Digciplin, - DiSeiplinärverfahren, 399
beurtheilt werden, wie ſeinaUnterredungen Über den Käatehi8mus
ebenfalls, und es iſt ſchon oft behaupiet worden, daß Dinter dadurch umn-
endlich viel geſchadet habe. Wenn man aber bedenkt, daß Dinters Zeitge-
noſſen Bibel und KatechiSmus ganz wegzuwerfen geneigt waren , jo kommt
ver Villigdenkende zu dem Urtheile, daß Dinter auch in ſeiner Weiſe'genüßt
habe, indem er durc< ſeine Behandlung der Bibel und des Katechismus
zeigte, welh' ein nothwendiges und ehrwürdiges pädagogiſches Material auch
vom Standpunkte des Rativnaliſten aus in dieſen Büchern enthalten iſt.
Dißbeiplin, 1. Schulzucht.
Didveiplinarverfahren. Das Disciplinarverfahren kann nicht ſchlechthin
als Correction3- oder Beſſerungsverfahren bezeichnet werden (Hergang,
Realencyclopädie), ſondern muß vielmehr als vas amtliche CGinſhrei-
ten der vorgeſeßten Behörde bei allen Vergehungen, welche
ven Geſhäftskreis und die qute Sitte betreffen, feſtgeſtellt
werden, während das Beſſerungsverfahren einen Theil des DiSsciplinarver-
ſahrens (das niedere) bildet. Es kann hier nicht unſer Aufgabe ſein, vas
Disciplinarverfahren der verſchiedenen Länder mit einander zu vergleichen,
und zwar dies um ſo weniger, als die Shulgeſesgebung gegenwärtig in zu
vielen Uebergängen ſich befindet; es handelt ſich vielmehr darum , die Zu-
läßigleit dieſes Verfahren einerſeits, anderſeits die Normen darzulegen, welche
denjelben zu Grunde gelegt werden ſollen. --- Der Lehrer tritt dem Staate
gegenüber nicht uur in das Verhältniß der Staatsbürger, als welcher er
ver allgemeinen Strafgeſeßgebung unterworfen iſt, ſondern überdies noh in
das Verhältniß eines öffentlichen Dieners ein; er läßt ſich einen beſtimm-
ten Wirkungskreis vom Staate übertragen und übernimmt dagegen ent:
jprechende Verpflichtungen. Kraft dieſes eingegangenen Verhältniſſes iſt der
Staat befugt, die Amtsthätigkeit des Lehrer8 durch die vorgeſeßten Vehör:-
den überwachen zu laſſen. Zu einer geſegneten Amts8thätigkeit des Lehrers
gehört aber auch ein entſprechendes ſittliches Verhalten und. deßhalb fallen
auch ſolche Berhältniſſe unter die öffentliche Aufſicht, welche bei Vrivatpex-
jonen der Aufſicht nicht unterliegen. Bei Vergehungen nun gegen dieſe
beiden Seiten de8 Dienerverhältniſſes iſt die DisSciplinargewalt beſugt, ein-
zuſhreiten, und zwar bis zur äußerſten Stufe der Entlaſſung, da leßtere,
jvenn ſie dur< das Betragen des Lehrers bedingt iſt, nicht3 weiter iſt, als
die einfache Folge davon, daß ſich derſelbe unmöglich gemacht hat. Aus
dem Geſagten werden ſich nun folgende Grundſäße ergeben :
1) Dem Disciplinarverfahren gegen die Lehrer ſind genau dieſelben
Normen zu Grund zu legen, wie dem Disciplinarverfahren gegen die übrigen
öffentlichen Diener ; es iſt alſo jedenfalls dieſelbe Reihenfolge der Beſſerungs-
verjuche anzuwenden, wie ſie in allen ändern Zweigen der öffentlichen Ver-
waltung gegen die Beamten angewendet wird und iſt für die Lehrer die-
jelbe Fürſorge zu treffen, daß ſie keinerlei willfürlicher Behandlung unter-
liegen. 2) Es dürſen in Betreff der öſfentlichen Anſtändigkeit keine weiter-
gehende Forderungen geſtellt werden, als an andere Staatsdiener. Aller-
dings ſind die Pflichten der Lehrer der Kirc Diener und den Kindern gegenüber , deren Erzieher er iſt, ſchärfer aunſzu-
ſaſſen. Was das öüſffentliche Leben dagegen anbelangt , beſtehen ſür den
Lehrer keine engeren Schranken als für die übrigen öffentlichen Diener. Dieſe
beiden (Srundſjäße ſind genan zu beachten, wenn nicht eine Reihe unbeſltinm-
zer Begriſſe und willkürlicher Auslegungen ver Geſeke um ſich greifen
ſollen. --- Das Disciplinarverfahren ſelbſt joll bei regelmäßigem Ver:
laufe nachſolgende Abſtuſungen haben: 1) die private Warnung von

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