Neußere Einrichtung dex Schule, =“ Aeußere Ordnung. 41
ſind ihm dann die wahre Höflichkeit , Artigkeit , Zuvorkommenbheit und alle
diejenigen gejellſhaftlichen Tugenden gewahrt , ' die ven Menſchen im Um-
gange angenehm und lieben8würdig machen. -
- Akpenßere Einrichtung der Schulen. Der Geiſt, welcher in der Schule weht,
ob der Yehrer freudig wirkt, ob die Kinder gerne in die Schule gehen und
heiter und munter ſind, hängt hauptſächlih von den äußern Verhältniſſen
ab, welche die Squle beeinfluſſen und von der äußern Einrichtung
der Schule. Zu dieſer äußern Einrichtung rechnen wir: 1) das Schnl-
haus, 2) vas Schulzimmer, 3) die Shulgeräthe, 4) die Schul-
ordnung, 5) die Lehrerwohnung. Dieſe Theile der äußern Ein-
richtung werden unter den einzelnen Artikeln beſprochen werden , und be-
merten wir nur noch: vas Aeußere erhebt den Menſchen oder drüt ihn
nieder , es ſlößt ihm Muth ein oder nimmt ihm das Vertrauen. Man
ſtelle fich das Gefühl vor, das einen Lehrer überfällt, wenn er einen neuen
Dienſt antritt, und er trifft eine Barvake als Schulhaus, eine elende Stube
mit blinden Fenſtern als Lehrzimmer, eine enge feuchte Wohnung für ſeine
Familie an. Im Lehrzinnner hängen zerriſſene Vorhänge, beſc bige Tabellen und zerfetzte Landkarten ; dazu trifft er eine an keine Ord-
nung gewöhnte Jugend an. Wie, muß nicht der Muth eines Mannes
ſinken, der von Jugend auf an Reinlichkeit, Ordnung und Anſtand gewohnt
war? Gewiß! Es ſollte in jedem Schulhauſe doch jene äußere Anſtändig-
keit zu ſinden jein, die ein bemitteltes Privathaus aufweiſt, und es ſollte
Jedem, der eintritt, klar werden, daß hier das Haus ſei , in welchem das
Kind an Sinn für Ordnung und Schönheit gewöhnt wird. Jn der äußern
Cinrichtung der Schule ſpiegelt ſich das Intereſſe ab, welches die ganze
Gemeinde dem Schulweſen widmet.
Aeußere Ordnung. Als Vorbereitung zur weitern Erziehung ſind einige
Gewöhnungen jo wichtig , daß ſie in der Erziehungskunſt als Beiſpiele des
Verfahrens beim Gewöhnen dienen können. Unter dieſe gehört beſonders
die Gewöhnung zur Ordnung, Die Liebe zur Ordnung iſt als Erziehungs-
ſtufe von großer Wichtigkeit , weil ein Kind, welches an ſie gewöhnt iſt,
leichter die höhere Geſezmäßigkeit , welche das ganze Menſc greifen joll , anerkennt. Wir nennen die Ordnung eine Zeitgewinnerin,
welche ſc eine Beſeitigerin vieler Verdrüßlichkeiten, welche der Heiterkeit de8 Lebens
entgegenſtehen. Es iſt deßwegen ein wichtiger Grundſaß: „Was das Kind
einſt nach erhaltenem Vernunſftgebrauche nicht thun darf , werde ihm gleich
anfangs nicht geſtattet ; und was das Kind in ſpäteren. Jahren thun ſoll,
dazu werde es n frühe als möglich gewöhnt und durc< Ordnungsliebe ſtets
hingeleitet.“ Jn ſittlicher Beziehung iſt es nothwendig , daß dem Kinde
eine wohlgeordnete Lehens8weiſe zur Fertigkeit gemacht werde ; deßhalb kann
ein nur mäßig ordnungsliebender Erzieher ein Kind vollkommen zur Ord-
nung gewöhnen, weil es ſich in dieſer Beziehung nicht mit den Erwachſenen
zu vergleichen pflegt. Man verſäume nur nicht, dem Kinde: die rechten
Hilfsmittel zu geben, durch welche es ſich an eine gute Ordnung gewöhnen
kann. Soll das Kind ſich an Pünktlichkeit gewöhnen, ſo mache man es
mit der Uhr, ſoll es Ordnung in dem Aufbewahren ſeiner Kleider haben,
jo mache man es mit dem für dieſelben geeigneten Platz befannt , andern-
jalls ſteuert man der Unordnung nicht. Was von dem elterlichen Hauſe
gilt, gilt auſ von der Schule. In der Schule herrſche vor Allem der Geiſt
der Ordnung und zwar im Lehrzimmer, beim Unterrichte, Anfang und Be-
endigung deſſelben , «im Fortgehen. und Kommen u. ſ, w. Dadurch wird
vielen Ausgelaſjenheiten , Muthwillen und Rohheiten vorgebeugt und der

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