406 Dreiſtigkeit. = Drohung.
als frech erſcheinen, was an dieſem über die Grenze der erlaubten Dreiſtig.
feit nicht hinaus8geht. In Schulen aber , wo beide Geſchlechter neben ein:
ander umiterrichtet und erzogen werden, kommt es leider häufig vor, daß die
Mädchen den Knaven das größere Maß der Dreiſtigkeit ablernen und das
durc< von ihrer natürlichen Schüchternheit und Zartheit, die ihnen jo gut
anſteht, vieles verlieren. Dies ſollte der Lehrer möglichſt zu verhindern
juchen, invem er eher die Dreiſtigkeit der Knaben beſchränkt, als jene der
Mädchen ausarten läßt. Jene Beſchränkung dürſte in unjern Tagen um ſy
gebotener erſcheinen , als die- Klage über die Ke>heit , womit Kinver ihren
Eltern und Lehrern entgegentreten, allgemein geworden iſt. -
Drohung, Unter der Drohung im Sinne des Erziehers verſteht man.
die ernſtliche Hinweiſung anf die Strafe, oder deren Ankündigung jür den.
Fall einer GejeßeSübertretung mit der Abſicht , von der leßtern abzuhalten, '
Dieſer Begriff findet in der Drohung, welche Gott an das den erſten Men-
Ihen gegebene Verbot knüpfte , jeine anſchauliche Erklärung und Rechtfer:
tigung. Durch die Droyung 'joll das Böſe verhindert werden, und zwar
mittelſt der Furcht , die dem Bedrohten eingeflößt wird. In ihr erſcheint
der Erzieher als jene richterliche Perion , welche dem Gejetße nöthigenfalls
durch Strafen Anjehen und Nachdruc>i verleihen kaun. So frühe in der
Geſchichte der Menj Wichtigkeit jein, wenn jie in der rechten Weije angewendet wird. Hiezu
gehört: 1) die Drohung muß ſowohl auf dem Rec als auf der Wahrhaſjtigkeit und Treue ves Erziehers beruhen, wenn
ſie überhaupt bei dem Zöglinge Anſehen genießen ſoll. Iſt diejer zu der
Erfenniniß gekommen, daß der Drohende unfehlbar an ſeinem Worte ſeſt-
hält, und nur aus Rüdſicht auf die Chrfurct, die er ſelbſt vor Recht und
Pfliht hat , ſowie im Hinblike auf das wahre Wohl des Zöglings die
Drohung ausgeſprochen, dann kann es der leßtern am entſprechenden Erfolge
kanm fehlen, wenigſtens lehrt die Erfahrung, daß das Kind jene Drohung
jtet3 zu Herzen genommen hat, von welcher es erkannte, daß ſie auf einem
höhern Geſe3 beruhe, und daß ſie vom Geiſte des Ernſtes wie von der
Liebe belebt jei. Die Drohungen vieler Mütter verfehlen nur darum ihren
Zwe, weil man jie nicht erjüllt. In dieſem Falle erſcheinen ſie dem Kinde
als leeres Schretbild , vder gar als Unwahrheit, wobei nichts zu fürchten
iſt, und Vertrauen und Anjehen verloren geht. Damit es aber nicht zu
einer unnöthigen und unvernünftigen Drohung komme , die ſich nicht aus-
führen läßt, jo halie man ſich 2) an den Grundſfaß , daß die Drohung
niemals aus Leidenſ Aſſertes gegeben werde; denn dadurch erſcheint ſie zum vorhinein in den
Angen des Zöglings als ſchlecht motivirt, als Uebertreibung und Unrecht.
Die Drohung muß folglich mit Würde und Ruhe und in wohlbemeſſenen |
Worten fundgegeben werden. Durch die Drohung will man die Strafe
Nicht herbeijübren, jondern erjparen, ein Umſtand, der die Beobachtung dieſes
Grundjaßes durchaus nothwendig macht. Eine ruhige und wohlbedachte
Drohung wird nicht zu gelind und nicht zu hart ausfallen und ebendeßhalb

dem Zöglinge als eine jolc Imt andern Worten: als eine Drohung, welche er zu fürchten hat. Unter
den verſchiedenen Erziehungsmitteln gibt es wenige, welche ſich jo leicht ab-
nußen, als die Drohung; daher gilt rücſichtlich ihrer 3) die Regel , daß
man ſie ſo jelten als möglich anwende; namentlich ſpreche man
eine allgemeine Drohung über eine ganze Schule nur in einem entſchie:
denen Falle aus, weil ſie ſelten alle Schüler oder alle in gleichem Grade
angeht, und weil es im Falle ihrer Nichtbeachtung äußerſt ſ |
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