Elementiren, -- Emancipäation der Schule von der Kirche. 449
mengejeßt iſt, jo nennen wir in bildlichen Sinne die einfachſten Beſtandtheile
des menſchlichen Wiſjen8, welche allet andern Kenntniſſen zu Grunde liegen,
Elemente. GS ſind aljo die Elemente das , was zum Fundament der
Menjſc Hinſicht anf Erweckung, Entfaltung und Bildung der kindlichen Anlage und
Kräſte (Wörlein). Insbeſondere nennen wir die Anfänge einer jeden Wiſ-
ſenſchaft die Clemente derſelben. Wer 3. B. eine Sprache erlernen will,
muß die Wörter lernen; die Wörter beſtehen aber aus Lauten, welche durc<
Buchſtaben dargeſtellt werden. Inſofern ſind alſo die Laute die Elemente
der Sprache und die Buchſtaben die Elemente des Sprachunterrichts, wie
die Cinheit das Element der Zahl und des Rechenunterrichts, und der Punkt
und die Linie die Clemente der Raumlehre ſind. Dann aber neunt man
Elemente auch die Hauptprincipien einer jeden Wiſſenſchaft , in welchem
Siame der Ausdru> Elemente gleichbedeutend iſt mit Elementarſäßen.
--“- Was das Wort „Element“ anbelangt , ſo iſt zu bemerken, daß es ein-
fach aus den drei Buchſtaben [l, m, n, beſteht, welche die drei mittleren
des alten, aus dreiundzwanzig Buchſtaben beſtehenden Alphabetes ſind und
aljv, wie Alphabet und Abc, für die Geſammtheit der Buchſtaben gebraucht
werden. “ |
Clemeutiren heißt, ein Wort in die Grundbeſtandtheile , alſo in ſeine
einzelnen Laute zerlegen. Das Elementiren iſt der Anfang des Leſeunter-
richts nach der Lautirmethode, (S. d. A. Leſeunterricht.) Zu allererſt und
bevor man noch die Kinder die Zeichen der Laute lehrt, lehrt man ſie die
Laute der Sprache kennen und hervorbringen. 'Dabei iſt hauptſächlich darauf
zu jehen, daß die Laute vollkommen richtig und rein gegeben werden. Wenn
man jc vem Laute den Buchſtaben geben ; allein das Elementiren führt zur Gründ-
lichkeit. Peſtalozzi ließ jeine Kinder lange elementiren , bevor er ihnen
einen Buchſtaben zeigte. Das Elementiren beſteht aus zwei Uebungen, aus
der Uebung des Gehörs, der veceptiven und der Uebung der
Sprachwerlzeuge, der prvductiven; die erſtere faßt die Laute auf und
unterſcheidet ſie , die lehtere ahmt die Laute nach. Mün verlangt, daß
der Lehrer auch dann noh die Elementirübungen fortſeße, wenn die Kin-
der gleichwohl jhon zu lejen im Stande ſind und zwar weil dadurch nicht
bloß das Rechtſchreiben begründet, ſondern auch befördert werde.
Eltern als Erzieher, |. häusliche Erziehung.
Emaneipation der Schule von der Kir „Eman-
(ipatio“ wurde von den Römern gebraucht, um den gerichtlihen Act zu
bezeichnen, dur< den die Kinder aus der väterlichen Gewalt entlaſſen (8ui
juris) wurden. (Zeiß, römiſche Alterthumskunde 8. 72.) Man gebrauchte
ihn in neuerer Zeit auch dazu , um die Befreiung der Schule von
dem Abhängigkeitsverhältniſſe, in welchem ſie zur Kirche
ſtand, zu bezeichnen. Der Ruf nach dieſer Beſreiung hat ſich beſonders
bei den proteſtantiſchen Lehrern ſtark vernehmen laſſen, jedoch fehlte es auch
auf katholiſcher Seite nicht an ſolchen, welche ihm zuſtimmten. Auffallend
iſt dabei, daß derjelbe der Zeit nach , in der er hervortrat, mit den revo-
lutionären Beſtrebungen, die an den Grundfeſten des Staates und der Kirche
rüttelten , zujammenfällt, jo daß es den Anſchein gewinnt, er ſei ein Kind
ver Revolution und müjje ihr als Handlanger dienen. Zndeß wurde er
nicht von allen Stimmführern in gleichem Sinne und Umfange verſtanden;
die einen dachten dabei = wie Gräfe bemerkt, „nur an Befreiung von
Encyclopädie des Unterrichtso und Erziehungsweſens, 99

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