.
Dentſprüche ſind ein gutes Mittel, den Kindern Wahrheiten einzuprä-
gen, deren Wichtigkeit ſie oft erſt in ihrem ſpätern Leben erkennen, wenn
ihnen gleichwohl das volle Verſtändniß in der Zeit, in der ſie dieſelben lernen
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