Entwöhnung. = Epe 465
lungsſtufe bildet die Grundlage des menſchlichen Charakters und je nachdem
dieſe Aſſekte ſich mehr oder weniger zeltenb maden dürfen, wird das Ge-
müth ſich in 1pätern Jahren darſtellen und werden die Gefühls über den
Willen herrjhen. 2) Die zweite Entwicälungsſtufe mit vorherxr-
ſ hauptjächlich der Grund zur Bildung des Erkenntnißvermögens zu
legen. Neben der Einbildungskraft tritt das Gedächtniß und das Erin-
nerungsvermügen hervor. Der Menſc< ſammelt ſich Stoff zu geiſtiger An-
ſjhauung, den er aber noh nicht ſelbſt verarbeiten kann, weßhalb er haupt-
jächlich der Regelung und Aufklärung durc< den Unterricht bedarf, damit
die durch die gewonnene Anſchauung fich regenden Gefühle ſich nicht ver-
inxen. CS tritt Mitfreude, Mitleiden, Abſcheu, Haß, Ehrgeiz, Habgier her-
vor und der ſtärker erwachende Nachahmungstrieb zeigt die künftige
Richtung, in welcher die Bildung der geiſtigen Vermögen ſich geltend machen
ſoll. Dieſes Alter dauert bis zum vierzehnten Jahre, während welcher Zeit
der Grund des fünftigen Berufslebens erforſ Stuſe mit vorherrjichendem Denkvermögen. Zu der Thätigkeit
des Verſtandes, welche auszubilden iſt, geſellen ſich die geiſtigen Anſchau-
ungen, die äſthetiſchen, intellektuellen und moraliſchen Gefühle, welche genau
dem Grade der Ausbildung der Denkvermögen entſprechen. Dieſe gleich-
mäßige und normale Entwicklung aller Kräſte der Erkenntniß, des Gefühls
und des Willens bedingt die harmoniſ welcher der Menſch in die Perivde der Vernünftigkeit eintritt, was mit
dem einundzwanzigſten Jahre erreicht werden kann. Man vergleiche hier-
über Scherr, Handbuch der Pädagogik. 2. Auflage. 1. S. 63 ff. und
die Artikel: Altersſtufen, Erziehung, leibliche.
Entwöhnung iſt die eine Seite der ſittlich-religiöſen Zucht, wie Ange-
wöhnung die andere. Wenn es die Aufgabe dieſer iſt, das ſittliche Leben
zu begründen , jo iſt es die Aufgabe der Entwöhnung, die Hinderniſſe aus
vem Wege zu räumen und den Menſchen in den Stand zu ſeßen, dem Böſen
Widerſtand leiſten zu können. Angewöhnung und Entwöhnung zuſammen
bilden die Gewöhnung, das iſt die Tauglichkeit oder die Tugend. In
der ECrziehungsfunjt fängt die Entwöhnung ſehr frühe an, denn ſchon ſehr
frühe zeigen ſich beim Kinde die verkehrten Neigungen: der Eigenſinn , die
Zornmüthigkeit , die Ungeduld , die Widerſpenſtigkeit, die Unſchamhaftigkeit,
wozu ſpäter nvc< das Lügen , die Heimlichkeit , die Tü>e und wie die un-
glüſeligen Kinder der Mutter Erhfünde alle heißen, hinzukommen. Dieſen
iſt gleic) von Anfang an zu widerſtehen. Mag das kleine Kind auch noch
fein Wort verſtehen, eine drohende Miene und ein warnender Finger ver-
treten die Stelle einer ganzen Ermahnung. Das Werk der Entwöhnung
von diejen vielen Auswüchſen der ſittlichen Ordnung ſchon in aller Frühe
vorzunehmen, iſt das eigentliche Werk der Barmherzigkeit in der Erziehung. - Ein weichherziges Zuwarten, welches die Zucht in die Jahre
des reiſenden Verſtandes verlegen will, läßt das Böſe erſtarken und erſchwert
jedenfalls die Erziehung, wenn es dieſelbe nicht ganz vereitelt. Auch hier
zilt dex Saß: den Anfängen leiſte Widerſtand. Der Erzieher verliere nie
die drei großen Regeln, welche beim Entwöhnen zu beobachten ſind, aus
dem Auge: im Anfange gleich entwöhne, rotte das Böſe mit ver Wurzel
zus und ſee dem Böſen die qute Angewöhnung entgegen.
Epee, Charles Michel, Abbe de l', wurde am 28. Nov. 1712 in Ver-
ailles geboren. Cr widmete ſich dem geiſtlichen Stande; da er aber ſich
en JanfeniSmus zuneigte, wurde er mit keinem kirchlichen Amte betraut.
Gneytlopädie des Unterrichts - und Erziehungsweſen, - 30

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