Eigenthum. mur Einbildungskraft. 4314
Beziehung nur Ein Wille wird mit dem Willen Gottes. Die Hinweiſung
auf die dritte Bitte des Vater unſers verſagt ihre Kräfi m bringt eine gute Wirkung hervor, wenn gezeigt wird, wie der Eigenwille
ale Arbeiten und Andachtsübungen fruchtlos mache. S. auch Zeheter,
Exziehungslehre. S. 111 y. 422,
Eigenthum iſt alles Das, was mir angehört und worauf mir ein Recht
zuſteht. Diejes Recht jelbſt heißt Eigenthumsrec und
Aufgabe des Staates , dicſes Recht und jomit das Eigenthum zu ſchüzßen.
Was der“ Staat durc) äußere Mittel erzielen -will, das iſt dem Chriſten
ſhon Gewiſſenspfliht, denn ihm iſt geboten: Du ſollſt nicht ſtehlen, du ſollſt
nicht begehren deines Nächſten Gut!“ ES iſt eine der ſrüheſten Aufgaben
aller Erziehung, das ſremde Gut achten und gleichſam heilig halten
zu lehren. Cs iſt eine bekannte Erfahrung, daß die Kinder Alles, was ſie
jehen , und namentlic) was ihnen gefällt, gern haben wollen. Dieſe Luſt
wet den, Trieb, ſich die Dinge anzueignen. Es kommt vor, daß die Kin-
der ſhon ſehr frühe Kleinigkeiten = ich möchte ſagen, =- in aller Unſchuld
ſtehlen. Es zeigt ſich hier ſehr frühe eine der Richtungen des ererbten
Grundübels, der Selbſtſucht (EgoiSmus). „Der Egoismus muß aber,“ ſagt
I. M. von Sailer in jeinen jämmtlichen Schriften (6. Band. 3. Auflage)
„Deils unterdrü&t, theils beſchränkt, theils geleitet werden, wenn
die Erziehung des Menſchen gedeihen ſoll. Er ſoll unterdrü>t werden, =-
in jeinen ungerechten , zerſtörenden Ausbrüchen ; er foll beſchränkt werden
in ſeiner Selbſtausdehnungstendenz; er ſoll geleitet werden in den JFor-
derungen des Bedürfnijjes.“ Hierzu iſt nur noch zu bemerken, daß die
Kinder , als eine zarte Pflanze , ſtets mit aller Sorgfalt zu bewachen ſind,
und daß, in Hinſicht auf den hier beſonders beregten Fall, --- -man vom .
zZrühbeſten an nie dulden darf, daß die Kinder zugreifen, wo
jie nicht jollen. Was man den Kindern nicht gibt oder ihnen zuläßt,
dürfen fie nie zu ihrem Nußen verwenden. Auch die geringſte Verlezung
jremden Eigenthums iſt ſtets zu ahnden. Man muß das Gewiſſen frühe
ihärfen und eben jo frühe und ſorgfältig die Grundſäße des Rechts und
der Ehrlichkeit einprägen und pflegen. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß nicht
nur das Sichaneignen fremden Cigenthums an den Kindern nicht gelitten
werden darf, ſondern daß auch das Beſchädigen und Zerſtören in dieſelbe
Kategorie fällt. -- Aber joll man auch nicht dulden , daß Kinder das, was
ihnen angehört, gegenfeitig vertauſchen? Wenigſtens ſoll dies nicht geſchehen
ohne Erlaubniß der Eltern, da die Kinder immer nur ein beſchränktes Eigen-
thumsSrecht haben , zu dem Zwecke nämlich , wozu ſie es von den Eltern
empfangen haben. Auch liegt gerade in dem Austauſchen ein eigenthüm-
lier Reiz, zu gewinnen , der jedenfalls weder die Genügſamkeit befördert,
uo) der Sucht , Ändere zu überliſten , entgegentritt. Vrgl. d. A. Egois-
mus.
Eigenthümlichkeit, f. Individualität.
Einbildungökraft. Man bezeichnet damit gewöhnlich jene Fähigkeit ves
Seijtes , kraft deren er fich einen Gegenſtand auch ohne deſſen Gegenwart
vorzuſtellen vermag. Man nennt dieſe Vorſtellungen Bild vorſtellungen,
veil jich die Seele in ihrem Innern dabei ein Bild von einer Sache macht,
veßhalb der Lateiner die Einbildungskraft mit „imaginatio“ von imago ==
Bild überſeßt. Doh bildet ſie uns nur ſolche Gegenſtände vor , von wel:
hen wir früher eine Anſchauung gehabt haben. Man unterſcheidet an der
vinbildungskraft eine productive und reproductive Thätigkeit. Wenn
tämlich jene Kraft aus dem Vorrathe ſchon gehabter Vorſtellungen einzelne

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