458 Entlaſſung ans der Schule. -
Cutehrende Strafen, 1. Strafen.
Entlaſſung aus der Schule, Die Frage, wann ein Kind aus der Volks:
jule entlaſſen werden ſolle, beantwortet ſich einfach: wenn das Sculziel |
erreicht iſt. Allein gerade darüber gehen die Meinungen weit auseinander,
was als Sculziel gelten ſoll, und namentlich in der neuern Zeit beginnt |
jim eine Richtung im Lehrerſtand ſelbſt geltend zu machen, welche das Schul-
ziel viel weiter, als dies bis jeht geſchah, hinausſtellt. Die Geſeßgebungen
der einzelnen Länder haben bis jekt eine weiſe Mäßigung beobachtet. In |
Baden können die Knaben nach zurücgelegtem vierzehnten und die Mäd-
für das bürgerliche Leben erforderlichen Kenntniſſe in der Religion, in ver |
deutic Württemberg wird verlangt, daß alle Kinder männlichen und weiblichen
Geſchlechts bis nach zurücgelegiem vierzehnten LebenSjahre die Schule be- |
jüchen ; entlaſſen werden ſie, wenn ſie wenigſtens fertig leſen und ſchreiben 1
önnen. Iu Anhalt-Deſſau, Holſtein, Kurland geſchieht die Ent-
lajſung im 15. und 16. Lebens8jahr der Kinder. Auffallend, wie in allen |
Stüden, iſt die Shulgeſeßgebung des Cantons Thurgau auch hierin. Die
Kinder haven vom zurüdgelegten fünften bis nac< zurücgelegtem eilften Le-
ben3jahr die Alltag3j] hule Sommers und Winter3 zu beſuchen ; nac<ßher |
veſuchen ſie die Alltagsſ gänzungsſ vensjahre jede Woche einmal bejuchen und im Sommer drei, im Winter |
vier UnterrichtöSſtunden erhalten. In Anhalt-Cöthen iſt die Entlaſſung |
Überdies noch abhängig von genügender Bildung. Die preußiſchen Verordnungen verlangen, daß das Kind die
Hauptlehren jeiner Neligion mit dem Gedächtniſſe und dem Verſtande ge- |
faßt habe, ohne Anſtoß Gedruätes und Geſchriebenes lejen, nothvdürſtig
jhreiben und die im gewöhnlichen Leben vorkommenden Rechnungsauſgaben,
was die einfachen betrifft, im Kopfe, die zujammengeſeßten auf der Tafel
rechnen könne. Die jo verlangten Kenntniſje müſſen in allen Kändern
dur< eine Prüfung, welche wenigſten3 vor der Orts8ſ wird , dargelegt werden. Ju manchen Ländern iſt die Entlaſſung --- wie
billig --- einer höhern Behörde vorbehalten, welc den Ortöjc werden. Die Zurüdhaliung jolcher Kinder, welche die nöthigen Kenntniſſe
niht erreicht haben, iſt in vielen Ländern, 3. B. Baden, zur Cflicht ge-
macht. In andern Ländern, wie 3. B. Preußen und Sachſen, können
j entlaſjen werden, wenn anzunehmen iſt, daß auch fortgeſeßter Shulbejach
ihnen keinen Gewiun bringen werde. Wir ſehen alio, daß das vierzehnte
Jahr jo ziemlich allgemein als das Entlaſjung8jahr angenommen wird.
Wenn in einzelnen Ländern, wie in Baden und Meiningen, die Mäd-
auc< dies nicht begründet, und können ebenfalls nicht begreifen, warum
auf die Erziehung der Hausmutter weniger Sorgfalt verwendet und das
Mädchen gerade in dem Jahre entlaſſen werden ſoll, in welchem es die
meitten Fortſchritte machen kann. Sie finden nur eine mangelhafte Ent-
jhuldigung darin, daß „m dieſem lebten Jahre der Unterricht weſentlich die
den Mädchen eigenthümliche Seite ihres Weſens berühren ſollte, was in
Bereinigung mit den Knaben nicht möglich iſt. Andere Schulmänner da-
gegen ſind ver Anſicht, daß in unſern Schulen die Mädchen doch nicht er-
zogen werden, und ſtüßen ſic) namentlich auf die Grſahrung, daß vie ver-

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