420 -. Ghrgefüb!, Chrgeiz, Ghrliebe, Ghrixjeb. -= Giferſucht,
Erzieher, weit über die der Übrigen geſtellt. werden. Je weniger ausdrite.
liche Anerkennung dem Kinde bewieſen wird, deſto feiner wird ſein Ehrge:
fühl umd deſto reiner jein Ehrtrieb ausgebildet werden. Ruhm, laute Chre
liegen dem Kinde noch zu ferne, als daß jein Beſtreben darauf gerichtet
ſein ſoll. Man fann wohl als fernſtes Ziel auf etwas dergleichen hindey-
ten , und die Beijpiele berühmter Männer aufſtellen ; allein nahen Ruhm,
äußerliche Auszeichmung in den Kinderjahren vorhalten , verdirbt nothwen:
dig den Charakter. Daher ſind öffentliche Belobungen oder Ehrenzeichen
im den Schulen jederzeit bedenklich. Häufiges und reiches Lob führt am
leichteſten den natürlichen Trieb zur Ausartung, meht minder häufig die
Chrerbietung, welche abhängige Perſonen den Kindern vornehmer oi er reicher
Sltern beweiſen. . . . Es iſt das ſicherſte Mittel, Kindern unbegründete An-
jprüche einzuſlößen, wenn Eltern ihre Umgebungen merken laſſen , daß ſie
die ihren Kindern erwieſene Ehre als ihnen ſelbſt erwiejen betrachten. . ..
Veberhaupt nimmt der Chrtrieb erſt dann eine entſchieden falſche Richtung,
wenn er die Anerfemmung Anderer für unbedeutende oder eingebildete Vor-
züge verlangt, oder wein er Diejenigen , welche ſeinen Anjprüchen nicht
entgegenkommen , lieblos behandelt.“ (Lehrbuch der Erziehung. 11. 8. 23.)
Hiernam wird es zu den erſten Grundſäßen der Erziehung gehören, daß
man die Kinder darin übt, die wahre Ehre über die eingebildete
zu ſehen. Da der Ehrtrieb jehr leicht v«rauf verfällt, in der äußern
Anerkennung feine Befriedigung zu ſuchen, jo muß dem Zöglinge begreiflich
gemacht werden, daß er dieſe Anerkennung nicht bedürfe, und daß ſie ihm,
ohne jorglich geſucht zu werden , von allen Berſtändigen von. ſelbſt werde
gezollt werden. In der Schule wird der Fall ſelten vorkommen, daß man
auf ſtärkere Spamung des Ehrtriebes zu wirken hat. Nur bei einzelnen
ichläfrigen und trägen Naturen wird es geſchehen müſſen, doch iſt auch hier
große Betonnenheit erforderlich. Will man den Chrtrieb auf die ſicherſte
Weiſe vor Ausartungen bewahren, ſp wird man zu den Grundſäßen
des Chriſtenthums feine Zuflucht nehmen mütjen. Mit ihnen reicht
man. weiter als mit allen übrigen Mitteln. Es macht zweiſelsohne einen
tiefen Eindru> auf den Zögling, wenn man ihm ſagt, daß der Sohn Gottes
zwar Chre geſucht habe , aber nicht für ſich, ſondern für den Vater , der
ihn geſandt, und daß alle Ehre, die ihm zu Theil wurde , von ihm ſelbſt
auf den Vater übertragen worden fei, jo daß er eine Ehre, welche fich nur
auf ihn bezogen hätte, ohne auf den Vater bezogen werden zu können, für
etwas Nichtiges erklärt habe. (Joh. 8, 50. 54.) Dabei habe er aber nicht
aufgehört, jolche Werke zu verrichten, welche jeden Unbefangenen und Wohl-
geſinnten von ſeiner göttlihen Würde und Sendung Überzeugen mußten,
So müſſe der Ehrtrieb in jedem Chriſten wirken. Ebenſv wird es für die |
Bildung des Ehrtriebes eine ſichere Richtſqnur ſein, wenn man auf den -
heiligen Baulus hinweiſt, welcher kein anderes Rühmen aufkommen läßt,
als das Rühmen im Herrn (2 Cor. 10, 17.), und welcher ſich jelbſt nur im
Kreuze unjeres Herrn Jeſu Chriſti rühmt. (Gal. 6, 14.)
Eifer, |. Amt, Beruf, Berufsliebe.
Giferſucht. Zu den Sünden wider das große Gebot der Liebe gehört :
auch die Ciferjucht, unter welcher man jene Leidenſchaft verſteht, die mit
Deftgfeit den! ausſchließlichen Brcſiß oder Genuß eines beſonders werthge-
jimäßten Gutes anſpricht. Der Eiferſüchtige will mit Andern nicht theilen,
was er gern ausSſchließend beſißen möchte , denn es gibt in feinen Augen
Borzüge, Beſibthümer und Genüſſe, die für ihn aufhören ein Gut zu ſein,
wein er jie nicht allein beſißt, So hat das Herz des Chegatten für die
Gattin keinen Werth, wenn ſie es mit einem Andern theilen ſoll , und ſie

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