396 Dienſte, Dienſtfertigkeit, -= Diltiren,
tünſten bei yerumziehenden Geſellſchaften 2c. 5) Um jedoch gegen arm
Eltern, wel Härte zu üben, ſoll die öffentliche Fürſorge das Schulgeld, die Schulbücher
die Betleidung und theilweiſe Beköſtigung ver Kinder ſolcher Eltern über:
nehmen. 6) Damit indeß durch dieje letztere Beſtimmung die öſſentlichen
Kajjen nicht zu ſehr beanſprucht und die fraglichen Kinder vor Müßiggang
gejhüßt werden, joll man ſie in einer Arbeitsſ jie jich durch Beſchäftigungen, welche ihrem Alter angemeſſen ſind , etwas
verdienen können. Während auf ſolc Kinder nicht gänzlich unterſagt iſt, wird es doch größtentheils bejeitigt und
der für die geiſtige Entwidlung damit verbundene Nachtheil wo nicht ganz
aufgehoden, doch fehr vermindert.
Dienſte, Dienſtfertigkeit der Kinder gegen einander. Daß die Kinder
gewöhnt werden , gegen einander dienſtfertig zu ſein, liegt im Zwede der
Erziehung. Die Dienſtfertigkeit iſt eine Aeußerung der Liebe, zu der Alle
erzogen werden müſſen , welche ſich zu dem Spruche des Herrn bekennen:
„Wer im Himmelreiche der Größte ſein will, der ſei dex Diener Aller.“
Durch die erniedrigt, ſondern erhöht fühlen, erhöht zur Einheit mit dem Sohne Gottes,
welcher, obgleich ver Herr und das Haupt des Menſchengej ſich herabgelaſſen hat, allen Menſchen zu dienen. Für dieſe Einheit mit
Chrijto muß das Kind begeiſtert werden. Man kann ihm auch zeigen, wie
die Menſchen dur< Vebung der Dienſtfertigkeit ſich gegenſeitig ihre Bürde
erleichtern, und es joll einjehen lernen, wie es jelbſt jeden Augenbliä der
Dienſtfertigkeit Anderer bedarf. Eine ſolhe Anleitung zur Dienſtfertig:
keit iſt um jo nothwendiger , als die Kinder geneigt ſind, Alles für Schul-
digkeit anzuſehen, was ihnen von Seite Anderer, namentlich von Seite der
Dienſtboten geſchieht. Es iſt dies ein Irrthum, von dem ſie nicht bald
genug geheilt werden können, weil ex der Selbſtjucht als Nahrung dient.
Doc hat der Erzieher mit dieſer Anleitung feiner Pflicht noch nicht völlig
Genüge geleiſtet ; er muß das Kind zu wirklichen Dienſten (Dienſtleiſtungen)
veranlaſſen. Dieſes Veranlaſſen darf jedoch nie den Charakter des Zwanges
an ſich tragen; eine leiſe Hinweiſung ſoll ausreichen, um die Bereitwillig-
teit, Andern zu dienen, wachzurufen. Es gibt verwahrloſte Kinder, bei denen
man mit einer ſolchen Hinweijung nichts erreicht; ihnen muß die Zumuthung
zu Dienſtleiſtungen etwas nachdrüclicher geſtellt werden. Sie bedürſen auch
öfterer Uebung hierin als Kinder, welche eine gute Erziehung genoſſen haben
und ſc zu leben. ür das ſpätere Leben der Kinder ſind ſolche Uebungen von un:
berechenbarem Werthe.
Diktiren (vom lateiniſchen dictare == oſt ſagen) war eine jener Uebungen
der frühern Schule, mit welchen planmäßig die Zeit verſ Man diktirte theils, um den Schülern Lernſtoff mitzutheilen, theils zur Be-
förderung der Rechtſchreibung. Daß erſteres ganz verkehrt iſt, liegt auf
der Hand ; denn ein gedruckter Leitfaden, den man dem Kinde um ein paar
Kreuzer in die Hände geben kann, bietet hundertmal mehr Lexnſtoſſ dar,
als der fleißigſte Lehrer geben kann. Will man aber gar noch zu einem
Leitfaden Zuſäße machen, ſo erſcheint dies um jo.zwechvidriger, als dadurch
die ohnehin große Schwierigkeit, unſere diäleibigen Schulbücher mit den
Kindern vollſtändig dur niß zu bringen, noch vermehrt wird. Auch müſſen die Kinder jo viel in
der Welt durch den mündlichen Unterricht lernen, daß es die Krafi des

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