422 Gigenlob. -- Kigennuß.
wenn er ſich in der für ihn unangenehmen Nothwendigkeit befindet , ſieh
egen unbillige Zumuthungen oder ungerechte Beſchuldigungen, oder gruünd-
oje Verdächtigungen zu rechtfertigen; hier iſt aber das Gute , ſo er von
ſim ausjagen muß , nicht Eigenlob, jondern erlaubtes Selhſtlob. = Dem
Eigenlobe muß in der Erziehung entgegengearbeitet werden, denn es wider:
jtrebi dem Geiſie des Chriſienthums, indem es ſich ausjchließlich
etwas aneignet, was Andere auch und wohl noch in höherm Grade be:
jihben, und indem es ausdrücklich) dem Geſehe der Demuth und der Selbſt-
verläugnung widerſpricht. Wer jeine Verdienſte ſelbſt auspoſaunt, hat jeinen
Lohn dahin. (Matth. 6.) Eigenlob iſt Selbſtdienſt. Dieſer Charakter des
Cigenlobes iſt es, der den Zögling beſtimmen muß, ein ſolches Lob zu ver-
imhmähen. Cs läßt ſich vem Kinde auch leicht begreiflich machen, um wie
viel beſſer es jei, von Andern gelobt zu werden als ſich ſelbſt zu loben.
Das Eigenlob habe man gar nicht nöthig, kann man ihm ſagen , weil, wo
wahre Berdienſte ſind, ſvl ein wahrer Chriſt, nie ein großer Geiſt oder nur Überhaupt verſtändiger
Dienjh jein eigen Lob verkündigt. Z| ein Kind auf Eigenlob ertappt wor-

den, dann läßt jim von dem ſpeciellen Gegenſtand des Lobes am erfolg-
reichſten gegen das Cigenlob zu Felde ziehen und nachweiſen, wie nichtig
und unwahr es jei. Solche directe, an Thatſachen ſich anſchließende und
heſichämende Belehrungen werden die größte Wirkung thun. --- Insbeſon:
dere hat ſich der Lehrer ſelbſt vor Eigenlob zu hüten. Er ſoll
weder direct noch indirect ſein eigner Lobredner werden. Denn nimmt man
das Cigenlob Jedermann übel, ſv mißfällt es an ihm zweimal. Ex darf
zwar wohl von der Wichtigkeit jeines Standes reden , allein er ſoll dies
nicht in einer Weije thun; daß es den Anſchein gewinnt , er habe damit
nur fich jelbſt loben wollen.
Cigenumnßb. Der Eigennuß iſt ein Kind der Selbſtſucht. Iſt Jemand
eigennüßig, 10 begehrt er leidenſchaftlich nach Allem, was ihm Nußen bringt.
Cs iſt ihm nicht blos mus Geld zu thun, wie vem Gewinnſüdtigen,
jonvern um jedes Gut, heiße es wie es wolle. Er kann durc< jede Ge-
fälligkeit, die ex Andern erweiſt, Gegengefälligkeiten over ſonſtige Vortheile
erſtreben, was eben ſeinen Eigenuuß bekundet. Insbeſondere mag der Eigen-
nüßige nichts thun, was einige Anjivxenguiny oder Aufopferung koſtet, wenn
ihm daraus nicht ein beſonderer Gewinn erwächſt. Auch liebt er es , ſich
den größten Theil von dem zuzueigquen, was ein gemeinſames Unternehmen
einbringt, woraus hervorgeht, daß es nicht ſeine Sache iſt, billig gegen
Andere zu handeln. Daß der Eigennutz auch ſchon unter Kindern vor:
kommt, iſt eine leidige Thatſache; insbeſonvere höri man von Lehrern und

Geiſtlichen darüber klagen, daß Schulkinder in vielen ihrer Handlungen |
eine auffallende Eigennüßigkeit an den Tag legen, was wohl hauptſächlich 1
im einer verlehrien häuslichen Erziehung ſeinen Grund haben mag. Indem |
man jeden Act des Gehorſams mit einem Verſprechen zu verwirklichen
jucht, wird das Kind daran gewöhnt, nichts ohne beſondern eigenen Nußen
zu thun, und kommt dann zuleßt jo weit, daß es (wie ver Fall in der
Squle zu NR. vorkam) den Pfarrer fragt: „Was frieg' ich , wenn ich euch
zu euerm Ylamenstag Glüs wünſche?“ Cbenjo wurden dem Schreiber die-
1e8 frappanie Beiſpiele von Eigennuß aus einer Nachbars8gemeinde erzählt,
wo die Kinder um Geld und mit Karten ſpielen. Zn ver Schule ſelbſi
gibt es der Beiſpiele genug, wo man den Mitſchülern nicht den geringſten
efallen thut, ohne eine Feder , ein Bild, einen Griffel oder ſonſt etwas
dafür zu verlangen. Dies macht abſcheuliche , unedle Menſchen , und jeder
Srzieher wird ſich für verpflichtet halten, gegen ſolchen Schaden einzuſchrei-

TZ DI eD 2 2 Aen ue re

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